[an error occurred while processing this directive]

Neue Tipps/Touren

Reise-Galerie

Weltkarte


Die Spuren von Malern rund um Paris

Seerosen, Absinth und ein Zyklop

Anklicken zum Vergrößern

Paris

Foto-Show Infos/Tipps

Giverny/Barbizon - Unten im Tal fließt die Epte in die von Pappeln gesäumte Seine. Am Hang liegen das Dorf Giverny und das von Claude Monet geschaffene Paradies - der Garten, den der Meister des Impressionismus ebenso liebevoll wie fachmännisch angelegt hat.

Er zieht Jahr für Jahr mehr als eine halbe Million Blumen- und Kunstfreunde an. Wer in Giverny ankommt, kennt die Gartenpracht meist schon: In 500 Bildern hat Monet (1840 bis 1926) verewigt, was er hier, etwa 50 Kilometer nordwestlich von Paris, erblühen ließ.

"Wie kann man nur in Paris leben?", hat der Maler einmal gefragt. "Es ist die Hölle. Ich ziehe meine Blumen an diesem Hügel der Seine vor." Zwar hatten Finanzengpässe ihn dazu getrieben, eine Bleibe zu suchen, die nicht so sündteuer sein durfte wie die Bürgerhäuser in der Metropole. Monet machte aus der Not aber eine Tugend: In Giverny wollte er als "Natur-Gestalter" wirken. Und hier sollten auch jene Seerosen-Bilder entstehen, die mittlerweile zu den bekanntesten Kunstwerken der Welt zählen. Der Garten wird weiter in seinem Sinne gehegt.

Flieder und Sonnenblumen, Kletterrosen und Kapuzinerkresse

Was mit Dahlien, Gladiolen und Stockmalven begann und flankiert wurde von Flieder und Sonnenblumen, Kletterrosen und Kapuzinerkresse, das sollte schon bald zu einem Bruch mit der auf Ordnung im Beet dringenden Gartenkultur führen. Monet ließ sich exotische Pflanzen kommen und legte - jetzt finanziell besser gepolstert - den Teich mit der japanischen Brücke, der Trauerweide und dem Bambusdickicht an. Sorgfältig achtete er auch auf Farbstimmungen und Jahreszeiten.

Monet war nicht der einzige Maler, den es damals wie später vor die Tore der hektischen Weltstadt trieb. Manche gestalteten Kapellen auf der Ile-de-France aus, dieser geschichtsträchtigen Gegend rund um die Hauptstadt. Oder sie setzten Skulpturen in die unberührte Natur. Dort gab es noch die Motive und auch die Atmosphäre, die Paris nicht zu bieten hatte. Und dort ließ sich die Natur einbinden in künstlerische Inszenierungen, die auch die Nachwelt noch bewundert.

Wo Vincent van Gogh seinen Absinth schlürfe

Mit Sonnenblumen hatte Vincent van Gogh schon nichts mehr am Hut, als er 1890 ausgebrannt in dem Dorf Auvers an der Oise ankam. Doch was für eine Schaffenskraft konnte der Niederländer in den letzten 70 Tagen vor seinem dramatischen Ende hier noch entfalten: Im Schnitt ein Bild pro Tag malte er, bevor er Hand an sich legte. Überall im Ort sind seine Spuren noch allgegenwärtig. Das Zimmer, in dem der Maler starb, nachdem er sich eine Kugel in die Brust geschossen hatte, ist ebenso zu sehen wie die "Auberge Ravoux". Sie ist noch so ausgestattet, als schlürfe van Gogh hier gerade seinen Absinth.

Van Gogh ruht auf dem oberhalb des Dorfes gelegenen Friedhof neben seinem Bruder Theo. In einem kleinen Museum in Auvers-sur-Oise kann jeder nachvollziehen, was wohl zu seinem Lebensende beigetragen hat: Das "Musée de l'Absinthe" ist jenem Alkoholgebräu gewidmet, das als "Grüne Fee" etliche Künstler inspirierte - und einige ruinierte.

Quer durch den Wald von Fontainebleau

INFO-KASTEN: Paris

Maison de la France, Westendstraße 47, 60325 Frankfurt (Service-Tel.: 0190/57 00 25 für 62 Cent pro Minute, Fax: 069/74 55 56)
Internet: http://www.franceguide.com
Office de Tourisme de Paris, 127 Avenue des Champs-Elysées (Tel. von Deutschland: 0033/1/49 52 53 54)
Comité régional de Tourisme d'Ile-de-France, 26 Avenue de l'Opéra, 75001 Paris (Tel. von Deutschland: 0033/1/42 60 28 62)

Das hochprozentige Wermut-Getränk wurde damals sicherlich auch in den Schenken von Moret-sur-Loing südlich von Paris in die Gläser gefüllt. Hier hat der Impressionist Alfred Sisley 20 Jahre lang in Öl gemalt, was aus der Vielfalt der Natur und mittelalterlicher Motive lohnend erschien. Von diesem Ort aus führt der Weg quer durch den Wald von Fontainebleau zur Kunstattraktion Barbizon - denn vor Monet und den Impressionisten hatten schon andere Maler die Vorzüge der Natur außerhalb von Paris entdeckt.

Jean-François Millet und Camille Corot pilgerten Mitte des 19. Jahrhunderts von Barbizon aus mit Pinsel und Staffelei in eine Landschaft aus Felsen und Bäumen. Dass man in dem Nest billig leben und prima malen konnte, sprach sich herum - das Künstlerparadies Barbizon war geboren. Einige Galerien versuchen heute, in dem Sog der "Schule von Barbizon" nicht nur gefällige Bilder vom Dorf oder der Landschaft zu verkaufen. Zeitgenössische Kunst ist ebenfalls präsent.

Gewaltiges Monstrum: Ein gigantischer eiserner Zyklop

Eine Viertelstunde mit dem Auto von Barbizon entfernt findet sich der Reisende in Milly-la-Fôret wieder. Dort ist in der Kapelle Saint-Blaise-des-Simples Jean Cocteau bestattet, dessen Kunst auch das Kirchlein prägt. Der 1963 gestorbene Schriftsteller, Maler und Filmregisseur hat die Kapelle elegant ausgestaltet. Fallen die Sonnenstrahlen durch Cocteaus feine Glasfenster, dann bietet sich auf dem Kapellenboden ein anmutiges bläulich-grünes Farbenspiel.

Ein gewaltiges Monstrum setzt den Schlussakkord: Wenige Kilometer von Cocteaus Ort der Beschaulichkeit entfernt kommt beim Gang durch den Eichenwald ein gigantischer eiserner Zyklop zum Vorschein. Zwei Jahrzehnte lang haben der Schweizer Bildhauer Jean Tinguely und seine Partnerin Niki de Saint-Phalle an dem 23 Meter hohen Ungetüm gearbeitet. 300 Tonnen Stahl, tausende Spiegel und Accessoires bilden ein verblüffendes, kurioses Räderwerk.

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa - Fotos: gms

IVWPixel Zählpixel

Zuletzt geändert von tea