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Reisetipp: Neuseelands unterschätztes Northland

Maori-Mythen und mächtige Bäume

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Neuseelands Northland

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Aktive Vulkane, Gletscher und die Drehorte der "Herr der Ringe"-Trilogie: Was viele Neuseeland-Urlauber am meisten interessiert, kann Northland nicht vorweisen. Stattdessen ist die Region Anfang und Ende Neuseelands.

Hier oben im Norden begann 1840 die Geschichte des heutigen Staates, hier verlassen nach Maori-Glauben am Cape Reinga die Seelen der Toten das Land. Und zwischen Historie und Mythologie gibt es in Neuseelands mildester Klimazone noch eine Menge mehr zu entdecken.

Das Boot ist kaum unterwegs, da tauchen nahe der Reling die ersten Delfine auf. Was die Besucher fasziniert, nimmt der Kapitän gelassen: "Das erleben wir häufig", so Peter Stuart, der in der Bay of Islands Öko-Touren anbietet. Sein Boot umrundet gerade Roberton Island. "Hier wurde Geschichte geschrieben", erklärt Stuarts Kollege Gary Hooson.

1769: James Cook taufte "Bay of Islands"

Am 29. November 1769 kam es bei Roberton Island zum ersten Kontakt des britischen Kapitäns James Cook mit den Maori. "150 Mann haben am Strand aus Furcht einen Kriegstanz aufgeführt. Sie dachten, Cooks Männer hätten Augen am Hinterkopf, weil sie rückwärts ruderten", erzählt Gary. Die Begegnung verlief aber friedlich, und Cook taufte die weite Bucht mit ihren 144 Eilanden "Bay of Islands".

Weiter geht es nach Rawhiti. Dort startet der Cape-Brett-Walkway, ein 16 Kilometer langer Wanderweg. Immer wieder fällt der Blick auf Buchten wie die Oke Bay, in der eine einsame Yacht ankert - ein Bild wie im Paradies. Dass die Welt hier trotzdem nicht völlig in Ordnung ist, beweist der Zaun, der den Norden der Cape-Brett-Halbinsel zur "Opossum-freien Zone" macht. Die Beuteltiere sind in Neuseeland eine Plage.

Maori spielen Historie nach

Im Norden Neuseelands stellen die Maori, die aus Polynesien eingewanderten Ureinwohner, einen Großteil der Bevölkerung. Wer sich von ihrer lebendigen Kultur überzeugen will, muss vom Urlauberzentrum Paihia einige Kilometer nach Waitangi fahren, wo sich 1840 die Maori Königin Victoria unterstellten. Über den genauen Inhalt des dabei unterzeichneten Vertrages wird bis heute gestritten, vor allem geht es um Landbesitzrechte. Wie es dazu kam, kann von Oktober bis April dreimal pro Woche im Versammlungshaus "Te Whare Rununga" erlebt werden. Dort spielen Maori die Vorgeschichte des Vertrags nach, inklusive des Kriegstanzes "Haka".

Bustouren nach "Cape Reinga"

Neben Paihia wichtigster Ort in der Bay-of-Islands-Region ist Russell. Dieses war im 19. Jahrhundert wegen seiner vielen Bars als "Höllenloch des Südpazifik" verrufen. Heute ist davon nichts mehr zu spüren: Die Gaststätte "Duke of Marlborough", die als älteste des Landes gilt, ist ein ordentliches Restaurant. Und Colwyn Shortland, der in der Polizeistation Dienst schiebt, hat dort so wenig zu tun, dass er zugleich Standesbeamter und Mitinhaber einer Lodge sein kann.

INFO-KASTEN: Neuseelands Northland

Tourism New Zealand bietet unter 0900/100 78 73 für 49 Cent pro Minute eine Hotline an. Auskünfte auf Deutsch täglich von 9.00 bis 13.00 Uhr, auf Englisch rund um die Uhr. Neuseeland und Northland im Internet:
www.newzealand.com.
www.northland.org.nz.

Paihia ist weniger gemütlich. Mitunter wird in den Discos und Pubs gefeiert bis zum Morgen. Manche Gäste machen durch: Gegen 7.00 Uhr starten Bustouren zum Cape Reinga im äußersten Norden Neuseelands - 470 Kilometer an einem Tag. Erst geht es auf Landstraßen die Küste entlang, doch bald fährt steuert Fahrer Murray Finch den Wagen an den Strand. Der "Ninety Mile Beach" gehört zum staatlichen Highway-Netz. Mit Tempo 80 donnert Murray über den harten Sand, während in der Brandung Delfine zu sehen sind. In den Dünen stehen wilde Pferde - und plötzlich liegt ein Autowrack auf dem Weg. "Viele Autos bleiben hier am Strand liegen und werden von der Flut verschluckt."

Puketi Forest mit riesigen Kauri-Bäumen

Am Ziel erfährt mancher Gast, dass das Cape Reinga gar nicht der nördlichste Punkt Neuseelands ist, sondern nur der nördlichste, der sich einfach erreichen lässt. Das North Cape weiter östlich ragt noch mehr ins Meer hinein. Dafür lässt sich vom Leuchtturm am Cape Reinga aus gut beobachten, wie sich der Pazifik mit der Tasmansee mischt. Wind weht und nimmt die Seelen verstorbener Maori mit zu ihren Ahnen.

Zum Tagesprogramm zählt auch ein Stopp im Puketi Forest. Hier stehen noch etliche der einst verbreiteten Kauri-Bäume mit ihren bis zu fünf Meter dicken Stämmen. "Vermutlich existieren nur noch vier Prozent der Kauri-Bestände, die um 1850 Northland überzogen haben", sagt Betty Nelley vom Kauri-Museum im Matakohe weiter südlich in Richtung Auckland.

Eine der wenigen verblieben "Inseln" ist der Waipoua Forest, wo zum Beispiel "Tane Mahuta" zu sehen ist. Der "Waldgott", so sein Name übersetzt, ist etwa 1250 Jahre alt und 17,70 Meter hoch. Bäume wie ihn gab es früher zuhauf. Heute nehmen Wilder Ingwer und Pampasgras überhand - importierte Pflanzen, die drohen, die heimische Flora zu verdrängen. Auch diese Erkenntnis über die Sensibilität von Ökosystemen ist es wert, Northland in den Reiseplan zu nehmen, wenn es nach Neuseeland geht.

Von Christian Röwekamp, dpa - Fotos. dpa

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