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Per Kanu und zu Fuß durch Ontarios Naturparks

Stille in der Wildnis

Ontario

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Killarney/Honey Harbour - Langsam taucht Jason Ross sein Paddel ins Wasser, ruhig zieht er es am Kanu vorbei. Die Augen des 28-jährigen fixieren die Libellen, die am Uferrand schweben.

"Als ich klein war, hatte ich Angst vor ihnen", erzählt Jason, "doch heute sind sie meine besten Freunde - sie fressen die Mücken." Und von denen gibt es mehr als genug im Algonquin Provincial Park, einem der größten Naturparks in der kanadischen Provinz Ontario. Doch so lästig die kleinen Blutsauger auch sind - die Begeisterung der Besucher für die faszinierende Wildnis, die sie in Parks wie Algonquin, Killarney oder auf den Georgian Bay Islands erleben, können sie nicht mindern.

Algonquin ist eine Welt, wie Naturliebhaber sie sich wünschen: Dichte Ahorn- und Kiefernwälder, Moore und felsige Anhöhen bilden eine Landschaft, die von ungezählten Seen und Teichen sowie rund 1600 Kilometer Kanurouten durchzogen ist. Mehr als 3000 Elche, hunderte Wölfe und Schwarzbären leben in dem Schutzgebiet, in dessen Fläche Hamburg zehn Mal oder Thüringen fast zur Hälfte hineinpassen würde.

Nur eine Straße durchquert den Park. Hier konzentriert sich das Angebot für Tagesbesucher: Am Highway 60 finden sie Wanderstrecken mit Längen von 800 Metern bis 11 Kilometern und Seen zum Kanu fahren. Trotz des wenigen Autoverkehrs bilden sich auf dem Highway oft kleine Staus: Die Elche lieben es, aus den Gräben zu trinken - und bei jeder Sichtung holen viele Autofahrer sofort den Fotoapparat hervor.

Elche beobachten können Naturfreunde aber auch gut, wenn sie mit Führern wie Jason Ross für mehrere Tage tiefer in die unberührte Wildnis eindringen. Das Kanu muss unterwegs immer wieder getragen werden - "Portage" heißen diese Strecken zwischen den Seen, die kilometerlang sein können. "Am Tragen erkennt man den guten Kanuten", meint Jason, als er das 23 Kilogramm schwere Boot auf den Nacken nimmt. "Wer schnell trägt, setzt sich nur kurz den Mücken aus".

Zelte, Schlafsäcke, Proviant, Gaskocher - alles muss im Kanu mitgenommen werden. Nach ein paar Stunden ist das Ziel für die Nacht erreicht. Schnell sind am Ufer die Zelte aufgebaut. Jason schlägt sich derweil 300 Meter ins Unterholz und hängt den Proviantbeutel fast drei Meter hoch in einen Baum - so kommen die Bären nicht an die Steaks, Kartoffeln und Süßigkeiten heran. Als die Sonne versinkt, ist die Oberfläche des Sees spiegelglatt geworden. Nur das Knacken des Holzes im Lagerfeuer ist zu hören, gelegentlich das Quaken eines Ochsenfrosches - und ab und zu dringt das Surren der Mücken ans Ohr.

Ähnliche Erfahrungen können Naturliebhaber im Killarney Provincial Park sammeln, der weiter nordwestlich an der Georgian Bay liegt. Killarney ist viel kleiner, doch auch hier können sich Wanderer und Kanuten tagelang in die Wildnis verabschieden. Für den 100 Kilometer langen Rundwanderweg sind mindestens sieben Nächte zu veranschlagen.

Ausgangspunkt ist meist der George Lake, von dessen Ufer aus gut eine geologische Grenze zu erkennen ist. Nach Süden hin beherrscht von der letzten Eiszeit glatt gehobelter roter Granit die Klippen, während es nach Norden hin weißes Quarzgestein ist. Beides gehört zum "Kanadischen Schild", einer gewaltigen Felsplatte, die den Untergrund der gesamten Region bildet. Die Dramatik der Landschaft begeisterte die Maler der kanadischen "Group of Seven" so sehr, dass sie um 1930 regelmäßig hierher kamen, um die Szenerie in Gemälden festzuhalten.

INFO-KASTEN: Ontario

Ontario Tourism, Herzogspitalstraße 5, 80331 München (Tel.: 089/23 66 21 38, Fax: 089/260 40 09)
Internet:
http://www.ontariotravel.net
http://www.algonquinpark.on.ca
http://killarney.com
http://www.parkscanada.gc.ca/gbi

Der Hafen Killarney liegt etwas außerhalb des Parks und bietet alles, was Wildnis-Touristen benötigen: Münz-Wäscherei, Pommesbude, Gemischtwarenladen und eine Tankstelle für Schiffsdiesel. Rund drei Dutzend Boote haben an diesem Abend festgemacht - von Hochbetrieb keine Rede. Killarney bietet das, was viele Menschen im Urlaub suchen: Ruhe und das Gefühl, alles etwas langsamer angehen zu können.

Wer für solche Erlebnisse von Toronto aus nicht ganz so weit fahren möchte, wird auch weiter südlich an der Georgian Bay fündig. Die Stadt Midland und der Ort Honey Harbour sind die Tore zum Georgian Bay Islands Nationalpark. Von den 30 000 Inseln, die sich von hier bis weiter nördlich nach Parry Sound ziehen, stehen 59 unter dem besonderem Schutz der Regierung. "Anders als in den Provinzparks gibt es bei uns zum Beispiel viel weniger Mountainbikerouten und im Winter kaum Snowmobil-Strecken", erklärt Rangerin Lisa Ladd.

Honey Harbour liegt bereits nahe an der Region Muskoka, einem der beliebtesten Ausflugsziele für die Bewohner Torontos. Hier muss man nicht mehr - anders als in Algonquin oder Killarney - viele Kilometer laufen oder paddeln, um andere Menschen zu treffen. Das "richtige" Cottage an den Seen zu finden, ist für Fremde dennoch weder an Land noch aus der Luft einfach: "Es gibt hier so viele Wasserflächen, die man kaum auseinander halten kann", sagt John Bleasby, der von Orillia aus mit Wasserflugzeugen zu Rundflügen startet. Und sein Blick schweift aus der Maschine heraus über eine grüne Wildnis, die angefüllt ist mit Elchen, Mücken, Ahornbäumen und großer Stille.

Christian Röwekamp, dpa

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