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Westen der Philippinen als Eldorado für Taucher und Wassersportler

Das Meer hat viele Farben

PHILIPPINEN

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Und wieder eine andere Farbe. Bei Manila war das Meer noch tiefblau, fast schwarz. Unter dem Flugzeug, mit dem die Reise nach Caticlan auf der Insel Panay weiterging, strahlte es azurblau. Und nun am Anleger des Wassertaxis, das zur kleinen Insel Boracay fahren soll, schillert es in hell- und dunkelgrünen Tönen.

Wasser kann die verschiedensten Farben haben - das merken Besucher der Philippinen ganz rasch. Rund um die gut 7100 Inseln mit mehr als 36 000 Kilometern Küstenlinie zeigt sich das Nass in vielen Nuancen. Für Taucher und andere Wassersportler besonders interessant ist dabei der Westen des Landes von Boracay über Mindoro bis nach Nord-Palawan.

An den Holzstegen auf der Rückseite des Flughafens Caticlan warten schon die Auslegerboote, die Urlauber zu den einzelnen Inseln fahren. Einkaufstaschen, Hühnerkäfige und Koffer verschwinden im Rumpf. Das "Boracay-Taxi" nimmt mit Abstand die meisten Koffer auf. Die zehn Quadratkilometer große Insel nördlich von Panay, die zu Wasser in 30 Minuten erreicht wird, zählt zu den beliebtesten Touristenzielen.

Britische Zeitschrift: "Schönster Strand der Welt"

Auf Boracay wird es Zeit, die festen Schuhe gegen Badeslipper zu tauschen. Die Strecke vom Schiff zum Strand wird mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch türkifarbenes Wasser gewatet. In den sechziger Jahren erhob eine britische Zeitschrift den von Palmen gesäumten weißen Sandstreifen zum "schönsten Strand der Welt". Angenehm warm umspült das Wasser die Beine. Filipinos schultern die schweren Koffer und Einkaufstaschen und tragen sie an Land. Dicht an dicht reihen sich Souvenirshops, die Läden von Tauchtouren-Anbietern, Hotels und Restaurants unter den Kokospalmen an der Promenade. Die Auslegerboote wiegen sich im seichten Wasser. Vor allem koreanische und japanische Feriengäste lassen sich gerne mit den Booten um die Insel fahren.

In jüngster Zeit ist es allerdings ruhig geworden auf dem Eiland. Seit den Anschlägen in den USA am 11. September 2001 ist die Zahl der Besucher gesunken. Es ist eine schwere Zeit für Restaurantbesitzer, Kellner, Souvenirverkäufer, Masseurinnen, Bootsführer, die am Strand auf Kunden warten, und alle anderen, die vom Tourismus leben.

Anschläge vom 11. September haben Spuren hinterlassen

Tag für Tag geht Reja mit ihrer Tasche, die mit duftenden Ölen gefüllt ist, über den Strand und bietet Massagen an. Sie investierte viel in ihre Ausbildung - in der Hauptstadt Manila hat sie Anatomie und Massagetechniken gelernt. Nun weiß sie genau, wie sie verspannte Schultern und vom Tragen der Tauchflaschen verhobene Rücken "aufpeppen" kann. Manchmal aber kann sie in diesen Tagen ihr Tuch nur für eine Massage unter den Palmen auf dem weißen Strand ausbreiten.

Auch Ray, der Bootsführer, hat kaum Erfolg. Nur wenige Urlauber lassen sich zu einer Inselumrundung mit dem Auslegerboot überreden. Dennoch wartet er den ganzen Tag am Strand. "Früher, als sich die Menschen auf der Insel noch von Fischfang, Reisanbau und den hier wachsenden Bananen ernährten, war man nicht so abhängig", sagt er.

Hahnenkämpfe als Ablenkung am Wochenende

Das Wochenende bringt Abwechslung. Dann ist Hahnenkampf in der wenige Straßen hinter dem Markt und der Strandpromenade gelegenen Arena. Die Luft unter dem Wellblechdach ist stickig, und es ist mucksmäuschenstill. Alle beobachten gespannt, wie das Hahnenpaar mit aufgeplustertem Federkleid seine Kreise zieht. Minuten vergehen. Dann greift einer der Gockel an. Ein erleichtertes, kollektives Aufatmen geht durch das überwiegend männliche Publikum. Die Zuschauer machen ihrer Begeisterung Luft. Sie feuern ihren Favoriten an, pfeifen und klatschen in die Hände, bis einer der Hähne besiegt zusammenbricht.

Desinteressiert warten die Zuschauer auf den nächsten Kampf. Vier weitere Kampfhähne werden präsentiert. Behutsam halten die Züchter ihren ganzen Stolz in der Hand und zeigen ihn dem Publikum im besten Licht. Rund 500 Pesos (etwa 7,80 Euro) kostet ein Hahn. Ein Augenzwinkern, ein Griff an die Nase, eine lässige Handbewegung - und das Wetten beginnt. 31 050 Pesos gehen heute auf Sieg, 10 350 Pesos für den letzten Kampf - mehr als mancher Filipino im Monat verdient. 23 Hahnenpaare treten an diesem Nachmittag gegeneinander an. Hinter der Arena werden die verletzten Tiere wieder zusammengeflickt.

Wasser wogt wie Tinte unter dem Schiff

Jedes Wochenende kommt auch die "Coco Explorer" nach Boracay. Mit Beibooten werden neue Passagiere an Bord gebracht. Nach Kajüten- und Schiffsinspektion sticht die "betagte Dame", die 1967 in Spanien vom Stapel lief, in die abendlich lavendelfarbene See. Am Morgen danach liegt die Meerenge zwischen Busuanga und Coran Island in Sichtweite. Wie Tinte wogt das Wasser unter dem Schiff. Nur kleine, weiße Wellenspitzen zeigen, dass es keine dickflüssige Masse ist. Mit den ersten Sonnenstrahlen verschwindet der Dunst, der über den Inseln liegt. Und als die Sonne in voller Kraft steht, glitzert das Meer.

Kapitän Fergus Anthony Isidoro befehligt das Schiff seit Oktober 1999. Zusammen mit dem Eigner legte er Inseln, Tauchplätze und die Route von Batangas auf der Insel Luzon nach Nord-Palawan für die Kreuzfahrten fest. An dieser Meerenge, das weiß er, muss er gekonnt navigieren, damit er die Passage an der richtigen Stelle nimmt.

Wasser ganz besonderer Farbe steht am ersten Ausflugstag auf dem Programm. Es geht zum Bergsee Kayangan auf der Insel Coron, die mit Beibooten angelaufen wird. Das Wasser ist hier so klar, dass selbst der kleinste Fisch und die winzigste Koralle genau zu erkennen ist.

Tauchgänge nach versenkten japanischen Schiffen

Gleich hinter dem Ufer steigt der Fels steil an. Ein schmaler Weg führt hinauf. Früher war der See noch für das Tauchen freigegeben - Pressluftflasche, Bleigürtel, Schnorchel und Flossen waren dann das Gepäck auf den steilen, glitschigen Stufen durch die tropische Vegetation. Heute ist das Gewässer geschützt. Doch auch ohne Gepäck ist der Aufstieg ein Abenteuer. Die Aussicht entschädigt dann für die Strapazen: Der Blick fällt auf den smaragdgrünen Bergsee, der aus 70 Prozent Süß- und 30 Prozent Salzwasser besteht. Durch vulkanische Aktivität erhöht sich seine Temperatur in der Tiefe. Acht bis zehn Meter unter der angenehm kühlen Oberfläche ist er warm wie Badewannenwasser. Den einheimischen Tagbanua ist der See heilig.

Wracktaucher kommen bei der Station vor Sangat Island auf ihre Kosten. Im Jahr 1944 erspähten US-amerikanische Aufklärungsflugzeuge in der Coron-Bucht 24 kleine Inseln, die in Bewegung waren - es handelte sich um getarnte japanische Schiffe. Ein Konvoi der US Navy versenkte sie kurz darauf. Seither liegen sie in 20 und 40 Metern Tiefe auf dem Grund. Die Strömung und zum Teil schlechte Sicht machen die Bucht allerdings zu keinem leichten Tauchrevier.

INFO-KASTEN: Philippinen

Philippinisches Fremdenverkehrsamt, Kaiserhofstraße 7, 60313 Frankfurt (Tel.: 069/208 93, Fax: 069/28 51 27, E-Mail: phildot-fra@t-online.de

Eine Gruppe junger Israelis ist früh aufgestanden, um zweimal am Vormittag bei den Wracks zu tauchen. Während sie vor ihrem nächsten Unterwassergang an Deck verschnaufen, treten die Nicht-Taucher ihre Bootstour zum Besuch der Perlenfarmen auf der anderen Inselseite an. Schnorchel, Masken und Flossen haben sie eingepackt, denn bei den Farmen gibt es die Möglichkeit zum "Wrack-Schnorcheln". Zu sehen sind auch die Styropor-Bojen der Austernkörbe, die zwischen den Inseln auf der saphirfarbenen See tanzen. Auf Stelzeninseln wohnen die Arbeiter der Perlenzüchter, die überwiegend japanische Geschäftsleute sind.

Menschen leben mit und von der See

Auf den Philippinen leben die Menschen mit und von der See. Täglich landen Fischer mit ihren bunten Auslegerbooten am weißen Strand von Pandang Island an, der westlich der Insel Palawan gelegenen letzten Station der Kreuzfahrt. Mit geschickten Handgriffen befreien die Männer die Fliegenden Fische aus dem Netz. Eine Lizenz zum Fischen im Nationalpark Apo Riff erhalten nur Filipinos aus der Region. 14 bis 20 Jahre Haft oder eine satte Geldstrafe, die kaum jemand berappen kann, erwarten dagegen diejenigen, die hier unbefugt fischen und sich erwischen lassen.

Dennoch wird wild und - wie auch anderswo auf den Philippinen - immer noch mit Dynamit gefischt. Zum Glück ist das Apo Riff, das als einer der schönsten Tauchplätze der Inseln gilt, aber kaum davon betroffen. 400 bis 500 verschiedene Korallen- und 385 Fischarten beherbergt das Biotop, darunter Haie, Meeresschildkröten und Mantas.

Über Nacht fährt die "Coco Explorer" schließlich zurück zu ihrem Heimathafen Batangas. Und dort heißt es Abschied nehmen von den Inseln der Philippinen, dem Meer und seinen vielen Farben.

dpa - Fotos: dpa

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