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Viel zu sehen am "Ende der Welt"

Goldrausch, Gefangene und guter Cappucino

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Perth

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Fremantle - Perth in West-Australien wird häufig als eine der isoliertesten Metropolen der Erde bezeichnet. Adelaide als nächst gelegene Millionenstadt ist 2750 Kilometer entfernt. Das entspricht der Luftlinie von Lissabon bis Warschau - und entlang des Weges nach Adelaide liegt vor allem Wüstensand. Dennoch: Das Gefühl, sich "am Ende der Welt" aufzuhalten, kommt in Perth nicht gerade auf.

Im Gegenteil: Vor allem in Fremantle, dem Hafenvorort an der Mündung des Swan River in den Indischen Ozean, tobt jeden Abend das Leben. Die fast mediterrane Atmosphäre an der Restaurantmeile South Terrace und nicht zuletzt die gut erhaltene und restaurierte Architektur des 19. Jahrhunderts sorgen in Fremantle für ein ganz besonderes Flair.

Eher selten: Alles passt zusammen

Egal, ob an der High Street, der Market Street oder der auch als "Cappuccino Strip" bezeichneten South Terrace: Mit ihren schmucken Fassaden und den schmiedeeisernen Balkon-Balustraden ergeben die zwei- bis dreigeschossigen Cafés und Geschäfte im Stadtzentrum ein stimmiges Gesamtbild - in Australien keine Selbstverständlichkeit.

Generalüberholung für die Weltöffentlichkeit

Auch in Fremantle war das nicht immer so. Die Schönheitskur in den achtziger Jahren erfolgte nach einem Sieg der Australier im Segelwettbewerb America's Cup. "Freo", wie die Einheimischen den Ort nennen, stand damit als Austragungsort der Regatta 1987 fest. "Und natürlich wollte jeder hier die Stadt für die Weltöffentlichkeit im besten Licht präsentieren", erinnert sich Peter Donovan, der an der Mouat Street die Frühstückspension "Tarantella B&B" betreibt.

"Wildester Nachtclub der südlichen Halbkugel"

Das im Jahr 1903 gebaute "Tarantella B&B" ist gerade für deutsche Touristen ein interessanter Ort - schließlich befanden sich hier bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs das Kaiserlich Deutsche Konsulat und das Büro der Reederei Norddeutscher Lloyd. Später diente das schmale Gebäude unter anderem als Speditionsbüro, ehe es 1971 an eine Gruppe ausgewanderter Italiener verkauft wurde. Die machten daraus "den wildesten Nachtclub der südlichen Halbkugel", wie es Peter Donovan formuliert. Donovan war damals Polizist und schildert gerne, wie er nachts vor der Nachtclub-Tür gewartet hat, um die Radaubrüder festzunehmen, die von den Besitzern auf die Straße geworfen wurden.

Häufig fotografiert

Heute lassen sich müde Touristen in den Räumen mit der ruchvollen Vergangenheit zum Schlafen nieder. Wegen seiner verschnörkelten Front ist das unter Denkmalschutz stehende Haus zugleich "das am meisten fotografierte Gebäude in West-Australien", so John Dowman, Präsident der Fremantle Society, die sich mit der lokalen Geschichte befasst.

Viele Gebäude älter als der Goldrausch

INFO-KASTEN: Perth

Western Australian Tourism Commission, Franziskanerstraße 15, 81669 München
Tel: 089/44 11 95 80
Fax: 089/44 11 95 82
E-Mail: wa-info@tourism.wa.gov.au
australia.com
westernaustralia.net

Als das deutsche Konsulat gebaut wurde, erlebte West-Australien gerade den Goldrausch von Kalgoorlie, das 550 Kilometer östlich von Perth liegt. Viele Gebäude in Fremantle sind aber sogar noch älter, wie bei einer Bustour durch das historische Viertel deutlich wird. In Hafennähe bestimmen etliche alte Lagerhäuser das Bild, die heute zum Teil von der Notre-Dame-Universität genutzt werden.

Neunjährige Gefangene kamen nach Fremantle

Einen guten Überblick über Fremantle ermöglicht ein Stopp des Busses auf dem Monument Hill, dem höchsten Punkt des Ortes. Von dort aus ist auch das Fremantle Prison zu sehen, das die ersten Gefangenen aus Großbritannien nach ihrem Eintreffen in der Stadt selbst hatten errichten müssen. "In den Jahren 1850 bis 1868 kamen insgesamt 9500 männliche Sträflinge in West-Australien an", erklärt Stadtführer Les Burns. "Manche von ihnen waren damals erst neun Jahre alt. Noch heute leben deshalb Enkelkinder dieser Gefangenen hier in der Gegend."

Roundhouse-Gefängnis ist ältestes Gebäudes des Bundesstaates

Noch älter als das Fremantle Prison ist das so genannte Roundhouse am Hafen, das 1831 gebaut wurde, ebenfalls als Gefängnis diente und heute das älteste erhaltene Gebäude des ganzen Bundesstaates ist. Auch von hier aus können Besucher einen schönen Blick über die Stadt werfen, ehe sie wieder zum Cappuccino-Schlürfen in die Cafés gehen.

Erholung vom staubigen Outback

Wer Alkohol dem Koffein vorzieht, kann auch gleich weiter ziehen zum Pub "Sail & Anchor" mit dem dunklen Holzfußboden, wo sieben Sorten Bier aus der Hausbrauerei aus dem Zapfhahn strömen: vom Leichtbier bis zum starken "Ironbrew". Wie in den anderen Lokalen am "Cappuccino Strip", lässt sich hier auch Wein aus West-Australien genießen, während vor der Tür die schöne Jugend von Perth flaniert und auf der Suche nach dem neuesten Trend-Restaurant ist. Für alle, die nach tausenden staubigen Kilometern hier ankommen, ist Fremantle ein angenehmer Ausklang der Reise. Und wer die Australien-Tour hier erst beginnt, zögert die Abfahrt ins Outback gerne noch ein wenig hinaus.

Christian Röwekamp, dpa

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