[an error occurred while processing this directive]

Neue Tipps/Touren

Reise-Galerie

Weltkarte


Monterey in Kalifornien lebt vom Meer:

Das Fenster zum Ozean

Monterey

Foto-Show Infos/Tipps

Monterey - Hinter der größten Scheibe Amerikas liegt der offene Ozean: Acht Zentimeter dickes Acrylglas trennen den hellblauen Lebensraum metergroßer Thunfische, Schildkröten und Hochseehaie von den Besuchern.

Die Szenerie erscheint unwirklich, so als hätte jemand das Meer einem Pudding gleich aufgeschnitten und ein Vier-Millionen-Liter-Stück aus seiner Mitte - 6 Meter hoch, 18 Meter breit - in einen dunklen Saal gestellt. "Outer Bay" heißt dieses größte Becken des Aquariums, gelegen in Monterey in Kalifornien - einer Stadt, die das Meer einst fütterte, später hungern ließ und der es nun wieder zu einem guten Geschäft verhilft.

"Unsere Becken sind eine lebendige Verlängerung der Bucht", erklärt Steve Johnston vom Monterey Bay Aquarium bei einer Führung hinter den Kulissen. "Wir zeigen ausschließlich Tiere von hier." Bunte Korallenriffe werden Besucher daher nicht sehen, dafür aber Becken mit rund 70 verschiedenen Arten an Meerestieren - von winzigen Nacktschnecken über Seesterne und Meerohren bis hin zu großen Tiefseehaien und Seeottern. Viele davon seien in keinem anderen Aquarium der Welt zu sehen, sagt Steve mit Stolz in der Stimme.

Sind die Tiere wach, schlafen auch die Touristen nicht mehr lange

Die Bucht von Monterey liegt direkt vor dem Aquarium. In einem großen Bogen spannt sie sich 32 Kilometer weit von hier bis nach Santa Cruz im Norden - in der Mitte durchschnitten von einer Unterwasserschlucht, die bei Moss Landing fast an den Strand reicht und bei einer Tiefe von bis zu 3600 Meter den Grand Canyon klein erscheinen lässt. Die Nährstoffe, die dort aus der Tiefsee hochgespült werden, versorgen eines der artenreichsten Meeresgebiete der Welt, das eine Vielzahl an Fischen, Walen, Delfinen und Robben beherbergt.

Von Lebewesen aller Art scheint das Meer hier fast überzuquellen - und dem Besucher auf den Leib zu rücken. Wenn morgens um fünf die Sonne hinter den Hügeln auf der anderen Seite der Bucht hervorkriecht, sind die Seelöwen, die den Pier am nahen Hafen bewohnen, schon lange wach - und die Touristen auch, die das hohle Bellen der Tiere um den Schlaf gebracht hat. Wen das nicht weckt, den machen die Silbermöwen wach, die sich mit lautem Gezeter auf dem Balkon breit machen und Tische und Stühle mit weißen Flecken übersäen. Vor dem Ufer treiben Seeotter rücklings in den Wogen. In ihren Pfoten haben sie einen Stein, mit dem sie Schnecken zertrümmern, die auf ihren Bäuchen liegen.

Ehemalige "Sardinenhauptstadt" Kaliforniens

In den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg galt Monterey, das bis 1848 sogar für kurze Zeit die Hauptstadt Kaliforniens war, als "Sardinenhauptstadt" der USA. Der Ort war der wichtigste Fischereihafen Amerikas. Täglich entluden die Boote hier ihre silbrige Fracht, die in den Konservenfabriken quasi vergoldet wurde. Fischkonserven von hier waren in jedem Supermarkt Amerikas zu finden. Die Stadt stank nach Fisch und Öl, doch sie war wohlhabend. Dann änderte sich plötzlich das Bild. Die Bestände waren überfischt, die Fänge blieben aus, und Monterey versank in Agonie. Der Ort wurde wieder das Kaff, das er vor dem Boom gewesen war.

Heute hat sich die Stadt wieder mit dem Meer versöhnt. Der Mann, der mithalf, Monterey wachzuküssen war der Elektroingenieur David Packard (1912 bis 1996), Mitbegründer des Technologieriesen Hewlett-Packard. Er ließ das Aquarium für rund 55 Millionen Dollar auf dem Gelände einer ehemaligen Fischfabrik bauen.

Beeindruckender Algenwald

Packard tat es - so wird berichtet -, weil er die Bucht liebte, in der Nähe eine Ranch besaß und ganz bestimmt auch, um seinen Töchtern einen Gefallen zu tun: Die beiden Meeresbiologinnen Nancy Burnett und Julie Packard suchten Anfang der achtziger Jahre eine neue Aufgabe und überzeugten den Vater von ihrer Idee, mit einem Aquarium die Lebensräume der Bucht Menschen näher zu bringen und damit die Einsicht in die Notwendigkeit des Meeresschutzes zu fördern. Die Sache rechnete sich: Im Oktober 1984 öffnete das Monterey Bay Aquarium seine Pforten. 2,4 Milionen Besucher kamen allein im ersten Jahr. 1996 wurde ausgebaut, für 57 Millionen Dollar entstand der neue Flügel mit der Hochsee-Ausstellung.

Neben dem Hochseebecken "Outer Bay" beeindruckt vor allem der Algenwald: Vom Grund bis zur Oberfläche wächst dort der Seetang hinter den Scheiben. Wie in einer Kathedrale wirkt der Raum, wenn das Sonnenlicht durch die drei Stockwerke hohen Fenster grün und blau gefiltert wird. "In jeder Minute pumpen wir 7500 Liter Seewasser durch das Bassin", sagt Steve. Anders sei es nicht möglich, einen solch komplexen Lebensraum in einem Becken am Leben zu halten. Damit die Riesenalgen genug Sonnenlicht bekommen, ist das Becken oben offen, wie sich bei einem Gang auf das Dach des Aquariums zeigt. Dann deutet Steve auf eine große Pumpe am Beckenrand. Sie bewegt sich auf und ab und gibt dem Bassin den Rhythmus vor: "Die Wellenanlage hat David Packard selbst gebaut."

INFO-KASTEN: Kalifornien

REISEZIEL: Monterey liegt an der Pazifikküste des US-Bundesstaates Kalifornien zwischen San Francisco und Los Angeles.

ANREISE UND FORMALITÄTEN: Mehrere Fluggesellschaften bieten Flüge von Frankfurt nach Los Angeles und San Francisco an. Von dort geht es jeweils mit dem Leihwagen weiter. Deutsche benötigen zur Einreise einen Reisepass.

KLIMA UND REISEZEIT: Die Sommer an der zentralkalifornischen Küste sind warm, aber nicht heiß. Die Winter sind mild. Kalifornien ist ein Reiseziel für das ganze Jahr.

ZEITUNTERSCHIED: Es gilt die Pacific Standard Time. Die Uhrzeit in Kalifornien liegt neun Stunden hinter der in Europa (MEZ) zurück.

WÄHRUNG: Ein US-Dollar kostet derzeit 0,93 Euro (Stand: 02/2003). Kreditkarten sind fast überall akzeptiert. Mit ihnen oder einer EC-Karte kann an den meisten Bankautomaten Geld abgehoben werden

SPRACHE: Amtssprache ist Englisch.

GESUNDHEIT: Keine Impfungen vorgeschrieben. Ärztliche Behandlungen in den USA sind sehr teuer. Eine Auslandsreisekrankenversicherung sollte abgeschlossen werden.

UNTERKUNFT: Das Angebot in Monterey und Umgebung reicht vom Fünf-Sterne-Hotel über einfache Motel-Zimmer bis zu Bed-&-Breakfast-Unterkünften.

TAUCHEN: Das Wasser des Pazifiks ist das ganze Jahr über kalt. Guter Kälteschutz ist erforderlich. In Monterey gibt es mehrere Tauchschulen, die komplette Ausrüstungen verleihen und auch geführte Tauchgänge anbieten.

INFORMATIONEN: Ein kalifornisches Fremdenverkehrsamt in Deutschland gibt es nicht. Interessenten erhalten gegen Zusendung von 7 Euro Informationen beim Touristik Dienst Truber, Schwarzwaldstraße 13, 63811 Stockstadt (Tel.: 06027/40 11 08). Die Internetadresse des Monterey Bay Aquariums lautet http://www.mbayaq.org.

Entlang der Küste ist es stiller

Vom Dach des Aquariums fällt der Blick auf das alte Zentrum der Stadt und auf Cannery Row, die "Straße der Ölsardinen", welcher der Schriftsteller John Steinbeck einst ein literarisches Denkmal setzte. Hier ließ Steinbeck in den Boomjahren den Taugenichts Mack, seine Kumpel und den verschrobenen Meeresbiologen "Doc" im Kramladen des Chinesen Lee Chong anschreiben und bei Dora im Puff die Zeit totschlagen. Heute ist Cannery Row eine Touristenmeile, ein Disneyland an der Waterkant. Wo früher Fisch verarbeitet wurde, wird jetzt Sea-Food serviert. Vor den Schnellrestaurants stehen Angestellte in Hummerkostümen für Schnappschüsse bereit, die Souvenirshops bieten maritimen Nippes an.

Entlang der Küste ist es stiller: Vor allem die Halbinsel von Monterey mit den Orten Pacific Grove, Carmel, der Millionärskolonie Pebble Beach und der Privatstraße 17-Mile-Drive lädt mit ihren Stränden und wild-romantischen Felsbuchten zum Bummeln ein. Bei Ebbe dösen schwarz-weiß gepunktete Seehunde auf den Felsenkuppen bei Lovers Point oder Stillwater Cove - an den Menschen scheinen sie sich nicht zu stören. Zum Baden ist das Wasser des Pazifiks mit höchstens 16 Grad im Sommer allerdings zu kalt.

Quallen als neue Publikumsmagneten

Auch bei Tauchern haben die stillen Buchten der Halbinsel einen guten Ruf. Garantieren sie doch einen leichten Einstieg in den Algenwald und damit Erlebnisse der besonderen Art: Viel dichter als im Aquarium stehen die riesigen Unterwasserpflanzen im Meer zusammen. Aus einer Tiefe von über 40 Metern wachsen sie - gezogen von luftgefüllten Auftriebsblasen - empor zur Oberfläche, wo sie einen dichten Teppich aus Blättern bilden. An manchen Stellen erscheint das Unterwassergestrüpp undurchdringlich. Krebse durchkämmen das Unterholz, Vögeln gleich fliegen Fische durch den Wald. Wie aus dem Nichts kommt ein Seehund herbei. Mit großen Augen umrundet er die seltsamen Wesen, die in seine Welt eingedrungen sind, und verschwindet wieder im grünlichen Dämmerlicht.

Die neueste Attraktion des Aquariums hat dagegen Tiere zum Thema, die meist nicht beachtet werden: Quallen. "Wir konzentrieren uns hier auf die künstlerische Seite der Tiere, weniger auf die Wissenschaft", erklärt Steve. Besucher, die Quallen meist nur als glibbrigen Wackelpudding vom Strand her kennen, sollen die wässrigen Tiere neu erleben: Als grazile Lebensformen aus einer driftenden Welt ohne Wände. Künstler ergänzen die Ausstellung mit Vasen und Schalen in Quallenform. Die Schaubecken selbst haben golden bemalte Holzrahmen - als handle es sich bei den Wassertieren um die Werke der alten Meister im Louvre von Paris.

Arnd Petry, dpa - Fotos: gms

IVWPixel Zählpixel

Zuletzt geändert von tea