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Nizza, gelassene Schöne des Südens

Sonne, Sehnsucht, Schickeria

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Rendezvous am Mittelmeer - auf der "Promenade des Anglais" flaniert nicht nur Nizzas kokette Jugend.

Nizza - Vor dem Straßen-Café nahe der barocken Kirche Saint-Jacques taucht das alte Mütterchen wieder auf. Gut gelaunt wie immer trägt sie vor einem Straßencafe ein Lied von Edith Piaf vor.

Es ist Midi, Mittagszeit. Die kleinen Läden schließen. Handwerker, Friseurinnen und Bankangestellte ziehen zum Blumenmarkt auf dem Korso Saleya. Mimosen haben Saison, ihr Duft mischt sich mit dem Küchengerüchen der Fischrestaurants des volkstümlichen Viertels. Träge Siesta-Stimmung macht sich breit. Kichererbsen-Fladen werden gereicht, oder Meeresfrüchte-Salat.

Willkommen in Nizza, der mondänen Schönen des französischen Südostens. Metropole der "French Riviera", fünftgrößte Stadt Frankreichs. Ein geschichtsträchtiger Umschlagplatz für Handel und Gewerbe und ein touristischer Magnet, der alle anzieht, die für Sonne, Sehnsucht und Schickeria etwas übrig haben. Und trotzdem ruht das von einem Voralpen-Halbrund geschützte Ganzjahres-Seebad in sich.

Anmutig geschwungene "Promenade des Anglais"

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Herrschaft der bunten Masken und Kostüme - im Februar treibt König Karneval sein Unwesen in Nizza

Die Schönheit Nizzas beginnt allerdings nicht beim farbenfrohen Verputz in der barocken Altstadt. Die anmutig geschwungene, sieben Kilometer lange "Promenade des Anglais" am Meer lädt als erste ein: Weiße Fassaden, majestätische Hotelpaläste wie das Belle-Epoque-Juwel "Negresco", laute Champagner-Runden in den Strand-Bistros unter den Palmen und das kokette Treiben der Jugend machen das Flair aus.

Im Februar beansprucht jedoch König Karneval das alles für sich. Ausgehend von der Place Masséna mit seinen in Ocker getünchten Laubenhäusern greift seine Herrschaft auf die Stadt über. Schrille Musik von Pfeifen und Trommeln hallt in den Straßenschluchten wider. Tausende von frischen Mimosen, Nelken und Lilien schmücken den traditionellen Blumen-Korso auf der "Promenade des Anglais". Und des Nachts zieht es alle zu den verruchten Maskenbällen.

Dieser Tummelplatz des Kongress-Jet Sets, der Antiquitätenhändler, der neuen Ost-Mafiosi und der simplen Glücksuchenden kann aber die Risse nicht mehr übertünchen, die Geschichte, Klima und Städtebau ihm zugefügt haben. "Hier ist alles möglich", meint der Dichter Alain Lefeuve. "Der eine stirbt vor Hunger, der andere aus Liebe." Andere monieren, ihre Stadt werde vom Verkehr erstickt, habe ihre Seele dem Mammon und der Macht geopfert, sei ein barockes Sünden-Babel.

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Über den Dächern von Nizza - die Farben der Stadt und der sie umgebenden Landschaft haben schon Maler wie Henri Matisse und Marc Chagall inspiriert.

Weit über den Dächern von Nizza lässt sich bestens nachvollziehen, warum der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche so begeistert von dem "afrikanisch anmutenden" Küstenstreifen war. Von der Anhöhe im edlen Cimiez aus blickt der Besucher auf den Schmelztiegel der 350 000. In diesem vornehmen Viertel findet sich auch ein Olivenbaumpark, dessen Alleen und Statuen Jazz-Größen wie Miles Davis oder Dizzy Gillespie gewidmet sind. Und hier lädt das Henri Matisse-Museum dazu ein, den wegweisenden Maler in einer Patriziervilla kennen zu lernen.

"Kleines Paradies" für russischen und englischen Adel

Die Verbundenheit Marc Chagalls mit Nizza und der Côte d'Azur dokumentiert ein moderner Flachbau unweit des Matisse-Museums. Beide Maler erinnern an die magische Anziehungskraft, die Nizza auf Künstler ausübt. Nicht von ungefähr her rühmt sich Nizza - in unermüdlichem Kräftemessen mit der fernen Hauptstadt Paris - seiner Museen und Galerien.

Umfragen zufolge gehört Nizza zu den lebenswertesten Städten in Frankreich. Und die vier Millionen Touristen denken kaum anders. Sie kommen, um zu baden und gut zu essen. Aber auch, um etwa die orthodoxe russische Kathedrale des Saint-Nicolas zu bewundern - die größte außerhalb Russlands. Oder sie bestaunen die Baldachine und das Ambiente im feinen "Château des Ollières" des russischen Prinzen Alexej Lobanow-Rostowsky. Denn nicht nur die englischen Aristokraten waren es, die hier einst das "kleine Paradies" ausriefen. Alle kamen sie - und wollten bleiben. Von diesem Mythos zehrt Nizza noch heute, mit leise abbröckelndem Charme.

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

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