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In Oregon entwickeln Europäer rasch Heimatgefühle:

Es grünt so grün...

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Oregon

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Das Staunen beginnt in Oregon schon bei den Grünstreifen der Highways. Gras fluoresziert hier im Nordwesten der USA so durchdringend, dass schnell antiamerikanische Verschwörungstheorien ins Kraut schießen:

Ist es US-Labors durch irgendwelche chemischen Tricks gelungen, Gras auf die Leuchtkraft von Textmarker oder mancher klebrig-künstlicher Süßigkeit zu bringen? Solches Farbenspiel kennt man nicht einmal von den saftigen Weiden des Alpenraumes.

Ob Sommer oder Winter: Es ist immer irgendwie grün

Doch Argwohn ist unangebracht. Oregon bildet zusammen mit dem nördlich benachbarten Bundesstaat Washington das Zentrum der amerikanischen Natur- und Outdoorbewegung. Hier trennt man seinen Müll und flüchtet sich am Wochenende, bewaffnet mit dem in Oregon konstruierten Leatherman-Mehrzweckmesser, in die Abgeschiedenheit der Berge, Wälder und Flüsse.

Die Vitalität des Grases, von der auch der volle Geschmack der heimischen Milch zeugt, hat eine ganz natürliche Ursache: das ebenso milde wie feuchte Klima an der Pazifikküste. Selbst Bäume, die im Winter ihre Blätter verlieren, tragen zum immergrünen Gesamteindruck des Bundesstaates bei. Ihnen lässt der Regen Zotteln aus Moos wachsen. Manchem Besucher außerhalb der sonnenreichen Sommermonate soll es beinahe ebenso ergangen sein.

Mit den Goldfunden kamen die Einwanderer

Oregon schloss sich den USA 1859 als 33. Bundesstaat an. Gut 50 Jahre vorher hatte sich die heute legendäre Lewis & Clark-Expedition im Auftrag der US-Regierung bis zur Mündung des Columbia River durchgeschlagen, um die Wildnis jenseits der damaligen Landesgrenzen auf ihre Bewohnbarkeit zu überprüfen.

Angelockt vom fruchtbaren Land, aber auch von Berichten über sagenhafte Goldfunde, kamen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts scharenweise Einwanderer über den so genannten Oregon Trail in den Nordwesten, darunter viele Deutsche. Noch heute stößt man allerorten auf Einheimische mit vertraut klingenden Namen, die sich über Smalltalk mit den entfernten Verwandten aus Übersee freuen - unabhängig vom aktuellen Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Natürliches Panorama in menschenleerer Gegend

Deutsche wie andere Mittel- und Nordeuropäer müssen in Oregon rasch Heimatgefühle entwickelt haben - und das nicht nur wegen des häufigen Regens. Die Landschaft zwischen der Küste und der Cascades-Bergkette trifft mit ihrem Wechsel aus sanft geschwungenen Wiesen und Wäldern, Bächen, Flüssen und Seen ungefähr die atmosphärische Mitte von Schweden, Schottland und der Schweiz.

In einem Punkt unterscheiden sich die Verhältnisse allerdings grundlegend: Auf der Fläche der alten Bundesrepublik leben in Oregon gerade etwas über drei Millionen Einwohner. Während sich in Deutschland kaum noch Panoramen ohne Strommast oder Windrad erhalten haben, begegnet einem die Natur in Oregon weithin ohne Anzeichen menschlicher Eingriffe.

600 Meter tiefer Vulkankrater

Besucher erfreuen sich darüber hinaus an einigen dramatischen Zuspitzungen: So liegen nur etwa 200 Kilometer zwischen der Pazifikküste mit ihren zum Teil bizarren Felsformationen und dem 3427 Meter hohen Mount Hood, der sogar im Sommer Skifahrerfreuden gewährt. Eine ähnlich aufragende Spitze muss vor etwa 7700 Jahren den Mount Mazama im Süden Oregons geziert haben. Dann wurde sie ihm bei einem gewaltigen Vulkanausbruch abgerissen. Der Krater ist heute mit Wasser gefüllt, das im blauen Spektrum über ähnliche Leuchtkraft verfügt wie das heimische Gras. Der 600 Meter tiefe Crater Lake gibt dem umgebenden Nationalpark seinen Namen, dem einzigen Oregons.

Einen grenzübergreifenden Superlativ haben die Fremdenverkehrsvertreter für den Multnomah-Wasserfall am Historic Columbia River Highway gesucht - und auch fast gefunden. Mit einer Spanne von 190 Metern soll es sich um den zweithöchsten "year-round waterfall" der USA handeln. Der Titel als meistbesuchte Touristenattraktion in Oregon ist dagegen von Einschränkungen frei.

Wale und Seelöwen machen Station an der Küste

Als Fun-Park wird eine andere natürliche Sehenswürdigkeit des Bundesstaates genutzt: die Oregon Dunes. Mit Todesverachtung rasen Motorrad- und Buggyfahrer - oft auch mit touristischer Fracht - die Sandberge herauf und herunter. Hier scheint die spaßorientierte Technikbegeisterung schließlich doch über die Liebe zur Natur zu obsiegen. Vergnügen macht die wilde Jagd allemal, auch wenn sich der Sand danach nicht mehr auf mechanischem Wege vom Körper lösen lässt.

Auch hinsichtlich der Fauna hat Oregon je nach Saison Spektakuläres zu bieten. Auf ihrem Weg von Mexiko in die Bering-See und zurück machen vor der Küste im Frühjahr und Winter Wale Station. Zahlreiche Beobachtungsboote mit Touristen heften sich auf ihre flüchtigen Spuren. Verlässlicher sind die Seelöwen des Sea Lion Caves, der angeblich weltgrößten Meereshöhle, am Highway 101 oberhalb des Städtchens Florence gelegen. Bis zu 250 Tiere reiben hier ihre massigen Leiber aneinander - und geben dazu Laute von sich, als hätten sie gerade eine der Bierspezialitäten Oregons genossen.

Weinanbau als Freizeitbeschäftigung

Bessere Manieren legen dank menschlicher Unterweisung die Seehunde des Oregon Coast Aquariums in Newport an den Tag - jedenfalls, wenn sie mit Heringen dafür belohnt werden. Der ehemalige Star des vor gut zehn Jahren eröffneten Aquariums ist allerdings inzwischen ausgezogen: Keiko, der nette Killerwal aus dem Film "Free Willy", fristet sein offenbar nicht rundum glückliches Dasein inzwischen in skandinavischen Gewässern. Statt seiner tummeln sich kleine Haie, Rochen und pittoreske Seepferdchen in den Becken.

INFO-KASTEN: Oregon

REISEZIEL: Der US-Bundesstaat Oregon liegt an der Pazifikküste der USA. Er zählt 3,37 Millionen Einwohner auf 251 180 Quadratkilometern und grenzt im Süden an Kalifornien, im Norden an Washington.
KLIMA und REISEZEIT: Im Westen jenseits der Cascades-Bergkette ist das Klima mild, aber außerhalb des Sommers auch regenreich. Im Osten herrschen extreme Temperaturunterschiede. Die beste Reisezeit ist von Mai bis Oktober.
ANREISE: Die Deutsche Lufthansa hat im Frühjahr einen täglichen Non-Stop-Flug von Frankfurt nach Portland ins Programm aufgenommen, die einzige Flugverbindung von Europa nach Oregon. Die Reisezeit verkürzt sich dadurch um etwa vier auf zehneinhalb Stunden.
EINREISE und FORMALITÄTEN: Deutschen Touristen genügt bei der Einreise ein Reisepass. Beim Sicherheitscheck am Flughafen von Portland müssen einige Unannehmlichkeiten in Kauf genommen werden.
WÄHRUNG: Der gestiegene Euro-Kurs hat Reisen in die USA günstiger gemacht. Derzeit notiert ein Euro bei 1,15 US-Dollar (Stand: Mai 2003).
UNTERKUNFT: Unterkünfte gibt es in Oregon in jeder Preislage. Für ein Zimmer in einem Mittelklasse-Hotel muss mit etwa 50 bis 70 Dollar gerechnet werden.

Informationen: Fremdenverkehrsamt von Oregon, Scheidswaldstraße 73, 60385 Frankfurt, Internet: traveloregon.de, E-Mail: info@traveloregon.de).

All diese Attraktionen können mit Gewinn abgearbeitet werden - aber sie müssen es nicht. Das eigentliche Erlebnis in Oregon bleibt der Reichtum der Landschaft, der sich, Umweltschutz hin oder her, am besten fahrenderweise ermessen lässt. Neidgefühle können im "Youngberg Hill"-Gasthaus auf halber Strecke zwischen Portland und Lincoln City aufkommen, das über einem lieblichen Panorama fern jedes Nachbarn thront - eine perfekte Idylle, die vom Gesang fremdländischer Vögel untermalt wird. Der noch junge Inhaber hatte nach zehn Jahren in einer Computerfirma seine Schäfchen im Trockenen und kann sich nun nebenher seinem Hobby Weinbau widmen.

Aber auch Bier steht hoch im Kurs

So wie er halten es viele Vermögende in Oregon. Da ist der ehemalige Flugzeug-Zulieferer aus Kansas, der sich ein schlossartiges Weingut auf einen Hügel nahe Eugene hat setzen lassen, oder der ehemalige Vice-President von Sun Microsystems, der seine technischen Kenntnisse nun in die Entwicklung einer eigenen Weinpresse steckt. Wein wird auf dem teils sandigen, teils vulkanischen Boden Oregons erst seit etwa vier Jahrzehnten kultiviert - mit stetig wachsendem Erfolg, vor allem seit man eingesehen hat, dass der Markt für Chardonnay den Kaliforniern nicht streitig zu machen ist. Stattdessen setzen die Winzer Oregons auf Pinot Noir und Pinot Gris.

In Portland, der einzigen Metropole Oregons, ist man Genüssen ebenfalls nicht abgeneigt, wobei unter den Getränken auch Bier hoch im Kurs steht. Es wird in knapp 30 Kleinbrauereien produziert und hält für deutsche Zungen, an Reinheitsgebote gewöhnt, manche dunkle Überraschung bereit.

Mahnwachen vor dem "Bagdad"-Kino

So wie in der Landschaft Oregons herrscht auch im Stadtbild Portlands europäisches Maß: Die Skyline verdient diesen Namen nur bei tief hängenden Wolken, die Häuserblocks sind mit rund 70 Metern nur halb so hoch wie in anderen amerikanischen Großstädten. Zudem wird das Häusermeer immer wieder von Grün durchbrochen: angefangen vom International Rose Test Garden mit seinen 9000 Rosenbüschen über einen Japanischen Garten bis hin zum Forest Park, einem urbanen Urwald.

Eher unterentwickelt ist in Portland dagegen der demonstrative Patriotismus: US-Flaggen an Autoantennen haben Seltenheitswert - die meisten europäischen Besucher werden es mit Beruhigung vermerken. Der Friedensbewegung bot sich während des Irak-Krieges eine besondere Anlaufstelle: ein heute als Kino genutztes Theater aus den zwanziger Jahren, das wegen seines orientalischen Dekors ausgerechnet den Namen Bagdad trägt. Einige Unentwegte hielten vor dem Gebäude bis zum Ende des Krieges Mahnwachen ab. In dem Bezirk rund um das Bagdad erzielte der Kandidat der Alternativen bei der vorigen Präsidentenwahl, Ralph Nader, fast ein Fünftel der Stimmen - Oregon ist eben in mancherlei Hinsicht grüner als der Rest der USA.

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