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Paris auf "großen Wanderwegen"

Zu Fuß durch den Dschungel der Weltstadt

Paris zu Fuß

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Paris - Die "Große Wanderung" durch den Dschungel der Weltstadt beginnt an einem Kunstwerk, in dem täglich Tausende auf dem Weg zu ihrem Job verschwinden. Die Porte Dauphine im Nordwesten von Paris ist einer der letzten fein verzierten Metro-Eingänge des Art-Déco-Architekten Hector Guimard.

Die eilige Menge strebt nach dem Motto "Métro-boulot-dodo" ("Metro, Arbeit, Schlaf") in den Gezeiten der Metropole ins Büro und abends zurück in die eigenen vier Wände. Sie nimmt die Jugendstil-Kunst meistens nicht wahr. An diesem Morgen schicken frühe Sonnenstrahlen ein warmes Licht durch das Glasdach.

Dörfliches Treiben mitten in der Metropole

Der Bois de Boulogne ein paar Schritte weiter gehört zu dieser Stunde nicht nur verschlafenen Hundebesitzern. Gerade bereitet eine alte Dame das Frühstück für die Enten vor. Angler packen am Unteren See in aller Ruhe ihre Ruten und einige Köder aus. Der grau melierte Mann, der gerade sein teures Modellschiff aus dem Kofferraum holt, ist schon lange auf den Beinen und genießt die Ruhe am See. Über den hohen Eichenwipfeln ragt derweil nur einer heraus: der Eiffelturm.

Das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt dient denen als Kompass und Wegweiser, die auf Schusters Rappen Paris erobern und entdecken wollen. Die grüne Lunge der Seine-Stadt ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Wanderung von West nach Ost. All das weniger Bekannte - versteckte Hinterhöfe, urbane Oasen zum Ausruhen sowie ein fast dörfliches Treiben mitten im Gewusel der Metropole - erwarten den ausdauernden Spaziergänger. "Große Wanderwege" (Grandes Randonnées) durchziehen Frankreich - und zwei solcher GR gibt es zur Überraschung nicht fußfauler Spaziergänger auch in Paris.

Festes Schuhwerk tut gut

Gelb-rot markiert leitet die erste "Grande Randonnée" von der Porte Dauphine im Westen auf einem 19 Kilometer langen Parcours zur Porte de Charenton, also bis zu dem anderen großen Wald, dem Bois de Vincennes im Osten. Die Strecke ist eine Chance, das feste Schuhwerk auszupacken und an einem Tag zu erfassen, wie überschaubar Paris tatsächlich ist - und wie vielfältig.

Japanische Touristen mit Baguette und Camembert beobachten

Im bürgerlichen Passy-Viertel führt der Wanderweg zuerst in den Ranelagh-Garten und durch einige enge Gassen an einem Weinmuseum vorbei zur Seine. Auf der anderen Uferseite, der Rive Gauche, ist Frühjahrsputz auf den Hausbooten des "Port autonome" angesagt. Blumen werden in Kübel gepflanzt, das schmucke Eigenheim auf dem Wasser erhält einen neuen Anstrich. Baguette und Vichy-Flasche unter dem Arm, den Camembert in der Tasche, besetzen japanische Touristen "auf französische Art" im Schatten des Eiffelturms die Bänke am Fluss.

Doch Achtung: Der bewundernde Blick nach oben auf das Fassadenende der gutbürgerlichen Häuser aus dem 19. Jahrhundert darf nicht dazu verleiten, das Trottoir aus dem Auge zu verlieren. Bertrand Delanoë, der Pariser Bürgermeister, hat den Kampf gegen die Berge von Hundekot noch lange nicht gewonnen. Derweil bieten die Porträtzeichner auf dem Champ de Mars bereits ihre Dienste an, ebenso fliegende Händler mit billigen T-Shirts und Kitsch-Eiffeltürmen als Schlüsselanhänger. Der Invalidendom glänzt im vormittäglichen Licht.

Ein Ort wie aus dem Bilderbuch

Im Herzen des 7. Arrondissements überrascht das Vorstadt-Ambiente mit verlassenen Straßen, ein paar kleinen Läden, Blumentöpfen vor dem Haus und streunenden Hunden. Sind wir noch in Paris oder schon in der Provinz angekommen?, fragt sich der Spaziergänger. Diese Frage wird noch häufiger an diesem Tag aufkommen. Zur Pause mit einem Café Crême unter der Platane eines der zahllosen kleinen Plätze schallt die Trompete von Miles Davis aus dem Bar-Lautsprecher.

Nächste Station ist der Jardin du Luxembourg. Dieser Gartenpark ist ein Ort wie aus dem Bilderbuch, Schauplatz der Geschichte, der Literatur und des Films. Ein paar Jungen lassen Schiffchen fahren, Leseratten und Verliebte haben es sich auf Stühlen bequem gemacht. Die Hälfte des Weges ist geschafft, und wen nicht Blasen an den Füßen quälen, der kann sich auf ein Berthillon-Eis an der belebten Place de la Contrescarpe freuen, nahe den Resten der römischen Lutetia-Arena. Sorbonne-Universität und Panthéon liegen hinter den Wanderern. Den zweiten "Großen Wanderweg", der durch Paris von Nord nach Süd verläuft, haben sie gekreuzt wie weitreisende Seefahrer den Äquator.

Wandern durch Jahrhunderte, Volksgruppen und Architekturen

Längst ist der östliche Teil der Stadt erreicht. Er bietet den attraktiven Jardin des Plantes mit seinen Treibhäusern und exotischen Pflanzen, aber auch die Salpêtrière, die frühere Schießpulverfabrik, die Sonnenkönig Louis XIV. zum Krankenhaus und Seniorenheim für Arme machte. Es ist wie ein Hangeln von Oase zu Oase - immer wieder laden winzige Parks und versteckte Plätze mit schattigen Kastanien und einem Bistro zum Verweilen ein. Der Wanderer überquert die sich durch Paris schlängelnde Seine von neuem, kommt in Bercy wieder am rechten Ufer an, mustert die schicken Boutiquen in der Cour Saint-Emilion und erreicht abends voller Eindrücke den Bois de Vincennes am Ostrand.

Wer Paris durchwandert, begegnet grundverschiedenen Jahrhunderten, Volksgruppen, Architekturen und Stimmungen. Die Vielfalt in den Stadtbezirken, die einst Dörfer auf den Hügeln vor den Toren von Paris waren, fällt auf dem zweiten "Großen Wanderweg" von der Porte de la Villette im Norden südwärts zum Park Montsouris auf. Die Palette der Impressionen auf dem 20-Kilometer-Weg schließt gleich zu Beginn die einer stürmischen technischen Entwicklung ein: Wo vor nicht allzu langer Zeit noch jene Schlachthöfe und Viehmärkte waren, die Emile Zola in düsteren sozialkritischen Romanen beschrieben hat, steht der moderne Villette-Park "der Urbanität des 21. Jahrhunderts".

Paradies für Jogger, Freizeitmusiker und Sonntags-Picknicker

Dieses Wissenschaftsgelände im Grünen ist ein Paradies für Jogger, Freizeitmusiker und Freunde eines sonntäglichen Picknicks. Hier geht es jedoch weniger gesetzt-bürgerlich zu als im Bois de Boulogne. Der Cool Jazz aus der Trompete eines Musikers ist südlich gefärbt.

Träge plätschert irgendwo Wasser - im Villette-Park kündigt sich Wasser als ein Leitmotiv für die komplette Wanderung an. Boote fahren auf dem Canal de l'Ourcq, der Teich im Park Buttes-Chaumont umschließt ein Inselchen mit einem hoch gelegenen Tempel, und der Kanal Saint-Martin mit seinen Brücken und Schleusen ist nicht mehr weit. Der Wanderer merkt: Durch Paris fließt nicht nur die Seine.

Auf Märkten der Chinesen, Nordafrikaner und Juden stöbern

Infokasten: Paris

REISEZIEL: Frankreichs Hauptstadt Paris liegt im Norden des Landes.

ANREISE UND FORMALITÄTEN: Paris ist von Deutschland aus leicht zu erreichen - mit dem Flugzeug von verschiedenen Städten aus, mit dem Reisebus, dem Auto und nicht zuletzt mit der Eisenbahn. Auch in Zeiten offener Grenzen sollte der Reisepass im Gepäck sein.

WÄHRUNG: In Frankreich wird mit Euro bezahlt. Kreditkarten werden in Paris weit öfter akzeptiert als in Deutschland.

SPRACHE: Französisch.

REISEZEIT UND KLIMA: Herbst und Winter können in Paris, das etwa auf der Höhe von Stuttgart liegt, regnerisch und ungemütlich sein.

UNTERKUNFT: In Paris gibt es Pensionen und Hotels aller Klassen und Preislagen. Besonders bei preisgünstig erscheinenden Zimmern sollte man sich - wie überall auf der Welt - die Unterkunft vorher etwas genauer ansehen.

INFORMATIONEN: Der Führer zu den Wanderungen der Fédération Française de la Randonnée Pédestre (FFRP) ist unter dem Titel "Paris à pied" in der Reihe "GR de Pays" (Nummer 75, 14,95 Euro) erschienen (FFRP, 14 rue Riquet, 75019 Paris (Tel. von Deutschland: 0033/1/44 89 93 90, Internet: http://www.ffrp.asso.fr ). Weitere Auskünfte erteilen: Office de Tourisme de Paris, 127 Avenue des Champs-Elysées (Tel. von Deutschland: 0033/1/49 52 53 54); Maison de la France, Westendstraße 47, 60325 Frankfurt (Tel.: 0190/51 00 25, Fax: 0190/59 90 61 für 62 Cent pro Minute, Internet: http://www.franceguide.com ).

Auf der Belleville-Anhöhe östlich des Buttes-Chaumont-Parks tritt eine besonders kleinstädtische Welt mit Sträßchen und Kopfsteinpflaster zu Tage. An einer Kirche, die dem Heiligen Franz von Assisi gewidmet ist, ducken sich Häuser aus dem 19. Jahrhundert mit Trompetenblumen, Glyzinen oder Feigenbäumen in ihren Vorgärten. Kein Auto weit und breit in den verträumt-einsamen Gassen, die Villa de Fontenay und Villa de Cronstadt heißen und nachts von hübschen Laternen beschienen werden. Auf der steilen Butte Saint-Chaumont ein paar Schritte weiter das gleiche Bild, die alte Frage - ist dies die Weltstadt mit Louvre, Nôtre-Dame und Place de la Concorde? Beruhigend wirkt es, wenigstens Eiffelturm und Sacré-Coeur am Horizont zu sehen.

Chinesen, Nordafrikaner und Juden haben im Pariser Osten, durch den der Nord-Süd-Wanderweg vorwiegend führt, ihre Viertel mit Märkten und Geschäften. Der Weg nach Süden streift im Marais - immer noch bei Flaneuren sehr beliebt - das Carnavalet-Museum und das Musée Picasso. Noch vor der Seine hat also das "Paris der Touristen" den Wanderer wieder. Halbzeit ist auf der geschichtsträchtigen Ile-Saint-Louis, mitten im Strom gelegen wie ein stolzes Passagierschiff verflossener Grandeur. Bouquinisten verscherbeln immer noch Bücher, und manchmal findet sich beim Stöbern das, was man schon lange gesucht hat. Nach dem quirligen Saint-Germain kreuzen sich dann im Quartier Latin die beiden "Grandes Randonnées". Ist nicht längst ein Aperitif fällig?

Am Knast für die "Politischen" vorbei

Vor dem "Zapfenstreich" der Wanderung im belebten südlichen Parc Montsouris ist aber noch ein Abstecher zu der alten Künstlerkolonie "Cité des Artistes" mit 29 Ateliers angesagt - Modigliani, Picasso und Gauguin hatten sich hier zeitweise einquartiert. In der Nähe liegt auch das berüchtigte Santé-Gefängnis, in dem die "Politischen" komfortabel untergebracht werden: Ex-Außenminister Roland Dumas und ein Sohn von Präsident François Mitterrand saßen im Santé in U-Haft.

Dort enden, wo einst Lumpensammler wohnten

Der Wanderweg führt kreuz und quer durch die bis 1860 unabhängige Vorstadtgemeinde Gentilly und ihre "Butte aux cailles". Der Charme der einfachen Häuser und Krämerläden lässt vergessen, dass dies einst die Hochburg der "Chiffoniers" war, der bettelarmen Lumpensammler. Die Endstation, der weitläufige Parc Montsouris als letzte Oase, ist nahe, die Weltstadt letztlich doch klein. Man erobert sie per pedes.

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa - Foto: Hanns-Jochen Kaffsack/Maison de la France/dpa/gms

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