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Der Indian Summer in Neuengland:

Paradies für "Leaf Peepers"

NEUENGLAND

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Für die wahren "leaf peepers", die Blattgucker, kennt die Begeisterung 30 Tage lang im Jahr keine Grenzen. Wenn sich im Herbst das Rot-Orange des Zuckerahorns, das Gold-Gelb der Birken und Espen, das Scharlachrot des Roten Ahorns und die blau-purpurn schimmernden Blaubeeren einem riesigen Farbteppich gleich über das Land erstrecken, dann kommen sie in Scharen nach Neuengland, um ein in der Welt einmaliges Naturschauspiel zu erleben: den Indian Summer.

Die Indianer, die bis zum Vordringen des Weißen Mannes in den Wäldern des heutigen Nordostzipfels der Vereinigten Staaten lebten, erklärten die grandiose Laubfärbung mit dem herabtropfenden Blut und Fett eines "gejagten" Großen Bären. Das Sternbild steht in dieser Zeit des Jahres am Abend besonders tief am Himmel. Ob als Indian Summer, wie die Europäer die Farborgie im September und Oktober nennen, oder schlicht als "fall foliage" (Herbstlaub) wie im Sprachgebrauch der Amerikaner - das Farbphänomen spricht vor allem die Sinne an.

"Timing" ist alles

Kalte Nächte, herbstlich-warme Tage und dabei abnehmendes Sonnenlicht bringen die Farbenvielfalt zu Tage. Das Chlorophyll, wichtigster Bestandteil für die Photosynthese, das die eigentliche Blattfärbung mit seinen grünen Pigmenten überlagert, zieht sich zurück. Stoppt die Produktion des Chlorophylls, kommt die eigentliche Farbe des Laubblattes zu Tage. Und Rot, Gold, Gelb und Orange, manchmal gar Purpur brilliert in allen Schattierungen. "Es ist immer wieder eine wahre Farborgie", findet das "Yankee Magazine", das Heimatblatt für die sechs Neuengland-Staaten.

"Timing", das weiß jeder "leaf peeper", ist alles in der kurzen Saison. Im Norden Neuenglands, in Maine, New Hampshire und Vermont zaubert der Herbst schon ab Mitte September mit seinen Farben. Je nach klimatischen Verhältnissen wandert das einzigartige Naturschauspiel dann südwärts: Anfang Oktober erreicht es die geographische Mitte der drei nördlichsten Staaten. Bis Ende Oktober schließt sich der Reigen in Connecticut, Massachussetts und Rhode Island.

Als erstes Etappenziel bieten sich die White Mountains an

Zur bevorstehenden Hochsaison ist eine wahre Herbstlaub-Manie zu beobachten. Das Angebot ist entsprechend vielfältig: Alle Höhepunkte aktuell im Kartenformat verspricht etwa die Internet-Seite http://www.newengland.com/foliage/index.html. Regionale Telefon-Hotlines über die aktuellsten Wetter-Kapriolen sind abzufragen unter http://www.weather.com. Wer sich nicht von der Hysterie anstecken lassen will, für den hat die Handelskammer von Massachusetts einen Rat parat: Überall wo ein Baum stehe, sei auch Laub. "Und das färbt sich in Neuengland auf jeden Fall knallig bunt."

Jeder Europäer, der den Logan Airport in Boston als Tor zum spektakulären Indian Summer wählt, sollte sich aber auf jeden Fall möglichst schnell gen Norden aufmachen und die wild zerklüftete Küste von Massachusetts über New Hampshire bis hoch nach Maine links liegen lassen. Als erstes Etappenziel bietet sich die Gebirgsgegend White Mountains im nördlichen Teil des Bundesstaates New Hampshire und in Maine an. Über den Interstate I-93 sind die Berge aus felsigem Granit um Franconia, Bretton Woods und Jackson schnell zu erreichen.

Forellen und Lachse fischen

Vor allem der Blick von einem 1917 Meter hohem Berg lohnt, auch wenn es dort oben oft heftig weht: Am Mount Washington in der "Presidential Range" mit fünf weiteren nach Ex-Präsidenten benannten Gipfeln wurde mit 372 Stundenkilometern am 12. April 1934 die höchste Windgeschwindigkeit, die jemals außerhalb eines Tornados gemessen wurde, registriert. Dazu herrschen am Berg im Jahresdurchschnitt minus drei Grad - das Wetter am Mount Washington gilt als das schlechteste Neuenglands. Scheint dort jedoch einmal die Sonne, reicht der Blick von der Höhe bis nach Vermont oder ins benachbarte Maine über Wälder in Rot, Gold, Orange, Gelb und Purpur.

INFO-KASTEN: Neuengland

REISEZIEL: Günstigster Anflugort aus Europa ist Boston mit weiteren lohnenden Besichtigungszielen, wie dem alten Stadtteil Beacon Hill.

ANREISE: Auf Grund der derzeit niedrigen Auslastung auf der Nordatlantikroute bieten mehrere Fluggesellschaften Schnäppchen an: Bei der Air France kostet ein Hin- und Rückflug etwa von Düsseldorf über Paris nach Boston gut 500 Mark. Bei der KLM und Sabena liegen die Preise gleich niedrig. Die Lufthansapreise liegen um 650 Mark. Campmobile oder Mietwagen sind am günstigsten direkt von Deutschland aus zu buchen: Ein viertüriges Auto kostet um 450 Mark die Woche.

FORMALITÄTEN: Für deutsche Touristen genügt ein noch für ein Jahr gültiger Reisepass. Ein Visum ist für eine Besuchsreise bis zu drei Monaten nicht erforderlich.

KLIMA und REISEZEIT: Die Temperaturen sind im September und Oktober denen Mitteleuropas sehr ähnlich.

WÄHRUNG: Ein amerikanischer Dollar kostet etwa 2,19 Mark (Stand: August 2001).

UNTERKUNFT: Neben hotelartigen Inns gibt es genügend Bed & Breakfast-Plätze. Eine ausgezeichnete Übersicht mit der Möglichkeit zur Buchung bietet: http://www.bernicechesler.com. Da die Saison kurz ist, sind die Preise für Übernachtungen hoch: 100 Dollar (umgerechnet rund 220 Mark) sind als Preis pro Doppelzimmer keine Seltenheit. Aber es gibt sehr viele Campingplätze, die deutlich günstiger sind.

INFORMATIONEN: Discover New England, Roonstraße 21, 90429 Nürnberg (Tel.: 0911/926 91 13, Fax: 0911/926 93 01, Internet: http://discovernewengland.com); Massachusetts Office of Travel & Tourism, c/o Herzog HC GmbH, Friesstraße 3, 60388 Frankfurt/Main (Tel.: 01805/26 78 66, Internet: http://www.usamass.com).

Wer nicht nur bunte Blätter gucken möchte, kann jederzeit auf andere Aktivitäten umsteigen. Mit Lizenz kann der Angler Forellen und in Maine auch Lachse fischen. Abenteuerlustige zieht es zum Rafting, zu Kanu- oder Kajak-Fahrten auf teilweise wildbewegten Flüssen. Und auch Mountainbikes gibt es überall zu mieten. Wanderer kommen in Neuengland natürlich auch auf ihre Kosten - und erleben nicht selten Überraschendes: Eben noch scheint die Sonne, und plötzlich fallen Schneeflocken.

Geschichtsträchtig: das Mount Washington Hotel

Neben den farbigen Wäldern gehören auch weiß getünchte Kirchen mit spitzen Türmen und weiße Farmhäuser mit rot gestrichenen Heuschobern zum Bild der sanft-hügeligen Landschaft. Auf den Friedhöfen stehen Steinplaketten, die teilweise noch aus dem 18. Jahrhundert stammen und die Namen von Siedlern aus Europa tragen - Zeugnisse einer Vergangenheit, die die immer noch mit Europa verbundenen Einwohner sehr pflegen. Und überall trifft man, wie in Jackson, New Hampshire, noch auf gut erhaltene überdachte Holzbrücken. Das Dach sollte die Trägerbohlen bei Eis und Schnee vor allzu schneller Verrottung schützen.

Mitten in den White Mountains, in Bretton Woods, gibt es noch ein anderes Kleinod: das Mount Washington Hotel. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war das Grandhotel täglich Endstation für bis zu 50 private Eisenbahnwagen, mit denen die illustre, reiche Gesellschaft aus New York oder Philadelphia anreiste. Im Juli 1944 tagte in dem abgelegenen Ressort die so genannte Bretton Woods Conference, in deren Zuge der amerikanische Dollar zu "der" Stabilitätswährung schlechthin wurde und die heute von Globalisierungsgegnern so angefeindeten Institutionen Internationaler Währungsfonds (IWF), Weltbank und Welthandelsorganisation (WTO) aus der Taufe gehoben wurden.

Schlemmer-Eis aus Vermonter Milch

In den Neuengland-Staaten, die in der amerikanischen Geschichte als "Herzstück der Demokratie" gelten, läuft das Leben in etwas ruhigeren Bahnen als in den übrigen USA. Und die Menschen lieben ihre Freiheit. Das Bundesstaats-Motto von New Hampshire lautet: "Live free or die" - lebe frei oder sterbe. Außerdem sind sie umweltbewusster als der Durchschnittsamerikaner. Mehrwegflaschen sind an der Tagesordnung - nicht selbstverständlich in den Staaten.

Neuengland lebt vom Tourismus, der Forstwirtschaft und immer noch von den Farmen. Milch von Vermonter Kühen - das ist auch das Erfolgsrezpt von Ben & Jerry's Icecream, die mittlerweile jedes gute Sortiment in einem amerikanischen Supermarkt vervollständigen. Mit Sorten wie "Eingeständnis an die Besessenheit" aus Vanilleeiskrem mit schokoladenüberzogenen Reiskörnern und Erdnüssen mit Karamelüberzug avancierte Ben & Jerry's schnell an die Spitze der Branche.

Frühstück nach Neuengland-Art

Eisliebhaber können das 1978 gegündete Unternehmen, das von den Schulfreunden Ben Cohen und Jerry Greenfield in einer umgebauten Garage in Burlington aus der Taufe gehoben wurde, in Waterbury in Augenschein nehmen. Täglich werden hier Touren angeboten, auf dem nicht nur die Eiskrem-Herstellung erklärt wird, sondern auch jede Menge Süsses angeboten wird. Und "Eis per Post" ist auch kein Problem: Ben und Jerry's bieten für jeden Gourmet das Richtige.

Von Waterbury oder Burlington, der grössten Stadt Vermonts am Lake Champlain, geht es weiter nach Süden. Aber zuvor sollte man auf einer der Fähren, die den Binnensee gen Westen in Richtung des Bundestaates New York überqueren, den Sonnenuntergang genießen. Am Morgen - nach einem Frühstück nach Neuengland-Art mit heißen Pfannkuchen mit Blaubeeren oder warmem Ahornsirup - geht es weiter über kurvige Landstraßen inmitten bunter Wälder. Zwischen Poutney und Manchester Center bieten die Bauern an den Strassen Kürbisse und Äpfel feil. Und überall gibt es Antiquitäten zu erwerben. Eine Landschaft wie aus einem Bilderbuch. Für echte "Laubgucker" wird es daher auch im nächsten Jahr nur ein Ziel geben: den Indian Summer in Neuengland.

Anke Wienand, gms - Fotos: gms

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