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Cava aus Katalonien:

Der Herbst gehört den Weinbauern

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Barcelona - Mitte September wird es ruhig in Katalonien. So scheint es zumindest. Denn nordöstlich und südwestlich von Barcelona verlassen die letzten Touristen die Bettenburgen und Appartementanlagen. Die Strandbars und Minigolfplätze schließen, und selbst Europas größter Freizeitpark Port Aventura nahe Tarragona macht für ein paar Monate Pause. Aber Muße gibt es trotzdem nicht.

In 136 katalonischen Weinorten holen die Weinbauern ihre Küpen heraus und ziehen damit in die Weinberge. Sie spülen ihre 0,75-Liter-Flaschen und überprüfen jene Kellergewölbe auf Herz, Nieren und Schimmelbefall, die dem spanischen Sekt ihren Namen geben: Cava, der Keller. Spanien produziert knapp 130 Millionen Flaschen Sekt im Jahr, vor allem in Katalonien und in geringerem Ausmaß in Rioja, Aragon und Navarra. Fast 50 Millionen Flaschen davon finden ihren Weg ins Ausland, Hauptabnehmer ist Deutschland mit rund 16 Millionen Flaschen.

Einladende Kellereien

Im Penedes, dem Kernland des Cava, laden viele Orte zu Keltereibesuchen ein. Die zweitgrößte Kellerei Europas ist Rondell in Sant Sadurni. Sie gehört zur Cordoniu-Gruppe, und ihr äußeres Erscheinungsbild läßt kaum ahnen, daß das gesamte Gelände darunter unterkellert ist und so weitläufig, daß kleine Züge hindurchtuckern. Sie bringen die Arbeiter zu ihren Posten und kutschieren die Besucher in den Kellern herum, die wie Kathedralen wirken.

Etwas weiter landeinwärts liegt Sant Esteve, wo die Kellerei Masia Bach seit einigen Jahren auch Cava herstellt. Das Stammhaus ist sehenswert, und absolut probierenswert ist der in Spanien hochgelobte "Brut Nature" aus diesen Kellern. Hauptort und Schlachtfeld der größten Cava-Konkurrenz ist jedoch Sant Sadurni d'Anoia. 79 Kellereien sind hier angesiedelt.

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Das Cordoniu-Stammhaus im Stil des katalanischen Modernismus ist seit 1976 mit seinem Weinmuseum nationales Kulturgut. Cordoniu beansprucht sozusagen das spanische Patent auf Cava, denn hier traute sich 1872 Manuel Raventos, Sproß einer alten Weinbauern-Familie, das erste Mal, Cava herzustellen. Wenige Jahre später gewann er im französischen Anvers eine Goldmedaille für seinen Cava - damals eine Sensation.

In Deutschland sind vor allem die samtigen Flaschen der Kellerei Freixenet bekannt, neben Cordoniu eine der beiden größten, und dieser direkt gegenüber gelegen. Berühmt wurde Freixenet nicht zuletzt wegen der umstrittenen Frage, wie man dieses Wortungetüm korrekt ausspricht. "Freichenet" mit kehligem Ch gilt oft als Favorit, gefolgt vom französisch angehauchten "Frejene". Des Rätsels Lösung liegt darin, daß "Freixenet" nicht aus dem Kastilischen kommt, das außerhalb Spaniens als Spanisch bekannt ist. Vielmehr stammt das Wort aus der Landessprache Kataloniens, dem Katalan. Katalan ist kein Dialekt, sondern eine eigene Sprache mit eigenen Aussprache-Regeln. Danach heißt der leckere Tropfen "Freschenett", mit weichem, leicht angerutschtem Sch.

Macabeo-Trauben verleihen das Aroma
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Ebenso wie die Sprache seines Ursprungslandes ist der spanische Cava mitnichten ein Dialekt französischen Champagners, sondern eine eigene Kreation mit eigenen Charakteristika. Während in der Champagne hauptsächlich die Rebsorte Pinot Noir angebaut wird, gefolgt von Chardonnay, sind es in Katalonien die Macabeo-Trauben, die Xarel-Lo und die Parellada. Die Weinbauern sagen, die in Katalonien heimische Xarel-Lo sei die "männliche" Traube, die dem Cava Stärke, Würze und Herbheit verleihe. Die Macabeo sei der weibliche Anteil am Cava und somit für Aroma zuständig. Und die Parellada sei "neutral", hin und hergerissen, und gebe dem Cava Eleganz und Rasse.

Viele Weinbauen experimentieren inzwischen auch mit Chardonnay, sowohl im edlen Solo als auch als Beimischung, und mit der Pinot Noir. Aber manche Experten meinen, die heimischen Trauben seien nach wie vor die, die das beste aus den Böden und dem Klima Kataloniens machten. Wie immer beim Wein hat jeder sein eigenes Geheimrezept, über dessen Unveränderlichkeit eifrig diskutiert wird.

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Last edited: tea 03.12.2004 16:07