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Für Naturfreunde und Hummer-Fans:

Nova Scotia lockt mit Einsamkeit

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Nova Scotia

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Wer Einsamkeit sucht, ist für Nova Scotia wie geschaffen. Hier, an einem der Ostzipfel Kanadas, kann es geschehen, dass Besucher an manchem Tag auf mehr Kirchen als Menschen treffen.

Die jüngste Tochter Thomas Manns, Elisabeth Mann Borgese, drückte es so aus: "In Nova Scotia kann man stundenlang spazieren gehen, und man begegnet keiner Menschenseele, keinem Auto, nicht einmal ein Telefonmast ist zu sehen. Nur Strand, Felsen, Wälder und natürlich das Meer." Das stimmt - jedenfalls fast. Einigen Menschen begegnet man schon, und auch Tieren: zum Beispiel Delfinen, Walen und Elchen.

Urlaub ist zuallererst ein Naturerlebnis

Urlaub in Nova Scotia ist zuallererst ein Naturerlebnis. Die Halbinsel besteht zu mehr als 80 Prozent aus Wald, der Rest ist oft Wasser. Outdoor-Liebhaber kommen da voll auf ihre Kosten: Rafting, Kajaking und Wandern - dafür ist Nova Scotia bestens ausgestattet.

Für Raucher gibt es kein Schönwetter

Zumindest, wenn das Wetter mitspielt: Gegen Nebel, Nieselregen und Windattacken hilft nur ein sonniges Gemüt, um bei Laune zu bleiben. Doch sobald gutes Wetter aufkommt, ist alles nochmal so schön. Nur für Raucher gibt es kein Schönwetter, die werden hart, aber herzlich überall vor die Tür gewiesen - egal ob es gerade schneit oder hagelt.

Nach der Stille ist sogar Halifax turbulent

Reisen nach Nova Scotia beginnen üblicherweise in der Hauptstadt Halifax - mit ihren mehr als 300 000 Einwohnern auf den ersten Blick bloß eine unausgeschlafene Großstadt. Anziehungskraft entwickelt sie erst, wenn man ihr den Rücken kehrt und sich in die Provinz aufmacht: Dorthin, wo sich die Murmeltiere "Gute Nacht" sagen, die Natur allein für Unterhaltung sorgt, die Orte aus kaum mehr als einer langen Straße bestehen und die Mobiltelefone ihren Dienst verweigern. Wer anschließend zurück nach Halifax kommt, ist von dieser Stadt überzeugt und freut sich, wieder im Zentrum des Geschehens zu sein.

Die Architektur von Halifax besteht aus recht wahllos zusammen gewürfelten Hochhäusern und einigen altehrwürdigen Gebäuden. Das Sympathische an der Stadt ist, dass sie nicht vorgibt etwas anderes zu sein als das, was sie ist: Sie versucht erst gar nicht, mit Toronto und Montreal zu konkurrieren, sondern spielt ihren eigenen, vielleicht etwas kleinkarierten, aber doch liebenswerten Charme aus.

Zitadelle diente Briten als Stützpunkt gegen Angriffe

Einen Überblick über Halifax verschaffen sich Besucher am besten von der hoch über der Stadt gelegenen Zitadelle aus. Die Anlage aus dem 18. Jahrhundert diente den Briten als Stützpunkt gegen Angriffe der Franzosen. Von der Zitadelle donnert jeden Tag - außer an Weihnachten - um 12.00 Uhr ein ohrenbetäubender Kanonenschuss in Richtung Stadt. Die Tradition stammt aus dem Jahr 1857, als auf diese Weise der Tagesanbruch, die Mittagsstunde, der Sonnenuntergang und die Nacht angekündigt wurden. Die Soldaten hörten so, wo immer sie waren, dass es Zeit war, in die Kaserne zurückzukehren.

Kanonenschuss als amüsante Touristenattraktion

Heute ist der Kanonenschuss eine amüsante Touristenattraktion. Gleiches gilt für die wie in alten Zeiten kostümierten Männer und Frauen in der Zitadelle, die nicht nur stilecht ihre "Noon Gun" abfeuern, sondern auch die obligatorischen Wachwechsel absolvieren und freundlich und geduldig für die Besucher posieren. Innen kann man sehen, wie sich das Leben der Soldaten früher abgespielt haben muss.

Museen entführen liebevoll und anschaulich in die Vergangenheit

Für Museen, die liebevoll und anschaulich in die Vergangenheit entführen, haben die Menschen in Nova Scotia ohnehin ein Händchen. Zum Beispiel in Baddeck am größten Salzwassersee Kanadas, dem Bras d'Or, wo sich ein Museum dem Telefonerfinder Alexander Graham Bell widmet, der sich einst hier niederließ. Oder in Lunenburg, wo das "Fisheries Museum of the Atlantic" über Fische und Schiffe informiert, in Sherbrooke, wo ein ganzes Dorf als Museum im Stil des 19. Jahrhunderts hergerichtet wurde, oder in dem Nest Cheticamp auf Cape Breton Island, wo es ein hinreißendes "Fisheries Museum" gibt.

Museen, die sich dem Meer verschrieben haben, gibt es naturgemäß einige in der Region. Das "Maritime Museum of the Atlantic" in Halifax liegt in Sichtweite der Hafenpromenade und legt auch Zeugnis ab von den Schrecken der Seefahrt. Dazu gehört die Dokumentation der wohl bekanntesten Schiffskatastrophe aller Zeiten, des Untergangs der "Titanic". Halifax war der nächstgelegene Hafen zur Unglücksstelle vor der Küste Neufundlands. Von hier aus starteten Suchtrupps, um nach Überlebenden zu fahnden und die zahllosen Toten zu bergen.

Friedhof für viele Titanic-Opfer

So kommt es, dass auf dem Fairview-Lawn-Friedhof in Halifax reihenweise Gräber stehen, die die Aufschrift "Gestorben am 15. April 1912" tragen. Auch Jack Dawson, den Leonardo DiCaprio in dem Kinohit "Titanic" von James Cameron verkörperte, liegt dort begraben. Sein Grab ist mit Blumen und Fan-Geschenken geschmückt. Der Untergang der "Titanic" ist in Nova Scotia allenthalben präsent, und der Titelsong des Films "My heart will go on" der frankokanadischen Sängerin Céline Dion wird in den Pubs und Hotels munter rauf und runter gespielt.

Peggy's Cove - der Höhepunkt der "Lighthouse Route"

Nicht weit entfernt von Halifax liegt das Fischerörtchen Peggy's Cove, der Höhepunkt der "Lighthouse Route". Diese Strecke verdankt den etwa 20 Leuchttürmen entlang der Küste ihren Namen, aber der am meisten fotografierte steht in Peggy's Cove. Wer dort auf den glatt polierten Felsen entlangspaziert, kommt sich vor, als sei er in eine Fototapete geraten: Der Leuchtturm steht perfekt Modell am blauen Meer, die Häuser posieren schief im Wind, Möwen fliegen dekorativ ins Bild. Ihr Krächzen, das Klicken der Fotoapparate, das Rauschen des Meeres und das Stöhnen des Windes - das ist der Sound von Peggy's Cove. Der Ort ist ein Muss für alle Nova-Scotia-Besucher, auch wenn es - wie oft bei solchen Orten - nicht wirklich viel zu sehen gibt.

In Lunenburg wird die Welt plötzlich sehr klein

INFO-KASTEN:Nova Scotia

REISEZIEL: Die Halbinsel Nova Scotia (auf Deutsch: Neu-Schottland) ist eine der Atlantik-Provinzen an der Ostküste Kanadas. Mit einer Fläche von 55 490 Quadratkilometern ist sie etwa so groß wie Hessen und Nordrhein-Westfalen zusammen. Die Hauptstadt ist Halifax.

ANREISE UND FORMALITÄTEN: Die neueste Flugverbindung nach Halifax bietet seit dem Mai 2003 Thomas Cook Airlines an: jeden Donnerstag nonstop von Frankfurt aus. Die Flugdauer beträgt 7 Stunden und 15 Minuten. Mittwochs fliegt die kanadische Gesellschaft Air Transat die gleiche Strecke. Reisende mit Lufthansa und dem Star-Alliance-Partner Air Canada müssen in Montreal oder Toronto umsteigen. Für Deutsche ist kein Visum erforderlich. Ein noch mindestens drei Monate gültiger Reisepass und ein Rückflugschein genügen für den Aufenthalt.

KLIMA UND REISEZEIT: Nova Scotia hat ein mildes Seeklima. Nebel im Frühling und Regen im Hochsommer sind nichts Ungewöhnliches. Beste Reisezeiten sind der Sommer mit durchschnittlichen Tagestemperaturen von etwa 22 Grad Celsius sowie der Indian Summer im Herbst.

WÄHRUNG: Ein kanadischer Dollar entspricht etwa 0,65 Euro (Stand: Juli 2003). Kreditkarten werden fast überall akzeptiert. Es ist üblich, Beträge von mehr als 20 Dollar mit der Karte zu bezahlen.

SPRACHE: Englisch.

UNTERKUNFT: Von Campingplätzen bis Nobelhotels sind in Nova Scotia alle Unterkunftsformen vertreten. Ein Hotelzimmer kostet pro Nacht zwischen 75 und 200 Dollar.

INFORMATIONEN: Kanada-Hotline zur Broschürenbestellung: 01805/52 62 32 für 0,12 Euro pro Minute; Nova Scotia Tourism Deutschland, c/o TravelMarketing Romberg, Schwarzbachstraße 32, 40822 Mettmann (Tel.: 02104/79 74 54, Fax: 02104/91 26 73, E-Mail: Novascotia@travelmarketing.de), Internet: http://www.novascotia.com. ACHTUNG: Am kommenden Dienstag (15. Juli) sendet der Themendienst einen Reisebericht über die Hohe Tatra von Hilke Maunder.

Wie in einem Bilderbuch kommen sich Urlauber auch in dem Städtchen Lunenburg vor. Der Ort ist eineinhalb Autostunden von Halifax entfernt und liegt ebenfalls an der "Lighthouse Route". Hier wird die Welt plötzlich sehr klein und sehr bunt. Nur 2600 Einwohner teilen sich immerhin fünf Kirchen. Etliche der ersten Siedler kamen aus Lüneburg in Niedersachsen und gaben der Stadt ihren Namen. Seit dem Jahr 1995 gehört Lunenburgs Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe.

Lunenburg wirkt fast schon beängstigend überschaubar. Der schmucke Ort verströmt eine Kurstadtatmosphäre. Sein Markenzeichen sind die bunt angemalten Holzhäuser - kein Wunder, dass Lunenburg den Titel der am schönsten angemalten Stadt Kanadas erringen konnte. Jeder kennt jeden, Autos und Haustüren werden sorglos offen gelassen. In den Straßen hängen viele liebevoll angefertigte Email-Schilder in Form von Fischen und anderem Meeresgetier. Für die Unkundigen sind die entsprechenden Namen dazu geschrieben.

Lobster ist das Butterbrot der Region

Natürlich ist auch ein Lobster darunter, ein Hummer. Lobster ist das Butterbrot der Region: Ob im Ganzen, zerlegt auf einem Sandwich oder in Sauce gebunden über Nudeln - immer wieder wird Hummer serviert. Wer Zeit hat, sollte die Gelegenheit nutzen, mit einem Lobsterfänger herauszufahren. Bei der Gelegenheit kann man sich nicht nur den Atlantik-Wind um die Nase wehen lassen, sondern bekommt eine anschauliche Schulstunde in Sachen Lobsterfang.

Lunenburg ist eine reiche Stadt, und nicht wenige Rentner setzen sich hier zur Ruhe. Teenager möchte man in Lunenburg lieber nicht sein, aber mit einem Seesack voller Bücher anreisen und dann auf der Terrasse mit Blick aufs Meer die Tage dahinziehen lassen - das kommt einem gleich in den Sinn. Einfach nur dasitzen und lesen und ab und an einmal hochschauen, um zu prüfen, ob der Leuchtturm noch steht, das wär's.

Shirin Sojitrawalla, dpa

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