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Unterwegs am Reschenpass

Skivergnügen auf alten Schmugglerpfaden

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Nauders in Tirol

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  • Regentropfen peitschen ins Gesicht, Nebel- und Wolkenfetzen ziehen in schneller Folge durch die dunkle Nacht. Ein kräftiger Nordwind sorgt für bitterkalte Temperaturen, so dass sämtliche Glieder versteckt und in dicke Decken eingepackt werden.

    Es ist wie auf einer Polar-Expedition. Dabei geht es lediglich im Sessellift von der Talstation der Bergbahnen von Nauders in Tirol auf die 1700 Meter hoch gelegene Lärchenalm. Schon nach ein paar Minuten schwebt der Sessellift durch den schützenden Wald in Richtung Bergstation.

    Zur Geisterstunde in schneller Fahrt hinab ins Tal

    Bei zünftiger Musik mit sämtlichen gängigen Hitparaden-Titeln der vergangenen 50 Jahre wird den Gästen auf der Hütte von "Alberts Trompetenecho" kräftig eingeheizt. Schon wenig später ist die Stimmung auf dem Höhepunkt. Zur Abkühlung geht es weit nach Mitternacht auf der beleuchteten Rodelpiste mit einer Länge von mehr als 4500 Metern zurück ins Tal. Aber nicht nur zur Geisterstunde ist das "starke Dorf am Reschenpass" eine gute Adresse für grenzenlose Winterfreuden, die sich über zwei Länder mit drei Skigebieten erstrecken - und das mit nur einem Skipass.

    Zusammen mit Schöneben und St. Valentin auf der italienischen Seite des Alpenüberganges, den schon die alten Römer mit der "Via Claudia Augusta" benutzten, bietet Nauders Skivergnügen auf über 110 Kilometern präparierter Abfahrtspisten. Rund 90 Kilometer davon können beschneit werden, alle Schwierigkeitsgrade sind vertreten. 28 Liftanlagen befördern die Besucher auf die Hänge, zwischen den Orten verkehrt ein kostenloser Skibus.

    Boarder-Funpark für "Freestyler" und Snowboarder

    Dazu kommen neun Langlaufloipen mit einer Gesamtlänge von 80 Kilometern allein rund um Nauders. Grenzenloses Loipenvergnügen versprechen weitere 90 Kilometer im Vinschgauer Oberland auf Südtiroler Seite und im Unterengadin in der Schweiz. Häufig handelt es sich dabei um alte Schmugglerpfade.

    Bis auf knapp 2850 Meter Höhe führen die Skigebiete in Nauders. Vom Gueser Kopf oder dem nur wenige Meter niedrigeren Tscheyeck geht es auf weiten Abfahrten zurück ins Tal. Dabei reicht der Blick vom Weißkugel über die Königsspitze bis zum Ortler. Bis zur Talstation sind es dann rund 1450 Höhenmeter. Ein kleines, aber feines Skigebiet findet sich auf der zu St. Valentin gehörenden Haider Alm mit idealen Carving-Pisten im oberen Teil und Waldabfahrten mit Pisten für jeden Geschmack weiter unten. In einem so genannten Boarder-Funpark haben "Freestyler" und Snowboarder ihren Spaß.

    Versunkene Kulturlandschaft - der Reschensee

    Recht familienfreundlich präsentiert sich Schöneben. Zwei "schwarze" Abfahrten führen zur behaglichen, in seltener Ursprünglichkeit erhaltenen Rojer-Skihütte. Von den weiten, bestens präparierten Pisten bietet sich ein herrlicher Blick auf das Alpenpanorama und den im Tal liegenden Reschensee.

    Doch der See erzürnt noch heute die Bewohner rund um Graun. Wie ein trauriges Mahnmal ragt der romanische Turm der Pfarrkirche aus den dunklen Fluten, die im Winter zu Eis erstarren. Vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert wurde von der italienischen Regierung der Bau eines Stausees beschlossen. 163 Häuser, darunter 120 Bauernhöfe wurden gesprengt, 700 Einwohner mussten umsiedeln. Fast 700 Hektar Grund und Boden versanken nach und nach in den Wassermassen, eine Kulturlandschaft wurde vernichtet. Bis heute sind die Menschen am Reschenpass nicht sonderlich gut zu sprechen auf die Regierung um fernen Rom.

    Über den Reschenpass wurde einst das Salz zum Meer transportiert

    Im Mittelalter und auch noch danach war Graun ein Platz, an dem Pferde und Ochsen den Wagen mit Waren und Handelsgütern bei ihrem Weg über die Alpen vor- oder umgespannt wurden. Über den Reschenpass und die antike "Via Claudia Augusta" wurde unter anderem Salz aus Bad Reichenhall und Hallein im Salzburger Land in Richtung Süden nach Glurns und weiter zu den Seehäfen am Mittelmeer transportiert. Zahlreiche Burgen und Schlösser entlang des Weges zeugen noch heute vom einstigen Reichtum entlang des Weges durch das Tal des jungen Inn auf Tiroler Seite und das Etschtal im Vinschgau.

    Eines davon ist Schloss Naudersberg, 1239 erstmals urkundlich erwähnt. Als Trutzburg über dem Ort errichtet, war es schon im Mittelalter einer von vier Gerichtsplätzen in der Grafschaft Vinschgau und später der höchste Gerichtshof der österreichisch-ungarischen Monarchie. Bis 1919 wurden Hoch- und Blutgerichte gefällt und in den Wiesen südlich des Ortes vollstreckt. Das Oberinntal wird daher auch als "Oberes Gericht" bezeichnet und die Wiesen am Arsangsbach von Nauders werden noch immer "Beim Hohen G'richt" genannt. In dem renovierten Schloss ist heute neben einem ausgezeichneten Restaurant auch das Heimatmuseum untergebracht.

    Schneeschnuh-Wanderungen, Eisklettern oder Eissegeln

    Für jeden Geschmack etwas bieten die Pisten im "Skiparadies Reschenpass". Abfahrten auf bestens präparierten Hängen, am Buckelhang oder im unberührten Tiefschnee lassen das Skifahrerherz schnell höher schlagen. Aber nicht nur Pisten-Freaks kommen im Dreiländereck von Österreich, Italien und der Schweiz auf ihre Kosten. Schneeschuh-Wanderungen gehören ebenso zum Programm wie Eisklettern oder Eissegeln auf dem zugefrorenen Reschensee.

    Gemütlicher geht es bei einer Fahrt mit dem Pferdeschlitten ins Langtaufertal zu. Dort lädt die Melager Alm mit pikantem selbst gemachten Bergkäse und jeden Hunger stillenden Kas-Nudeln zum Verweilen ein. Bei herrlichem Sonnenschein ist es auch gemütlicher als in einem windumtosten Sessellift in Eiseskälte.

    Hans-Peter Sick, gms - Fotos: gms

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