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Die Stadt mit dem Schiefen Turm

Auf Pisas Plätzen ist das "wahre Leben" selten geworden

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Noch zwölf Kilometer bis zum Mittelmeer - durch Pisa fließt der Arno und beweist dabei, dass es in der Stadt auch schöne Fotomotive gibt, auf denen der Schiefe Turm nicht zu sehen ist.

Pisa - "Hier finden Sie das wahre Leben", sagt der Ladeninhaber an der Piazza delle Vettovaglie. "Schauen Sie sich um." In der Tat: Die Geschäfte an dem unscheinbaren quadratischen Platz im Herzen von Pisa verkaufen keine schiefen Plastiktürme wie anderswo in der Stadt, die Bars überbieten sich nicht gegenseitig in den Preisen für einen Kaffee.

Hier heißen die Läden "Nord-Tibet" oder "Chicco di Senape" (Senfkorn), und in der "Vineria" wird Bier aus der Flasche getrunken. Sandsteinsäulen stützen die Arkaden, an die Mauern hat jemand "Vettovaglie libera" und "Wir sind alle Illegale" gesprüht.

Das "wahre Leben" hielt hier vor einigen Jahren Einzug: Als das alternative Kulturzentrum der Stadt geschlossen wurde, ließ sich die Szene eben auf dem Platz im Zentrum nieder - zum Unmut vieler Pisaner, die die "ragazzi" lieber an der Peripherie sahen.

Obst und Gemüse gibt's bei Elda Berti

Die Pisaner kommen zur Piazza delle Vettovaglie vor allem, um Obst und Gemüse zu kaufen - etwa bei Elda Berti. Seit 50 Jahren steht sie hier, sagt die Frau mit dem hochgesteckten Haarknoten und den großen runden Brillengläsern. Ihr kann das "wahre Leben" gestohlen bleiben: "Die jungen Menschen haben sich verändert, ich bin enttäuscht", klagt Berti, die in einem der ockergelben Häuser an der Piazza aufwuchs. "Aber ich werde hier Obst verkaufen bis ich sterbe".

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Schief, aber wieder stabil: der legendäre Turm aus Pisa

Am Abend trifft man im Lokal des alternativen ARCI-Clubs sicher auf einige Altkommunisten bei einem Glas Wein. Italienische Plätze waren immer auch politische Zentren: "Scendiamo in piazza" ("gehen wir auf den Platz") heißt es, wenn man in Italien gegen etwas "auf die Straße" gehen will - und als politisch links galt die Studentenstadt Pisa ohnehin immer. Mancher ARCI-Gast trauert den siebziger Jahren nach, als sich hier und an der Piazza Garibaldi die Studenten zu Tausenden versammelten. "Durch die verwinkelten Gassen konnte man rasch vor der Polizei flüchten", erzählt ein Gast.

Überheblich umgestaltet: "Piazza dei Cavalieri"

In der Tat sind es nur wenige Schritte durch eine enge Gasse zum Platz mit dem bronzenen Denkmal Giuseppe Garibaldis und dem "Casino dei Nobili", wo einst die Adeligen Pisas Zerstreuung suchten. Der Platz ist längst nicht mehr Mittelpunkt des Stadtlebens. Während ein Student am Sockel des italienischen Einigers seine Gitarre stimmt, eilen die meisten Pisaner in die Arkadengänge der Geschäftsstraße Borgo Stretto.

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Wer sich weiter westlich hält, stößt bald auf die "Piazza dei Cavalieri". In despotischer Überheblichkeit hatten die Florentiner Medici im 15. Jahrhundert den Platz zum politischen Zentrum umgestaltet. Sieben Gassen führen auf den Platz mit der berühmten Privatschule, die Politiker wie den Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi und den Ex-Premierminister Giuliano Amato hervorgebracht hat. Darauf sind die Pisaner heute stolz, auch wenn der Platz im Herzen der Stadt jahrelang als Symbol für Unterdrückung und Fremdherrschaft durch die Medici stand. Wie so viele Pisaner Plätze, lädt auch dieser kaum zum Verweilen ein: Die Gebäude lassen der Piazza wenig Licht.

Der Stolz der Pisaner: Schiefer Turm auf der Piazza dei Miracoli

Der wahre Stolz der Pisaner liegt aber noch weiter nordwestlich, auf der Piazza dei Miracoli ("Platz der Wunder"). Auf der Piazza dei Miracoli findet man nicht nur den erst jüngst wieder eröffneten Schiefen Turm, sondern auch die Kathedrale mit der Kanzel Giuliano Pisanos sowie das gotisch-romanische Baptisterium. Der Platz sollte einst die mediterrane Vormachtstellung der Pisaner Republik unterstreichen: Romanische Elemente mit Marmor sowie byzantinische und islamische Einflüsse begründeten die Pisaner Romanik.

INFO-KASTEN: Pisa

www.emmeti.it
www.turismo.toscana.it/
www.pisaonline.it
Informationen: Staatliches Italienisches Fremdenverkehrsamt ENIT, Kaiserstraße 65, 60329 Frankfurt/Main (Tel.: 069/23 74 34)

Längst ist der Platz nicht mehr der Ort, auf dem Studenten bis zum Morgengrauen Gitarre spielen und junge Pisaner nordische Touristinnen bezirzen. Ein Großteil der Grünflächen darf nicht betreten werden: Schließlich soll den fotografierenden Besuchern eine möglichst freie Sicht auf den Turm garantiert werden. Gegen 23.00 Uhr sorgen die "Custodi" - die Aufseher - für Ordnung und schicken letzte flanierende Paare aus dem öffentlichen Raum: "Wir schließen jetzt".

Dietmar Telser, dpa

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