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Eiffelturm in Paris:

Von "tragischer Straßenlaterne" zum Wahrzeichen

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Paris

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Paris - Ganz oben, in 324 Metern Höhe, kann es heftig und kalt winden, während im Erdgeschoss nur ein laues Lüftchen durch das Geflecht der Eisenträger streicht. Bei Regenwetter verschwindet die Spitze in den Wolken, nachts kommt durch die Beleuchtung die Filigranarbeit der Struktur so richtig zur Geltung. Der Eiffelturm, Wahrzeichen von Paris, zeigt sich Touristen von verschiedenen Seiten.

Mit mehr als sechs Millionen Besuchern pro Jahr ist das Werk des Ingenieurs Gustave Eiffel (1832 bis 1923) seit Jahren in Paris Touristenziel Nummer Eins. Der Blick von oben erleichtert die Orientierung für die spätere Erkundung von Louvre und Montmartre, Triumph-Bogen und das Büro-Viertel La Défense, Pantheon, Notre Dame und die Place de la Concorde.

Das Symbol der Hauptstadt zwischen Trocadero und Marsfeld ist in diesen Monaten zum Teil durch Planen und Sicherungsnetze zugedeckt. Vor Blicken versteckt klettern Malermeister mit Bergsteiger-Training über die Gerüste. Sie geben dem Eiffelturm einen neuen Anstrich, den 18. seit seiner Einweihung zur Weltausstellung 1889. Die gewaltige Arbeit, 200 000 Quadratmeter Fläche der Eisenträger mit 60 Tonnen Spezialfarbe vor Rostfraß zu schützen, dauert 15 Monate und soll im März 2003 beendet sein.

In den vergangenen 100 Jahre wurde der Anstrich mehrfach gewechselt

Der Stadt Paris bringt das Bauwerk jedes Jahr 5,3 Millionen Euro ein. Geduldig warten die Besucher stundenlang auf einen Fahrstuhl, wobei die Warteschlangen vor den Eingängen sich häufig über das gesamte Areal zwischen den vier schmiedeeisernen Beinen winden. Dazwischen drängen sich indische und afrikanische Händler, die kleine silber- und goldfarbene Turm-Modelle, Schlüsselanhänger, Feuerzeuge und Kugelschreiber zum Verkauf anbieten.

Nur dem aufmerksamen Beobachter fällt auf, dass die Farbe "Eiffelturm-Braun" von oben nach unten in drei Schattierungen von hell nach dunkel abgestuft ist - dadurch soll Leichtigkeit vermittelt werden. Im Verlauf der vergangenen 100 Jahre wurde der Anstrich mehrfach gewechselt: von "Venedig-Rot" 1899 über "Gelb-Orange" bis zum heutigen abgestuften Braunton. Nach Abschluss der jetzigen Streich-Aktion sollen die Blinkleuchten wieder angebracht werden, die beim Wechsel zum Jahr 2000 das "große A" in einen lichtfunkelnden Diamanten verwandelten.

"Blick auf den Eiffelturm"

Nächtliche Spaziergänge am gegenüberliegenden Seine-Ufer zur Weihnachts- und Neujahrszeit werden durch diese besondere Beleuchtung zu einem Erlebnis. Neben der Ästhetik der Eisenstruktur bringt der Turm auch einen konkreten materiellen Wert: Bei Immobilien treibt der Satz "Blick auf den Eiffelturm" heute den Miet- oder Kaufpreis in die Höhe. Das war einmal anders: Betuchte Anwohner am Marsfeld hatten mit Klagen gegen die "unerträgliche Sichtbehinderung durch den Eisenturm" den Baubeginn verzögert und Eiffel zur Verzweiflung getrieben.

Der Ingenieur, dessen Vorfahren Bonickhausen hießen und aus der Eifel bei Köln nach Frankreich ausgewandert waren, musste schlimmste Anfeindungen abwehren. Eiffel wurde sogar als "jüdischer Spion im Sold Preussens" beschimpft. 1879 genehmigte ihm schließlich das Justizministerium die Streichung seines Namens Bonickhausen, der bis dahin noch in amtlichen Unterlagen aufgeführt wurde.

"Anziehungskraft des Kolossalen"

Die ursprüngliche Idee für den Turm stammt von dem 28-jährigen Elsässer Maurice Koechlin, der das Polytechnicum in Zürich als Klassenbester verlassen hatte und in Eiffels Ingenieur-Büro angestellt war. Eiffels Verdienst war es, mit diplomatischem Geschick und Beharrlichkeit den Bau gegen Widerstände und Konkurrenzprojekte durchzusetzen. Auch ein anderer Kolossal-Bauer hat damals Eiffels Hilfe beansprucht - für die Freiheitsstatue von Auguste Bartholdi, die Frankreich 1885 den USA zum 100. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit schenkte, hat Eiffel die Innenstruktur konzipiert.

Mit dem Argument der "Anziehungskraft des Kolossalen" hatte er Kritiker in ihre Schranken gewiesen. "Der Turm ist das höchste jemals von Menschen errichtete Bauwerk und wird ebenso grandios wirken wie die Pyramiden", schrieb Eiffel in Antwort auf einen offenen Brief empörter Künstler, Dichter und Denker, die 1887 das Projekt als "tragische Straßenlaterne" und "Geschmacklosigkeit, die nicht einmal das kommerzielle Amerika ertragen würde" abqualifizierten.

1665 Stufen bis zur Spitze

Zur damaligen Zeit war der Kölner Dom mit 156 Metern höchstes Bauwerk Europas. Bis 1930 blieb der Höhen-Rekord in Paris, dann wurde er vom Chrysler-Turm in New York übernommen. Eigentlich sollte der Eiffelturm nur für die Dauer der Weltausstellung stehen bleiben. Als 1909 der Abriss drohte, rettete ihn seine Höhe, weil sie die ersten transatlantischen Funkverbindungen des 20. Jahrhunderts ermöglichte.

Bis zur Spitze führen über den Nordpfeiler 1665 Stufen hoch - doch bis ganz oben kommt man "aus Sicherheitsgründen" nur mit einer Sondergenehmigung. Wer Treppen steigen will, darf dies bis zur zweiten Etage tun.

Petra Klingbeil, dpa

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