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Ernte muss schnell gehen: Wein-Lese südlich von Nantes

Neue Wege gehen, aber typisch bleiben

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Nantes

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Nantes - Der Rücken muss stark sein - das weiß Olivier Bonneteau nur zu gut. Auf dem Weingut "Domaine de la Ferronnière" bei Nantes, das sein Ururgroßvater 1852 gegründet hat, würde der Winzer am liebsten alle Trauben mit der Hand ernten lassen.

Doch diese Methode ist hart, und sie wird selten, denn sie ist teuer. Weil ihr Wein seinen einst guten Ruf verliert, kämpfen die Muscadetbauern im Loiretal ums Überleben. Viele fürchten, dass ihre Traditionen - von der sich Urlauber auch als Erntehelfer ein Bild verschaffen können - neuen Moden geopfert werden.

Muscadet ist der am häufigsten produzierte "Vin de Nantes"

"Vins de Nantes" stammen vom linken Ufer der Loire. Einer dieser Weine ist der Muscadet: Mit 700 000 Hektolitern im Jahr macht er den Löwenanteil der regionalen Gesamtproduktion von durchschnittlich 915 000 Hektolitern aus. Eine von vier Herkunftsbezeichnungen ist "Muscadet Sèvre et Maine", benannt nach zwei Nebenflüssen der Loire.

Jeden Tag prüft der Winzer die Reife der Trauben

Jeden Tag geht Olivier Bonneteau im September durch sein Reich und prüft die Reife der Trauben. Sorgfältig klaubt er ein paar Träubchen von einer Rebe und kostet. Die Früchte sind prall, hellgrün und klein. Ein paar Tage müssen sie noch in der Herbstsonne auf die Presse warten, denn noch ist ihre Schale hart, und das Gesicht des Winzers verzieht sich beim Hineinbeißen. Erst wenn sie schmecken und nicht mehr hart und sauer sind, könne die Ernte beginnen, sagt er.

Voller Saft und Kraft

In den letzten Tagen vor der Lese steigt der Zuckergehalt der Trauben stark an, und ihr Säuregehalt nimmt ab. Flüssigkeit schießt in die Früchte und macht sie weich und aromatisch. Dann sind sie ein gefundenes Fressen für Tiere und Ungeziefer, auch plötzlicher Regen kann großen Schaden anrichten. Deswegen muss, sobald die Trauben reif sind, alles ganz schnell gehen: Es kann auf einen Tag ankommen, sagt der Winzer - so schnell sei die Ernte manchmal vernichtet. Zur Ernte engagiert Olivier Bonneteau jedes Jahr etwa 30 Arbeiter. Meistens kommen Studenten, oft auch Rentner, Hausfrauen und Arbeitslose.

Handanlegen ist teuer

Die Lese mit der Hand kostet den Winzer 9000 Francs pro Hektar. Eine Maschine kann die gleiche Fläche für 4000 Francs bearbeiten und braucht nur einen Bruchteil der Zeit. Deswegen setzt Bonneteau seit einiger Zeit für etwa die Hälfte seiner Reben gemietete Maschinen ein.

INFO-KASTEN: Nantes

Maison de la France, Westendstraße 47, 60325 Frankfurt/Main
Tel.: 0190/51 00 25, Fax: 0190/59 90 61 (je 62 Cent/Minute)
E-Mail: franceinfo@mdlf.de
Internet: www.franceguide.com

Comité Régional du Tourisme des Pays de la Loire, 2 Rue de la Loire, F-44204 Nantes Cedex 2
Internet: www.loiretalatlantik.com

Winzer-Adressen: Verband Maison des Vins in La Haie Fouassière
Tel: 0033/2/40 36 90 10, Fax: 0033/2/40 36 95 87

Hefe ernährt den Wein

"Melon de Bourgogne" heißt die Muscadet-Rebe, und sie stammt auch tatsächlich aus Burgund. Im 17. Jahrhundert wurde sie zum ersten Mal im Loiretal angebaut. Es ist unter anderem die Ausbaumethode, die den Muscadet berühmt gemacht hat - kein anderer Wein wird so hergestellt wie er. Nicht länger als einen Winter darf der gärende Wein im Fass oder Tank gelagert werden. Dabei liegt er auf einem Hefebett, das ihn langsam aromatisiert. Der Bodensatz aus Salzen und abgestorbener Hefe, der bei anderen Sorten abgezogen wird, bleibt beim Muscadet bis zum Abfüllen unter dem Traubensaft und steigt langsam nach oben. "La lie nourit le vin", sagen die Winzer, "die Hefe ernährt den Wein."

Strenge Zeitvorgaben sorgen für die Leichtigkeit

Auch die Abfüllregeln für diese so genannten Sur-lie-Weine sind streng: Sie dürfen nur zwischen dem ersten Donnerstag im März und dem 30. Juni auf Flaschen gezogen und nicht vor dem dritten Donnerstag im März verkauft werden. Diese Abfüllmethode sorgt dafür, dass der Wein leicht perlt, und sie erhält ihm die Lebendigkeit. Dennoch findet "sur lie" abgefüllter Muscadet immer weniger Kunden.

Feinschmecker: Wein hinterlässt keine Erinnerung auf dem Gaumen

Noch in den siebziger Jahren war der Muscadet ein beliebter Tischwein. Seit dem 17. Jahrhundert gilt er als hervorragender Begleiter von Meeresfrüchten, Schalentieren und leichten Fischgerichten. Das ist er im Prinzip bis heute geblieben. Doch ohne dass sich seine Qualität nennenswert verändert hätte, haftet ihm seit einiger Zeit das Image eines schlichten, billigen, trockenen Weißen an, der auf dem Gaumen keine besondere Erinnerung hinterlässt. Viele Weintrinker, Feinschmecker und auch die großen Restaurateure in Paris greifen immer häufiger zu Konkurrenten wie dem kostspieligeren Sancerre.

"Ein bisschen Innovation ist gut"

Leise wird unter den Muscadetwinzer ein Ruf nach Veränderung und nach neuen Geschmackskreationen laut. Ein bisschen Innovation sei gut, sagt Oliver Bonneteau. "Aber wir müssen typisch bleiben." Einige neue Kreationen kann auch er aus dem Keller holen. Ganz vorsichtig versuche er, "neue Wege zu gehen", neue Geschmackstypen zu finden. Manchmal verlängere er einfach die traditionell kurze Lagerzeit des Muscadet. Und auch mit der Wirkung von Eichenfässern hat er schon experimentiert - in ihnen reift sonst nur schwerer Bordeaux.

Sigrid Scherer, dpa

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