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London für Krimifreunde:

Auf den Spuren von Ripper, Holmes und Bond

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London

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London - Andrew Halett hat das Talent, seine Zuhörer auch vor einem modernen Parkhaus ins London des 19. Jahrhunderts zu versetzen.

Wie gebannt starren die Touristen auf den Betonkasten in der unscheinbaren Crispin Street. "Dies war einst die gefährlichste Straße von London", sagt der Stadtführer. Genau hier habe der Vermieter John Bowyer am 9. November 1888 an eine Zimmertür geklopft, um Geld von der Prostituierten Mary Kelly einzutreiben. "Als ihm niemand öffnete, sah er durch eine zerbrochene Fensterscheibe ins Zimmer - und es bot sich ihm der furchtbarste Anblick seines Lebens." Jack the Ripper hatte wieder zugeschlagen - schon zum fünften Mal.

"Jack the Ripper Walk" gibt es seit 35 Jahren

Wer sich in London auf die Spuren berühmter Verbrechen und nicht minder berühmter Detektive machen möchte, ist bei Andrew Halett an der richtigen Adresse. 35 Jahre gibt es den "Jack the Ripper Walk" schon, und noch immer kommen täglich um 19.30 Uhr bis zu 100 Menschen zur U-Bahn-Station Tower Hill, wo der Rundgang durch die Viertel Whitechapel und Spitalfields beginnt. Weder die Beatles- noch die Diana-Tour im Programm von "London Walks" sind auch nur annähernd so populär wie die Wanderung auf den Spuren des Frauenmörders.

Das Beispiel zeigt: London ist mehr als königliche Residenzstadt und Szene-Metropole - es ist auch die Hauptstadt der Krimifreunde, gerade die der deutschen. Viele von ihnen haben noch die Edgar-Wallace-Filme aus den sechziger Jahren mit Eddi Arent und Klaus Kinski in Erinnerung: mit dröhnenden Schiffshörnern über der Themse und schaurigen Schreien. Doch wer mit diesem London-Bild im Kopf an die Themse kommen, ist überrascht - und fragt sich, warum die Tower Bridge so freundlich aussieht und wo bloß der legendäre Nebel ist.

Im Wachsfigurenkabinett sind die schlimmsten Killer verewigt

Zwar hat London durch die Abgase von Millionen Autos hinter Athen die schlechteste Luft aller EU-Hauptstädte - für einen Dunst, in dem Verbrecher abtauchen können, reicht es aber nicht. Selbst der Tower, in dem Prinzen erdrosselt und Königinnen geköpft wurden, ist heute eine Ausflugsburg mit englischem Rasen und Caféteria. Orte, an denen noch Gaslaternen flackern und heisere Schreie ertönen, sind dagegen Madame Tussaud's Schreckenskammer und das London Dungeon.

In der Schreckenskammer des bekannten Wachsfigurenkabinetts sind die schlimmsten Killer der englischen Kriminalgeschichte verewigt. Und das London Dungeon an der U-Bahn-Station London Bridge ist eine Geisterbahn, die keine Gespenster braucht, um ihre Besucher in Angst und Schrecken zu versetzen: Die düstere Seite der Londoner Geschichte mit Exekutionen, Folter, Pest und Mord reicht dazu völlig aus.

Schreckenskammer und Dungeon

Schreckenskammer und Dungeon sind besonders plastische Beispiele für das seltsame Vergnügen, das die Briten bei der Beschäftigung mit Leichen unter dem Küchenfußboden oder Plastiktüten mit zerhackten Körperteilen empfinden. Da ist es nur logisch, dass auch die großen Detektive der Weltliteratur fast alle aus London stammen: Hier erfand Agatha Christie unter anderem die schrullige Miss Marple und den Belgier Hercule Poirot mit seinen "kleinen grauen Zellen".

INFO-KASTEN: London

British Tourist Authority, Westendstraße 16-22, 60325 Frankfurt/Main (Service-Tel.: 01801/46 86 42, Fax: 069/97 11 24 44)
Internet:
http://www.visitbritain.de
http://www.londontouristboard.co.uk.

In einer Filiale der Bank Abbey National an der Baker Street 215 gehen noch immer jeden Monat 30 bis 40 Briefe an Sherlock Holmes ein, der hier einst sein Büro mit der fiktiven Adresse Baker Street 221b gehabt haben soll. Gug Kyriacou, ein Mitarbeiter der Bank, muss die Hilfesuchenden aber enttäuschen: "Mister Holmes nimmt keine Fälle mehr an. Er ist in Pension gegangen." Wer seinen Spuren folgen will, kann am "Sherlock Holmes Walk" teilnehmen: Der Rundgang beginnt jeden Dienstag um 13.30 Uhr am Nordausgang der U-Bahn-Station Baker Street.

Scotland Yard hat sich in den vergangenen 160 Jahren strak verändert

Londons Polizei Scotland Yard hat ihre Adresse im Laufe der vergangenen 160 Jahre mehrmals geändert. Zu dem Namen kam es, weil die Beamten 1842 in ein Gebäude am Whitehall Place einzog, das an die Straße Scotland Yard grenzte. 1890 zogen die Ermittler dann in einen Neubau am Themse-Ufer um und nannten sich von nun an New Scotland Yard. Heute trifft man aber auch dort keinen Kommissar mehr: 1967 baute sich Scotland Yard ein modernes Hochhaus am Broadway Nummer 10.

Noch Geheimnis umwitterter als Scotland Yard ist ein 1994 fertig gestellter Bau an der Themse namens Vauxhall Cross: das Hauptquartier des Geheimdienstes Secret Intelligence Service (SIS), besser bekannt als MI6. Im September 2000 wurde hier eine Monate zuvor gedrehte James Bond-Szene plötzlich Wirklichkeit, als der panzerverglaste Bau von zwei schweren Explosionen erschüttert wurde. Nordirische Terroristen hatten vom gegenüber liegenden Ufer eine Rakete auf den achten Stock gefeuert. Besichtigen kann man den MI6-Hauptsitz nicht. Er ist so geheim, dass er nicht einmal eine offizielle Adresse hat.

Christoph Driessen, dpa

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