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Maryland

Stramme Waden und gekochte Krebse

Annapolis - Miss Louise steht auf stramme Waden. Auch ein runder Bauch entzückt das Fräulein sehr: "Sieht mir nach einem wohlhabenden Mannsbild aus", schnurrt sie und streichelt einem Touristen über den prallen Leib. Miss Louises Schönheitsideale sind allerdings ein wenig antiquiert. Sie stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert, als die Stadt, durch die sie führt, gerade erst gegründet worden war: In Annapolis an Amerikas Ostküste sind nicht nur viele hübsche Häuser Relikte der Kolonialzeit - auch die Fremdenführer geben sich in Kleidung und Habitus 300 Jahre alt.

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City Dock - hier schaukeln die Segelboote der Reichen und Schönen.

Annapolis, 33 000 Einwohner und eine halbe Stunde Autofahrt von Baltimore und Washington entfernt, ist ein kleines Juwel in den USA. Landesweite Bekanntheit genießt die Stadt wegen der hier beheimateten Marine-Akademie, an der die Besten der amerikanischen Jugend zu Navy-Offizieren gedrillt werden. Doch neben dieser Institution hat die Kleinstadt noch viel mehr zu bieten.

Erste Haupstadt der USA

Zunächst einmal Geschichte: Wenige wissen, dass Annapolis einst die erste Hauptstadt der Vereinigten Staaten in Friedenszeiten war. Noch bevor das benachbarte Washington zur endgültigen Kapitale erkoren wurde, diente Annapolis in Maryland als Zentrum der Politik der jungen Nation - allerdings nur für kurze Zeit: von November 1783 bis August 1784.

Der Blick, den die Abgeordneten vom schmucken State House mit der mehrstöckigen, hölzernen Kuppel hatten, kann nicht der Grund für die Kürze der Ehre gewesen sein: Weit reicht er heute noch über die Dächer der Stadt hinweg auf die zartblaue Chesapeake Bay. Sie ist an schönen Tagen reichlich besetzt mit Segelbooten in allen Formen und Größen.

Hummer, Krebse und amerikanische Austern

Auch das Essen konnte nicht schuld gewesen sein: In Annapolis serviert man hervorragende Fischgerichte, besonders Hummer, Krebse und amerikanische Austern, die direkt aus der Bucht geerntet werden. Besucher sollten sich einen traditionellen Crab-Cake (Krebskuchen) mit Mayonnaise in einem der zahlreichen Restaurants nicht entgehen lassen.

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Die Kuppel des alten State House ist das Wahrzeichen der Stadt

Das State House liegt auf einer zentralen Anhöhe in der Stadt. Dahinter befindet sich, auf deutlich kleinerem Gelände, die Kirche. Die Anordnung zeigt, welcher Macht im alten Annapolis der Vorrang gegeben wurde. Heute ist das State House Sitz der Regierung des Bundesstaates Maryland - immerhin diese Funktion konnte sich das Städtchen gegenüber den urbanen Riesen in der Nachbarschaft erhalten.

Auf den Spuren von Washington, Jefferson und Franklin

"Kein anderes Parlamentsgebäude in den USA ist so lange ununterbrochen in Betrieb", erzählt Miss Louise. 1772 wurde es errichtet, ein alter Sitzungssaal ist noch so erhalten, wie ihn der General des Unabhängigkeitskrieges und spätere Präsident George Washington kannte. Wer durch die Straßen im Zentrum von Annapolis spaziert, das als "National Historic Landmark" gilt, wandert ständig auf den Spuren berühmter Männer aus den Anfängen der Republik. Neben Washington waren auch Thomas Jefferson und Benjamin Franklin häufig in der Stadt an der Bucht unterwegs. Noch von Franklin stammt angeblich der Blitzableiter auf der Spitze des State House.

Im Osten trifft man auf die weitläufige Marine-Akademie. Sie kann täglich besichtigt werden. Miss Louise kennt sich hier gut aus: Wenn sie ihr Fremdenführerkostüm ablegt, betreut sie als Patin einen der 4 000 jungen "Midshipmen", die aus allen Teilen des Landes kommend vier Jahre lang hier ausgebildet werden.

Gegründet wurde die United States Naval Academy bereits 1845, mit ihren von alten Bäumen gesäumten Rasenflächen und strahlend weißen Gebäuden erscheint sie wie ein weltentrücktes Luxus-Internat. Das aber täuscht: Die geistige und körperliche Ausbildung der Männer und Frauen - etwa zehn bis 15 Prozent jedes Jahrgangs sind weiblich - ist höchst praxisbezogen und sehr streng.

Präsident Jimmy Carter war kein ordentlicher Schüler
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Die United States Naval Academy wurde 1845 gegründet.

In den blitzblanken Gängen der Schlafsäle hängen Bilder berühmter Ehemaliger. Man glaubt es kaum, aber der für seine Friedensliebe so bekannte US-Präsident Jimmy Carter hat hier Examen gemacht. "Er war kein besonders ordentlicher Schüler", weiß Miss Louise. Auch der ehemalige Präsidentschaftskandidat Ross Perot ist ein Absolvent.

Das Besucherzentrum der Akademie an der King George Street hinter dem Eingangstor 1 ist täglich von 09.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, im Januar und Februar von 09.00 bis 16.00 Uhr. Geführte Touren kosten sechs US-Dollar (rund 15 Mark) pro Person. Es gibt auch ein informatives Marine-Museum in der Preble Hall an der Maryland Avenue (geöffnet montags bis samstags von 09.00 bis 17.00 Uhr und sonntags von 11.00 bis 17.00 Uhr) und eine sehenswerte Kapelle.

Bikini-Damen als lebende Gallionsfiguren auf dem Bug

Nicht weit entfernt vom Akademiegelände, im Herzen des historischen Viertels, schaukeln am City Dock die Segelboote der Reichen und Schönen und warten auf den nächsten Törn über die Bucht. "Ego Alley" nennt Miss Louise die schmale Anlegestelle spöttisch. Vor allem an Sommerwochenenden, wenn Annapolis von Besuchern überflutet wird, kreuzen gemächlich die imposanten Yachten der High Society am Kai vorbei, mit sonnenbadenden Bikini-Damen als lebende Gallionsfiguren auf dem Bug. Sehen und Gesehen werden lautet dann das Motto.

Kunta Kinte kam hier an Land

Infos:

Fremdenverkehrsamt Maryland, c/o BC-Zaventem, Leuvensesteenweg 613, 1930 Zaventem, Belgien (Tel. von Deutschland: 0032/2/757 63 90, Fax: 0032/2/757 63 91).
Unter der kostenfreien Rufnummer 00800/96 53 42 64 können Broschüren angefordert werden.
The Annapolis and Anne Arundel County Conference and Visitors Bureau, 26 West Street, Annapolis, MD 21401 (Tel. von Deutschland: 001/410/280 04 45; Fax: 001/410/263 95 91)
US Naval Academy (Tel. von Deutschland: 001/410/263 69 33): www.nadn.navy.mil

Am Dock erinnert eine Tafel aber auch an ein dunkles Kapitel der amerikanischen Geschichte: An dieser Stelle kam im 18. Jahrhundert der in Alex Haleys Roman "Roots" verewigte junge Afrikaner Kunta Kinte an Land und befand sich fortan in Sklaverei. In einer Ecke sitzt auch Autor Haley selbst, beziehungsweise ein Bronzeabbild seiner. Ihm leisten zu fast jeder Tageszeit Besucher Gesellschaft, schlecken Eiscreme, blicken aufs Wasser und die alten Häuser am Ufer - ein Panorama, dass sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat.

Frank Rumpf, gms

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Zuletzt geändert am 5. April 2001 13:01 von tea