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Mit der Bergenbahn Norwegen im Kleinen erleben

Tiefer Einblick in die Seele des Landes

Norwegen

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Bergen - Der gedünstete Lachs mundet auch hier in den norwegischen Bergen. Der Blick aus dem Fenster zeigt eine weite Hochebene: Mit Gräsern, Farnen und Gebüsch bestandene Hügel, eingetaucht in das feurige Rot und leuchtende Gelb des Herbstes.

Wie bunte Wellen wogt die weite Landschaft. Dazwischen immer wieder Wasser: Bäche, Tümpel, Seen. Am Horizont türmen sich steile Felswände auf, zwischen den Gipfeln blinkt das ewige Eis eines Gletschers. Das monotone ratternde Geräusch von auf Gleisen rollenden Rädern passt in dieses Land.

In wenigen Tagen Norwegen "en miniature" kennenlernen

Norwegen gilt als klassisches Auto-Reiseziel. Dennoch ist es die Bahn, die in aller Kürze einen tiefen Einblick gewährt in die Seele des Landes: Wer nur wenige Tage Zeit hat zum Kennenlernen, der fährt ganz ohne Stress für umgerechnet rund 80 Euro mit der Bergenbahn von Oslo nach Bergen und erlebt dabei Norwegen "en miniature". Vom herbstlich milden Südosten quer durch das zentrale Gebirgsmassiv bis zu den steil ins Meer stürzenden Wänden der Fjorde des Westens. In sieben Stunden geht es von null auf mehr als 1200 Höhenmeter und wieder hinunter ans Wasser.

Nicht schön, aber mit Flair

Die gut 450 000 Einwohner zählende Hauptstadt am Oslofjord ist eine moderne Metropole. Schön ist Oslo mit seinem architektonischen Durcheinander nicht, doch die Stadt besitzt Flair. Wer in der Herbstsonne auf einer Terrasse von Aker Brygge hinausblickt auf den Fjord, der entdeckt diese wundersame Melange aus Betulichkeit und hektischer Betriebsamkeit ebenso wie beim Flanieren auf der Karl-Johann, der Einkaufs- und Kneipenpromenade.

Alle Sehenswürdigkeiten beieinander

Oslo bleibt überschaubar: im Zentrum der Vigeland-Park mit seinen 200 Skulpturen und das Munch-Museum, drüben, in 20 Minuten mit dem Boot erreichbar, die Halbinsel Bygdøy. Dort drängt sich Geschichte auf kurzen Wegen: das Volksmuseum mit 150 historischen Gebäuden aus dem ganzen Land, 1000 Jahre alte Wikingerschiffe, das Balsa-Floß Kon-Tiki und das Papyrus-Boot Ra II des kürzlich verstorbenen Abenteurers Thor Heyerdal. Hinzu kommt die "Fram", das Expeditionsschiff der Polarhelden Fridtjof Nansen und Roald Amundsen.

Vorbei an malerischen Hängen

Und dann sitzt man im Zug. Vom Hauptbahnhof Oslo S aus rollt der rot lackierte Bandwurm durch Vororte bis Drammen. Hier wendet er sich in weitem Bogen gen Nordosten, passiert das Bauernland rund um Vikersund und Hønefoss: Felder und Wiesen und wie hineingetupft die typischen Gehöfte mit ihren weißen Wohnhäusern und roten Stallungen. Erst ab Hønefoss nimmt die Bergenbahn Kurs gen Westen durch das malerische Hallingdal: Linkerhand wechselt der stete Fluss der Bromma mit lang gezogenen Seen, die Hänge sind bestanden mit grünem Nadelwald, während in der Höhe Birken und Eschen in Herbstfarben glühen.

Rentierherde und Schafe auf weiten Ebenen

Geilo liegt bereits knapp 800 Meter hoch. Die Landschaft ändert sich beinahe schlagartig: Ab hier quert die Bahn die Hardangervidda, die größte Hochebene Europas: baumlos, nur von Rentierherden und Schafen bewohnt, ein offenes, endlos wirkendes Land. Das milde Licht einer späten Sonne taucht die überraschende Farbenpracht dieser urtümlichen Landschaft in ihren Glanz. Und ausgerechnet hier, im Herzen der Berge, serviert das rollende Bistro diesen Lachs.

15 000 Arbeiter schufteten 15 Jahre lang

In 1222 Metern Höhe liegt Finse, Norwegens höchst gelegener Bahnhof und ansonsten ein winziges Kaff. Es gibt ein herrschaftliches Hotel, das schon 1907 errichtet wurde. Und ein Museum, das die Geschichte der Bergenbahn erzählt: 1894 begann der Bau, 15 000 Arbeiter schufteten 15 Jahre lang an der rund 500 Kilometer langen Strecke. Damals wurden nur wenige Tunnel gegraben, doch hat die Norwegische Staatsbahn NSB in den vergangenen Jahrzehnten zum Schutz vor Lawinen und Schneeverwehungen immer neue Röhren verlegt - heute unterbrechen etwa 200 dunkle Abschnitte das Panorama der Fahrt.

INFO-KASTEN: Norwegen

Norwegisches Fremdenverkehrsamt, Postfach 11 33 17, 20433 Hamburg
Tel: 0180/50 01 548, Fax: 040/22 71 08 15
Internet: www.visitnorway.com
Zuginfos

Steigung von 55 Prozent

Der nächste Halt heißt Myrdal. Wer etwas Zeit hat, steigt hier um. Von Myrdal aus kriecht die weltweit steilste Eisenbahn auf Normalspur in Atem beraubender Weise hinunter nach Flåm. Auf fast vier Fünfteln der 20 Kilometer langen Strecke bewältigt die Flåmbahn eine Steigung von 55 Prozent, vorbei an einsamen Berghöfen und Wasserfällen bis hinunter zum Aurlandfjord. Man kann die gleiche Strecke wieder zurückfahren oder per Schiff den Fjord durchkreuzen bis nach Gudvangen - von dort fährt ein Bus nach Voss zurück zur Bergenbahn.

Eine Stadt als Museum

Deren rote Wagenkette schlängelt sich nun in langen Kurven hinunter nach Bergen. Eine Stadt als Museum: Das alte Hafenviertel Bryggen, im 13. Jahrhundert von den Kaufleuten der Hanse gegründet, erlaubt einen Streifzug durch die Geschichte. Die historische Fassadenfront beherbergt zahlreiche kleine Geschäfte und Läden. In den engen Gassen dahinter riecht es nach Holz und Teer, Menschen aus aller Herren Länder durchstreifen das Gassengewirr. Am inneren Ende des Hafenbeckens von Vågen liegt der Fischmarkt, und ganz in der Nähe legen Boote zu mehrstündigen Ausflügen in die verzauberte Welt der Fjorde ab.

Langeweile kommt nicht auf

Am Ende aber geht es wieder auf die Bahn. Die Fahrt zurück nach Oslo erfolgt über die gleiche Strecke, doch langweilig wird einem dabei nicht: Zu vielfältig sind die Eindrücke, zu abwechslungsreich die wie im Film vorüber ziehende Landschaft - und außerdem werden diesmal diese schmackhaften Frikadellen aus Elchfleisch versucht.

Matthias Huthmacher, dpa

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