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Zisterzienser-Klöster in der Provence

Göttliche Stille im Konzert der Zikaden

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Senanque - Unweit der alten Vaucluse-Stadt Gordes öffnet sich das versteckte Seitental ein wenig. Die schnurgeraden Reihen des violett blühenden Lavendels führen auf das provenzalische Prunkstück romanischer Kunst zu. In sich ruhend - wie seit mehr als 850 Jahren - liegt dort die mittelalterliche Perle der Zisterzienser-Architektur.

Die Glocke zur vollen Stunde verbreitet Sonntags-Stimmung. Während der Mistral-Wind den Lavendel-Duft durch das Tal der Senancole trägt, ist für die fünf Mönche der Abtei Notre-Dame de Senanque ein weiteres Gebet angesagt. Unterdessen füllt sich bereits der Parkplatz vor der Abtei, die mit ihrer schmucklosen Schönheit die Massen anzieht.

Ist es die göttliche Stille im Konzert der Zikaden, die an einem Sommertag bis zu 1300 Touristen und Pilger aus aller Welt zu diesem abseits gelegenen Meisterwerk aus Stein führt? Treibt ein Bedürfnis nach Besinnung zu den Zisterziensern? Oder zieht diese in Stein gehauene Beständigkeit an, die Senanque ausstrahlt? Seit dem Bau 1148 trotzt die Abtei dem Zahn der Zeit. Immerhin senkt hier selbst der Rastlose die Stimme und das Gehtempo.

Schattenspiel an kargen Mauern

Das Geheimnis von Senanque liegt hinter den Mauern von Kirche, Schlafraum und Kreuzgang. Während von außen die ausdrucksstarke, ungemein schlichte Architektur der Zisterzienser fasziniert, wirkt im Inneren das Licht des Midi. Sein Schattenspiel an den kargen Mauern der Apsis verändert sich ständig. Und diese eindringliche Darbietung verbindet sich mit dem Weihrauchgeruch und der Vorstellung, dass hier vom frühen Morgengebet bis zum Sonnenuntergang Mönche ihren Glauben bezeugen. Seit 1988 sind sie wieder in Senanque, leben nach dem Ideal von Armut und Bescheidenheit des Heiligen Bernhard von Clairvaux und füllen nicht zuletzt diesen erhabenen Kirchenraum mit ihren Gesängen.

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Die Gelassenheit ausstrahlende Abtei von Senanque ist nur eine von drei "provenzalischen Schwestern", die unverrückbar zu der Kultur des französischen Südens gehören. Mit im Bunde ist das Kloster Silvacane, das südlich von Cavaillon erhöht in der Landschaft des Luberon liegt. Und schließlich dann noch Le Thoronet, am Südostzipfel der Provence bei Lorgues in ein Waldstück zwischen dem Bogen eines Flüsschens und einer Quelle eingebettet. In seiner strengen, ausgewogenen Perfektion verkörpert das Kloster-Trio den Höhepunkt der Zisterzienser-Baukunst in Frankreich. So unterschiedlich ihre Geschichte auch gewesen sein mag: Alle drei waren bewusst in die Abgeschiedenheit gesetzt worden.

Und war die Erde auch ein Jammertal, so haben die Mönche seit dem zwölften Jahrhundert daraus doch etwas gemacht: Was das südfranzösische Klima und die mediterrane Vegetation hergaben, pflegten sie mit der gleichen Hingabe, die sie ihrem eisernen Glauben schenkten. Es waren die Zisterzienser, die nicht nur in der Provence den von den Griechen und Römern in das Land gebrachten Wein erstmals so richtig hegten und pflegten. Sie versorgten sich mit dem Öl des Olivenbaums und nutzten die Wirkstoffe des Lavendels. Auch heute noch sind es diese Produkte der Provence, mit denen sich die Mönche von Senanque ihren Unterhalt sichern. Sie bieten das alles in einem gut sortierten kleinen Laden feil.

Mittelalterliche Musik in perfekter Atmosphäre

Figürliche Darstellungen, farbige Kirchenfenster und sonstiger Schnickschnack waren in der asketischen Verzichtkultur verpönt. Hier in der zwar unwirtlichen, aber für sich selbst stehenden mediterranen Natur erweist sich das als Glücksfall für die Freunde der Provence und der südfranzösischen Kultur. Zum Beispiel in Thoronet: Das Tageslicht dringt symphonisch, im Rhythmus der Tageszeiten durch die nur wenigen Öffnungen der Kirchenräume. Vor allem jedoch spiegelt der weiße Stein der Abtei-Anlage besonders während des Sonnenuntergangs den im Boden allgegenwärtigen rötlichen Bauxit - ein beeindruckendes Spektakel, das selbst visuell überreizte Besucher der Neuzeit erstaunen lässt.

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Hanns-Jochen Kaffsack, gms - Fotos: gms

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