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In Luxuszügen durch Europa

Nostalgie auf Schienen

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Orient-Express: Persönlicher Stewart inklusive

Der persönliche Stewart klopft sacht an die Abteiltür: "It`s Tea-Time, Madam." Die Fahrgäste machen sich in ihren Abteilen fertig zum Nachmittagstee. Die Kabinen sind getäfelt mit Mahagoni, dekoriert mit Intarsienarbeiten, Glasreliefs und Art-Deko-Lampen. Die Bäder haben Marmorwaschbecken und die Türen glänzende Messingbeschläge.

Im Salonwagen warten Stewards auf Bestellungen, während sich der Barpianist für den Abend vorbereitet und die Köche die Menüs im Restaurantwagen herrichten. - Es gibt sie tatsächlich noch in Europa: Luxuszüge, in denen sich solche Szenen abspielen. Sie heißen "Venice Simplon-Orient-Express", "Al Andalus" oder "Royal Scotsman".

Diese Züge sind der Inbegriff von nostalgischen Bahnfahrten. Sie stehen für eine Art des Reisens, wie sie heute nicht mehr zum Alltag gehört: Der Weg - und nicht erst das Ziel - als Erlebnis und Genuss. Langsam, mit allen Sinnen, soll die Fahrzeit wahrgenommen werden. Doch nicht nur die Art des Reisens wirkt traumhaft antiquiert - die Züge selbst sind es auch. Die meisten stammen aus den zwanziger und dreißiger Jahren, der Blütezeit des Eisenbahnreisens. Sie sind detailgenau restauriert oder den Originalen jener Zeit nachempfunden.

Legende unter den Luxusbahnen: Orient-Express

Der legendärste Zug unter den Luxusbahnen ist der Orient-Express, der im Oktober 1883 zu seiner Jungfernfahrt von Paris nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, aufbrach. Die größte Meisterleistung seines belgischen "Vaters" Georges Nagelmackers war nicht etwa die gehobene Ausstattung, sondern die Überwindung der für damalige Verhältnisse großen Entfernung innerhalb des europäischen Kontinents: über die Gleise verschiedener Besitzer zu rollen, durch mehrere Länder und über zahlreiche Grenzen hinweg.

Ein rollender Schauplatz für Liebe, Politik und Verbrechen

Der Orient-Express wurde zum Spiegelbild seiner Zeit: In ihm wurde geliebt, Politik gemacht, gemordet, geflüchtet, Ablenkung gesucht - und manchmal auch einfach nur gereist. Schlafwagen 3309 etwa war 1929 zehn Tage lang vor Istanbul eingeschneit - die Passagiere überlebten knapp. Der gleiche Wagen wurde zwei Jahre später von ungarischen Faschisten bombardiert, es gab Tote. Schlafwagen 3425 hingegen war Mittelpunkt amouröser Geschichten: König Carol von Rumänien benutzte ihn für seine Liebesabenteuer. Wagen 3544 diente im Zweiten Weltkrieg erst den Deutschen als Transportmittel, später den US-Corps, dann den Franzosen und schließlich dem niederländischen Königshaus.

Stoff für Träume und Schlagzeilen

Kein Wunder, dass der Orient-Express viel Stoff für Träume und Schlagzeilen lieferte. Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg spielte er in sechs Kinofilmen, 19 Büchern und einem Musikstück eine Rolle. Agatha Christies Krimi "Mord im Orient-Express", 1974 mit Ingrid Bergman und Albert Finney verfilmt, ist wohl am berühmtesten.

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In Original-Waggons nach Istanbul

Wer heute mit dem Orient-Express auf Nostalgie-Trip gehen möchte, reist tatsächlich in den Originalwaggons. Nachdem der Zug 1977 seine vorerst letzte Fahrt antrat, ersteigerte der Brite James B. Sherwood bei Sotheby's die Wagen und ließ sie in fünf Jahren für elf Millionen Pfund - umgerechnet wären das heute gut 33 Millionen Mark - restaurieren. Seit 1982 fährt der Orient-Express wieder von März bis November mit elf Waggons und Platz für 176 Gäste auf der klassischen Route von London über Paris, Wien und Prag nach Istanbul. Dabei macht er auch einen Schlenker über Florenz, Rom und Venedig.

Persönlicher Stewart ist inklusive

Jeder Abschnitt ist auch einzeln buchbar - zu Preisen ab 1 360 Mark kann man dann im "Venice Simplon-Orient-Express", wie er heute heißt, mitfahren. Im Oktober fährt er erstmalig in seiner Geschichte auch deutsche Städte an: Von Prag geht es über Berlin nach Hamburg und zurück.

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Geändert am 14. April 2000 von to