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Selbstfindung in den Klöstern Niederösterreichs:

Urlaub in der Stille

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Niederösterreich

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Pernegg/Geras - Die frühe Morgensonne spiegelt sich im Klosterteich, als etwa 25 Männer und Frauen im Laufschritt die burgähnliche Anlage verlassen.

Der Frühsport rund um das Kloster Pernegg im niederösterreichischen Waldviertel ist Teil eines Fastenkurses: "Das Fasten war schon immer zentraler Bestandteil unserer Klostertradition", sagt Abt Joachim Angerer.

Der 68-jährige Prämonstratenser, der die Klöster Pernegg und Geras leitet, ist Gründer und Vorsitzender des Vereins "Klösterreich", in dem sich 21 Klöster zusammengeschlossen haben. Die meisten davon liegen im Osten Österreichs, je eines auch in Ungarn und Tschechien. Sie alle haben sich in den vergangenen Jahren für Gäste geöffnet und bieten häufig ein "Klosterleben auf Zeit" an - mit Fastenkursen und Malwochenenden, Musikfreizeiten und Yoga-Meditation.

Kaum Ablenkung von der Reise zum eigenen Ich

Das Missionieren ist dabei Angerer zufolge nicht das Ziel: "Unsere Gäste werden schlicht in unseren klösterlichen Alltag hineingenommen." Immer mehr Anfragen erreichen die Orden: Während manche Menschen nur vom Stress des Berufsalltags ausspannen wollten, suchten andere eine Neubesinnung, etwa nach dem Tod eines nahen Angehörigen.

Im Kloster gibt es nur wenig, was einen von der Reise zum eigenen Ich ablenken könnte. Die spartanisch eingerichteten Zimmer bieten einen Ausblick auf Felder und die baumbestandenen Hügel des Waldviertels. Der nächste größere Ort ist weit entfernt, und die Küche bietet für die Fastenteilnehmer neben Fruchtsäften vor allem Mineralwasser und Glaubersalz an.

Kunst und Kreativität gibt's auch

Doch nicht überall im "Klösterreich" werden die Sinne so sparsam bedient. Wer eher auf Kunst und Kreativität setzt, kann zum Beispiel ein Wochenende im Stift Geras buchen, zehn Kilometer von Pernegg entfernt. Pro Jahr werden hier rund 150 Kurse und Seminare vor allem zu Malerei und Kunsthandwerk angeboten. "Inzwischen haben wir sogar Kursleiter aus Japan und Korea", erzählt Abt Angerer.

Bis vor einigen Jahren waren es vor allem reine Besichtigungstouren, die Besucher in die Klöster lockten. "In Melk etwa gab es das immer schon", so Angerer. Das Benediktinerstift an der Donau gilt als das Hauptwerk des österreichischen Barock. Rund 450 000 Besucher jährlich strömen in die palastähnliche Anlage und bestaunen die Stiftskirche mit ihren Fresken und die Kaiserzimmer.

"Jedes Kloster hat seine eigenen Qualitäten"

"Jedes Kloster hat seine eigenen Qualitäten", sagt Angerer. Neben dem reinen Schauen sollen die Besucher die Stätten der Frömmigkeit dabei auch verstehen lernen. Darum bemüht sich etwa das Stift Zwettl, ein Zisterzienserkloster, das wie nahezu alle Klöster Österreichs in der Barockzeit umgebaut und mit prächtigen Fassaden versehen wurde. Wer in die riesigen Kellergewölbe hinabsteigt, findet dort seit kurzem die Dauerausstellung "Wer's glaubt, wird selig?": Moderne und alte Kunstwerke sowie ein Lehrpfad erläutern die Wunder Jesu Christi.

"Wir versuchen damit, auch Touristen das religiöse Element nahe zu bringen", sagt Pater Maximilian Krausgruber, einer der rund 20 Mönche des Klosters. Das düstere Flair der Backsteingewölbe kontrastiert dabei mit Videoinstallationen und bunten Schautafeln. Nebenbei lässt sich in den ehemaligen Weinkellern und Küchengewölben auch die profane Seite des Klosterlebens erahnen.

Armut, Keuschheit und Gehorsam

INFO-KASTEN: Niederösterreich

Klösterreich-Geschäftsstelle, c/o ITA, Hermann Paschinger, Prof.-Kaserer-Weg 333, A-3491 Strass im Strassertale (Tel. von Deutschland: 0043/2735/553 50, Fax: 0043/2735/55 35 14)
Internet: http://www.kloesterreich.at

Da immer weniger Männer und Frauen die Gelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam auf sich nehmen wollen, werden die Aufgaben in Klosterwirtschaft und Tourismus inzwischen häufig an Laien übertragen. So auch im Chorherrenstift Klosterneuburg bei Wien: Weite Teile des riesenhaften Baus, der im 18. Jahrhundert zur Kaiserresidenz ausgebaut wurde, beherbergen mittlerweile ein Museum, das von Historikern und Museumsfachleuten betreut wird. Auch das Management des Kloster-Weingutes wurde in weltliche Hände abgegeben.

"Sie hören einen Gesang, der hier 850 Jahre nicht verstummt ist"

Doch nicht überall schrumpfen die Konvente, wie das Stift Heiligenkreuz beweist. In dem in weiten Teilen aus dem 12. Jahrhundert stammenden Zisterzienserkloster leben rund 40 Mönche, der jüngste ist 19, der älteste über 90 Jahre alt. Wenn sich die Männer in den schwarz-weißen Kutten fünf Mal täglich zum Gebet im Chorgestühl versammeln und die lateinische Liturgie anstimmen, scheint es, als sei die Zeit stehen geblieben. "Sie hören einen Gesang, der hier 850 Jahre nicht verstummt ist", sagt Pater Dominicus Trojahn, der Bibliothekar des Klosters.

Die ersten auswärtigen Gäste sitzen schon zur Morgenliturgie ab 5.15 Uhr auf der Kirchenbank. Während manche nur für einen einzelnen Gottesdienst hereinschauen, leben andere für mehrere Tage im Gästetrakt des Klosters. Manch einer wolle sogar spontan in den Orden eintreten, berichtet Abt Gregor Henckel-Donnersmarck: "Die schauen wir uns aber sehr genau an, denn die Anforderungen des Mönchslebens sind hart."

Thomas Kärst, dpa

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