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Die unbekannte Normandie

Land der Pferde und Schlösser

Wer in der Normandie Urlaub macht, den zieht es meist ans Meer. Die Kreidefelsen von Etretat, die Badeorte Honfleur und Deauville und vor allem die Klosterinsel Mont-Saint-Michel - das sind die beliebtesten Ziele für Touristen, die den Nordwesten Frankreichs besuchen. Das grüne Hinterland der Ärmelkanalküste dagegen kennen viele Urlauber nur vom Durchfahren. "Lediglich die Briten wagen sich in größerer Zahl auf die weniger befahrenen Pfade. Die haben noch echten Pioniergeist", sagt Brigitte Müller vom Fremdenverkehrs-Komitee der Normandie in Evreux.

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Eine eigene Reise wert sind die unbekannten Teile der Normandie allemal: In den Departements Orne und Eure kommen vor allem Pferdeliebhaber und Schlösser-Fans auf ihre Kosten. Zum Beispiel in Acquiny, nur eine Autostunde von Paris entfernt. Dort besitzt die Familie d'Esneval am Ufer des Flüßchens Eure seit 1656 ein kleines Renaissance-Schloß. Seit sechs Jahren ist der dazu gehörende, um 1810 angelegte Park für die Öffentlichkeit zugänglich - zumindest für je 100 Tage während des Sommers. Für 25 Francs Eintritt, gut acht Mark, bekommen die pro Jahr etwa 3 000 Besucher zahlreiche, aus aller Welt importierte Pflanzen zu sehen, darunter Sequoiabäume aus Nordamerika.

Künstlich angelegter Wasserfall

Stolz ist Familienoberhaupt Bertrand d'Esneval aber vor allem auf den ältesten künstlich angelegten Wasserfall des Landes, der noch intakt ist, sowie auf die größte Orangerie in ganz Nordfrankreich mit Platz für 99 Orangenbäume. "Mehr war nicht möglich - 100 Orangenbäume durfte nur der König besitzen", sagt d'Esneval.

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Der Besuch in Acquiny läßt sich verknüpfen mit einem Ausflug nach Giverny, wo der Maler Claude Monet einen Großteil seines Lebens verbrachte. Das Haus des Impressionisten und der Garten, den Monet in vielen Gemälden verewigte, sind heute ein beliebtes Ausflugsziel für Paris-Touristen. Oder man fährt von Acquiny aus nach Les Andelys - einen Ort an der Seine, der in der Geschichte der Normandie eine besondere Rolle spielt: Hoch über der Stadt steht die Ruine des Chateau Gaillard. Der englische König Richard Löwenherz, der damals auch die Normandie beherrschte, hatte die Burg 1196 erbauen lassen. Doch schon acht Jahre später eroberten französische Truppen die Festung, und die Normandie fiel erstmals an den französischen König.

INFORMATIONEN:

REISEZIEL: Die Normandie liegt im Nordwesten Frankreichs am Ärmelkanal. Begrenzt wird sie durch die Picardie im Nordosten, die Bretagne im Südwesten sowie Paris und die Region "Ile de France" im Osten und Südosten. Die Obere Normandie (Departements Eure und Seine-Maritime) ist dichter besiedelt als die Untere Normandie (Departements Orne, Calvados und Manche).

ANREISE: Mit dem Auto entweder über Brüssel und Lille oder über Paris. Flugreisende müssen in Paris umsteigen. Viele Städte in der Normandie sind über Paris auch mit der französischen Eisenbahn SNCF erreichbar.

WÄHRUNG: 100 französische Francs kosten knapp 30 Mark.

SPRACHE: Französisch. Mit Englisch ist die Verständigung in der Regel einfacher als mit Deutsch.

REISEZEIT UND KLIMA: Mildes Atlantikklima mit häufigem Wetterwechsel - Regenbekleidung im Gepäck ist unverzichtbar. Die beste Reisezeit ist von Anfang Juni bis Mitte September.

UNTERKÜNFTE: Das vielfältige Angebot reicht vom Schloßhotel mit vier Sternen bis zum Urlaub auf dem Bauernhof. Es gibt fast 400 Campingplätze.

AUSKUNFT: Comite Regional de Tourisme de Normandie, 14 rue Charles Corbeau, F-27000 Evreux (Tel. von Deutschland: 0033/2/32 33 79 00, Fax: 0033/2/32 31 19 04), Internet: "www.normandy-tourism.org"

Wie ein König übernachten

Während das Chateau Gaillard nur tagsüber ein Touristenziel ist, stehen viele andere Schlösser und Herrenhäuser in der Normandie den Besuchern auch nachts zur Verfügung: als Hotels. Manche bieten auch Rundreisen von Chateau zu Chateau an - und das nicht nur mit dem Bus oder dem eigenen Auto.

Regis Chomel de Jarnieu etwa läßt seine Gäste die Pferde satteln: In Gruppen von maximal acht Personen geht es pro Tag gut 45 Kilometer durch die Landschaft, die reich ist an Wäldern und Hecken. "Meist sind wir dann vier Tage unterwegs. Gute Kondition braucht man schon", sagt der 45jährige, "für Anfänger ist das nichts." Für die Amateure bietet de Jarnieu Tagestouren an, auch mit der Kutsche. Ausgangspunkt ist dabei oft das Chateau de Brecourt, ein aus Klinkern und Stein erbauter Herrensitz aus der Zeit Ludwigs XIII. in der Nähe von Pacy-sur-Eure, heute ein Vier-Sterne-Hotel.

70 Hengste für die Befruchtung

Regis Chomel de Jarnieu läßt seine Gäste auf Percheron-Pferden reiten. Die einst als Postkutschenpferd und Arbeitstier eingesetzte Rasse steht in Frankreich heute wieder hoch im Kurs. Das wird auch im "Haras National du Pin" mehr als deutlich. Das 1715 bis 1730 bei Argentan im Departement Orne erbaute Hengstgestüt ist eines von 23 staatlichen Gestüten Frankreichs und neben dem "Haras de Saint-Lo" das einzige in der gesamten Normandie. 70 Hengste werden hier gehalten und während der Befruchtungsperiode von Februar bis Juli auf die Besamungsstellen in der Umgebung verteilt.


Eine besondere Attraktion sind die Pferdegespanne
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Einer der Stars im Stall ist "Silver Shadow Sheik" - ein 1989 in den USA geborener Percheron-Hengst mit einem Stockmaß von 1,83 Meter. "Anfangs verstand er kein Französisch", erzählen die Pfleger. "Inzwischen hat er das ganz gut gelernt." Das Gestüt kann täglich von 09.30 bis 18.00 Uhr besichtigt werden, der Eintritt kostet 25 Franc, gut acht Mark. Eine besondere Attraktion bieten die Donnerstage bis Ende September: Um 15.00 Uhr werden dann die Zuchthengste sowie verschiedene Pferdegespanne im Ehrenhof des Haras du Pin vorgeführt.    Fortsetzung

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