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Bocas del Toro in Panama

Unterwegs in einer "Bananenrepublik"

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PANAMA

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  • Sie heißen "Deutschland", "Frankreich" oder "Belgien", und fast täglich geht einer von ihnen auf die Reise, voll beladen mit noch grüner Fracht.

    Einst legten die Bananendampfer auf ihrer weiten Reise von Panama nach Europa auch auf der Isla Colon an, der Hauptinsel des Bocas del Toro-Archipels im äußersten Nordwesten Panamas. Damals wuchsen auch dort Bananen und brachten vorübergehend Wohlstand. Doch dann ließ ein Virus die Bananenpflanzen sterben. Mit den Bananen verschwanden auch die Plantagenbesitzer und ihr Geld - meist zurück in die USA, von wo aus noch heute fast das gesamte Geschäft mit den gelben Früchten in dieser Region gemanagt wird.

    "Bananen?" fragt John, der in einer Tauchschule in der Provinzhauptstadt Bocas auf der Isla Colon arbeitet. "Bananen bekommst Du hier nirgendwo. Die sind viel zu teuer, kann sich keiner von uns leisten." Auf stundenlangen monotonen Fahrten durch scheinbar endlose Bananenplantagen auf dem Festland im Norden Panamas ist zwar auch heute noch überall zu sehen, woher der Begriff "Bananenrepublik" stammt, doch werden die krummen Früchte nur für den Export angebaut.

    Wassertaxis statt großer Dampfer

    Bocas heute, das sind eine Hauptstraße, ein paar davon abzweigende Schotterwege und der zentrale Platz vor dem Rathaus - zu Fuß ist der Ort schnell zu erkunden. Halb zerfallen die einen, nur noch vom Anstrich in karibischem Türkis, Rosa oder Hellblau zusammengehalten die anderen, säumen nach wie vor Holzhäuser mit Veranden die Straßen des Ortes und rufen Erinnerungen an die Südstaaten der USA hervor - auch das gehört zum Erbe, das die Bananenkonzerne hier hinterließen.

    Wer unter den insgesamt knapp 10 000 Einheimischen des gesamten Archipels ein paar Dollar übrig hat, der malt, sägt oder hämmert: Bocas del Toro bereitet sich vor auf Besucher von außerhalb, die für ähnlichen Wohlstand sorgen sollen wie einst die Bananen. Wo früher die großen Dampfer anlegten, landen heute Wassertaxis, die nicht nur für die Einheimischen, sondern auch für die meisten Touristen das wichtigste Transportmittel auf dem Weg vom Festland und zwischen den verschiedenen Inseln sind.

    Aus "United Fruit Company" wird "Hotel Bahia"

    Um das Jahr 1880 hatten große US-amerikanische Unternehmen auf einigen Inseln des Archipels mit dem Anbau von Bananen begonnen. Bocas del Toro blühte als wirtschaftliches und politisches Zentrum der Region auf, den Plantagenherren folgten Händler und andere Geschäftsleute. Eine Firma nach der anderen baute ansehnliche Wohn- und Verwaltungsgebäude - so auch die "United Fruit Company", die das größte Gebäude am Platz errichtete, das am Beginn der Hauptstraße liegend bis heute den gesamten Ort überragt.

    Nachdem bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine so genannte Bananenpest die Anpflanzungen vernichtet hatte, wurde aus dem einstigen Hauptquartier des Bananenkonzerns das "Hotel Bahia". Wie ein gewaltiger Ozeandampfer leuchtet es mit seinem roten Dach, dem türkisen Anstrich und seiner gewaltigen, schiffsdeck-großen Veranda weithin sichtbar über das Meer. Von der Veranda des Hotels aus fällt der Blick hinüber auf die Nachbarinseln Solarte und Bastimentos, die "Proviantinsel", wie Christoph Columbus sie wegen ihres großen Tierbestandes taufte, als er 1502 hier landete.

    "La boca del toro" - "Maul des Stieres"

    INFO-KASTEN: PANAMA

    ARGE Lateinamerika, Bornstraße 2, 56412 Niedererbach, Tel.: 06485/40 44, Fax: 06485/40 43

    Der Legende nach soll nicht nur die Isla Bastimentos, sondern die gesamte Provinz Columbus ihren Namen verdanken. Als er im Zuge seiner Reisen durch das Archipel segelte, soll er an der Küste eine Felsformationen gesichtet haben, die einem liegenden Stier glich, an dem sich die Wellen brachen. "La boca del toro" - zu Deutsch: "Maul des Stieres" - soll Kolumbus angesichts dieses Bildes gerufen haben.

    Die Unterwasserwelt ist eine der Hauptattraktionen der Inseln - auch wenn die von den Bananenplantagen ins Meer gespülten Pestizide und Dünger ihre Spuren hinterlassen und besonders den empfindlichen Korallen geschadet haben. Im "Coral Cay", der Korallenbucht im Südosten des Archipels, sind es aber auch die zahlreichen Besucher, die der Meeresflora und -fauna zusetzen.

    Schwimmende Schwärme von Fischen und Urlaubern

    In der Lagune hat sich zwischen Mangrovenwäldern eine kleine Siedlung aus Pfahlbauten gebildet: ein Restaurant, ein Kiosk, eine Tankstelle für die Taxiboote. Nicht nur die Rucksacktouristen, sondern auch Studienreiseveranstalter haben den idyllischen Fleck als Ziel entdeckt und lassen ihre Kunden hier einen Stopp zum Essen und Schnorcheln einlegen. So schwimmen neben Schwärmen tropisch-bunter Fische zwischen den Stegen fast ebenso viele Urlauber.

    Doch ein derartiger Auftrieb ist die Ausnahme im Bocas-Archipel. Noch finden sich zahlreiche Strände und Stege, an denen man ganz alleine liegen und von dort aus in aller Ruhe im flachen, klaren Wasser Fische, Krebse und Seesterne beobachten kann. Und weit entfernt zeichnet sich am Horizont ein großes Schiff ab - vielleicht ist es die "Deutschland", die "Frankreich" oder die "Belgien".

    Sandra Hoffmann, gms - Fotos:gms

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