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Fußballfans und Fadokünstler:

Lissabon lebt von der Vielfalt

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Lissabon

Infos/Tipps

Schon bei der Ankunft im Hotel erfahren viele Lissabon-Reisende, dass die Einwohner von Portugals Hauptstadt echte Fußballfanatiker sind. Miguel von der Rezeption gibt sich gleich als Anhänger von Sporting Lissabon zu erkennen.

Seine Kollegin Carla dagegen schwärmt für den anderen Traditionsverein der Stadt, für Benfica. «Mein Vater hat mich schon kurz nach meiner Geburt in den Verein eingetragen, dem er selbst angehört», erzählt sie.

Leider liegen die glanzvollen Zeiten der Roten schon einige Jahre zurück, als die Mannschaft mit dem berühmten Idol Eusebio zehn Mal die portugiesische Meisterschaft gewann. Eine kleine Statue vor dem Luz-Stadion erinnert an den farbigen Fußballkünstler, der in 715 Spielen für seinen Verein 727 Tore erzielte und seinerzeit als einer der weltbesten Fußballer galt. Ein kleiner Trost ist für Carla aber, dass im modernisierten Luz-Stadion der Benfiquistas das Finale der Fußball-Europameisterschaft am 4. Juli ausgetragen werden soll.

Lissabon ist mehr als nur Fußball

Doch die Zwei-Millionen-Metropole Lissabon ist mehr als nur Fußball. Die Stadt am Tejo ist voller charmanter Alltagskultur. Sie hat mit der Manuelinik einen eigenen Architekturstil, ihre Museen sind reich an Schätzen. «Für den Reisenden, der sich auf dem Seeweg nähert, erhebt sich Lissabon, selbst von weither, wie ein schönes Traumgesicht»: So beschrieb der Schriftsteller Fernando Pessoa 1925 sein geliebtes Lissabon.

Die Cafés, Straßen und Plätze Lissabons waren ihm unerschöpfliche Inspiration für seine Gedichte. Hier streifte Pessoa von der Oberstadt, dem Bairro Alto, hinab in die Baixa, die Unterstadt. Oder er bestieg die «electrico». Seit 1901 rattern altersschwache Holzstraßenbahnen die Hügel hinauf und hinab. Die schönste Strecke wird von der Linie 28 befahren. Für nur einen Euro erleben die Passagiere eine Stadtrundfahrt, vom Cemitério dos Prazeres, dem «Friedhof der Freude» im Osten quer durch das Zentrum bis zur maurischen Altstadt Alfama im Westen.

Dabei durchfährt sie auch den vornehmen Stadtteil Chiado. Bis zum 25. August 1988 hatte das Quartier weitgehend seine Ursprünglichkeit bewahrt, dann hätte ein Großbrand fast alles zerstört. Erst diese Katastrophe brachte den Lissabonnern die Bedeutung des Viertels wieder ins Bewusstsein, das seine Blütezeit vor mehr als 100 Jahren erlebte.

Glücklicherweise unversehrt blieb das legendäre Caféhaus «A Brasileira» in der Rua Garett. In der 1922 zum Café umgebauten brasilianischen Kaffeehandlung genießen die Lissabonner bis heute ihre ölig-schwarze «bica», eine Art Espresso. Dazu genehmigen sie sich «Pastéis de Belém» - mit Zucker und Zimt bestreute und mit Sahne und Vanille gefüllte Blätterteig-Törtchen. Die besten soll es in der «Fabrica dos Pastéis de Belém» geben.

Lohnenswert: Fahrt mit der modernen Straßenbahn Nummer 15

Doch nicht nur wegen der kalorienträchtigen Leckereien lohnt die Fahrt mit der modernen Straßenbahn Nummer 15 in den sieben Kilometer westlich vom Stadtzentrum gelegenen Stadtteil Belém. Von hier aus brachen die portugiesischen Entdecker einst mit ihren Karavellen zu Raubzügen nach Afrika, Südamerika und Indien auf.

Ein beeindruckendes Zeugnis der Macht Portugals zur Kolonialzeit ist der gewaltige Komplex des Hieronymusklosters. Hier soll Vasco da Gama in der letzten Nacht vor seiner Abfahrt nach Ostindien im Juli 1497 gebetet haben - und König Manuel der Glückliche gelobte angeblich, nach der glücklichen Rückkehr des Seefahrers ein Kloster zu erbauen. Es ist der Höhepunkt der manuelinischen Baukunst Portugals, eines nach Manuel I. benannten, überschwänglichen Stils zwischen Gotik und Renaissance. Eine weitere Sehenswürdigkeit Beléms ist der Torre de Belém, erbaut zwischen 1515 und 1521. Das Wahrzeichen Lissabons steht direkt am Ufer des Tejo und sollte den Eingang des Hafens der Stadt beschützen. Später diente er als Staatsgefängnis. Sorgfältig restauriert, kann der Turm heute besichtigt werden.

Docas: Hafenviertel wurde zum Eldorado für Nachtschwärmer

INFO-KASTEN: Portugal

ICEP Portugiesisches Touristik- und Handelsbüro, Schäfergasse 17, 60313 Frankfurt (Tel. 069/23 40 94, Fax 069/23 14 33)

  • http://www.portugalinsite.pt
  • Auf dem Weg zurück in die Stadt passiert die Straßenbahn wieder die «Docas». Das lange Zeit vergessene Hafenviertel hat sich zu einem Eldorado für Nachtschwärmer entwickelt. Viel authentischer geht es aber im Bairro Alto zu, der alten Oberstadt mit ihren verwinkelten Gassen und unzähligen kleinen Cafés und Restaurants.

    Wer dann um Mitternacht noch nicht zu müde ist, kann mit offenen Ohren durch die Gassen schlendern und den unverkennbar schmerzlichen Klängen des Fado folgen, die aus einigen Kneipen nach draußen dringen. Dicht gedrängt sitzen die Zuhörer und lauschen einer rauen Stimme. Im schwarzen Kleid, eine schwarze Stola um die Schultern, stimmt Mísia, die Ikone des Neuen Fado, eine jener wehmütigen Weisen an, bei denen schon mal ein Taschentuch nass wird.

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