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Menorcas versteckte Schätze

Stille Buchten und rätselhafte Steine

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Menorca

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  • Mahon - Die schwere Dünung lässt "Don Pancho" tanzen. Das Ausflugsboot schwankt in den tiefblauen Fluten von einer Seite zur anderen. Kapitän Canet Bia steuert das Schiff vorsichtshalber etwas weiter weg von der Südwestküste Menorcas - zu rau ist der Wind, zu unberechenbar die Strömung. Wie aus dem Nichts taucht hinter der nächsten Felsnase eine kleine Bucht mit schmalem Sandstrand auf: die Cala en Turqueta, einer der versteckten Badeplätze der Insel.

    Wer wissen will, was Menorca auszeichnet, kann das auf einer Bootstour mit der in Cala'n Bosch beheimateten "Don Pancho" rasch lernen: Die nordöstlichste der spanischen Baleareninseln ist anders als ihre "große Schwester" Mallorca, die bei klarem Wetter vom Cap d'Artrutx an der Südwestspitze aus gut zu sehen ist. Es gibt kaum lange Strände, breite Straßen für die Mietautos der Urlauber sind ebenso Mangelware. Viele touristische Attraktionen liegen versteckt. Das "Rückgrat" Menorcas ist die Landstraße zwischen dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum Mahon mit dem Flughafen im Osten und der alten Bischofsstadt Ciutadella im Westen. Nicht einmal 50 Kilometer Luftlinie trennen diese beiden größten Orte der Insel.

    Von der Spitze der Steilküste aus ist der Blick unübertroffen

    Die "Don Pancho" hat inzwischen neben Segelschiffen in der Cala Macarella geankert - einer Traumbucht mit feinem Sandstrand. An Land räkeln sich Sonnenhungrige auf ihren Handtüchern und trinken etwas an der Strandbar. Hier und in der benachbarten Cala Macarelleta zelten die Touristen auch. Die Cala Macarella ist auch zu Fuß von Cala Galdana weiter östlich zu erreichen. Der gut einstündige Marsch über einen sandigen Trampelpfad lohnt sich: Von der Spitze der Steilküste aus ist der Blick unübertroffen.

    Kapitän Canet Bia hat die "Don Pancho" inzwischen quer zur Dünung gelegt und den Motor etwas heruntergefahren. "Schauen Sie nach oben", sagt der Schiffsführer. "Dort in den Höhlen leben die Hippies." Eine Familie mit zwei Kindern habe vor sieben Jahren die Felsnischen oberhalb der Cala Macarella bezogen und bastelt dort Kunsthandwerk, das in Ciutadella an die Touristen verkauft wird.

    Ein bisschen von Mallorca hat die "kleine Schwester" doch

    Wer jedoch glaubt, Menorca sei nur eine Insel für Aussteiger und Rucksackreisende, liegt falsch - ein bisschen von Mallorca hat die "kleine Schwester" dann doch. Zwar gibt es außer in Son Bou im Süden der Insel keine Hochhaushotels, doch die touristische Infrastruktur ist keineswegs schwach entwickelt. 1,13 Millionen Urlauber wurden im Jahr 2001 untergebracht, immerhin etwa ein Siebtel der Gästezahl von Mallorca. Anders als dort liegen auf Menorca allerdings die Briten in der Statistik ganz vorn: 674 000 Engländer, Schotten, Waliser und Nordiren besuchten die Insel, die von 1708 bis 1802 mit Unterbrechungen eine britische Besitzung war.

    Die Historie wirkt bis heute nach: In Cala'n Bosch etwa, wo die "Don Pancho" ihre Ausflugsfahrt begonnen hatte, gehört die Kneipe "The Britannia" zu den lebhaftesten Plätzen rund um das Hafenbecken. "Ballermann"-Atmosphäre kommt aber nur selten auf - im ständig weiter wachsenden Cala'n Bosch bestimmen die Familienhotels klar das Bild.

    Deutsche dürfen kommen - Speisekarten in Deutsch

    Deutsche Menorca-Urlauber kommen in der Auswertung des Spanischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt erst an Position drei, noch hinter den Festland-Spaniern: 149 000 Bundesbürger reisten 2001 auf die Insel, 9,8 Prozent weniger als im Jahr davor. Die deutsche Sprache ist dennoch unüberhörbar, sei es nun in den engen Gassen der Altstadt von Ciutadella oder in den hervorragenden Fischlokalen dort am Hafen, wo viele Speisekarten in Deutsch gehalten sind.

    INFO-KASTEN: Menorca

    Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt/Main (Tel.: 069/72 50 33, Fax: 069/72 53 13).
    Unter http://www.visitbaleares.com, http://www.menorca.balearics.com
    und http://www.tourspain.es
    gibt es Auskünfte im Internet auf Deutsch.

    Der höchste Punkt der Insel ist der El Toro. Vo seinem Gipfel bietet sich ein schöner Blick in alle Himmelsrichtungen: Nach Norden zum Beispiel zum Naturhafen von Fornells, wo Spaniens König Juan Carlos gerne Langusten verspeist, sowie zum von Wind umtosten Cap de Cavalleria. Auch das Nonnenkloster mit seiner kleinen Kirche auf dem Gipfel ist einen Besuch wert.

    An vielen Stellen Menorcas kommen Wanderurlauber auf ihre Kosten, etwa in den schmalen Schluchten im Süden, von denen eine - der Barranc de Binigaus - von Santo Tomas aus zur eindrucksvollen Coloms-Höhle führt. Diese große Felsenhalle liegt versteckt hinter dichten Büschen am Hang und ist nach der gut einstündigen Wanderung nicht gerade leicht zu entdecken.

    Einmalig und rätselhaft: Steingebilde

    Eine Besonderheit Menorcas sind die vielen rätselhaften Steingebilde überall auf der Insel: Türme aus vorchristlicher Zeit, Grabstätten aus der Bronzezeit und so genannte Taulas - zu welchen kultischen Zwecken die überdimensionalen Steinplatten-Gefüge in Form eines "T" einst dienten, ist den Forschern bis heute nicht ganz klar.

    Die "Don Pancho" ist inzwischen auf dem Weg zurück nach Cala'n Bosch. Während das Schiff der sinkenden Sonne langsam entgegenfährt, tauchen am Horizont die Berge Mallorcas auf - dieser so nahen und doch ganz anderen Baleareninsel.

    Christian Röwekamp, dpa

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