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Ein Hauch von Parfüm betört die Sinne

Das "blaue Gold" Lavendel

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Provence

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Sault - Nach der Ernte im Sommer geht ein betörender Duft von den hochprovenzalischen Dörfern aus. Ein leichter Wind weht, und es riecht wie nach Parfüm.

Von den Feldern verschwunden sind dann die in endlos langen Reihen gepflanzten Lavendel-Büschel, die je nach Sonnenstand blau und malvenfarben schimmerten. Denn die Lavendel-Anbauer destillieren die attraktiven Blüten gerade zu einer wohlriechenden Essenz. Im südostfranzösischen Grasse warten die Meister der Parfümherstellung bereits auf die diesjährige Ernte.

"Der Lavendel ist die Seele der Haute Provence", so hat es der südfranzösische Schriftsteller Jean Giono einmal auf den Punkt gebracht. An der Côte d'Azur, in den Voralpen des Südens, in den Tälern des Lure-Gebirges sowie auf der Valensole-Ebene geben die leuchtend-violetten Lavendelblüten einen Kontrast zu Mohn und Getreidefeldern ab.

Lavendel, der auf 1200 Metern Höhe wächst

"Schon als Kind habe ich mich immer bei den Destillierkolben herumgetrieben", erinnert sich Philippe Soguel, der in der Oliven-Hochburg Nyons eine Destillerie betreibt. Das Geschäft läuft auch für den Kräuter-Experten Bernard Laget in Buis-les-Baronnies hochtourig: "Ich biete als einziger in der Region ein ganz feines Öl von einem Lavendel an, der auf 1200 Metern Höhe wächst." Für Provence-Reisende gibt es das "Musée de la Lavande" in dem Vaucluse-Ort Coustellet, wo gezeigt wird, wie die Lavendel-Blüten seit 400 Jahren in der Provence destilliert werden.

Südfranzösische Gärten mit Lavendelkulturen, Ausstellungen und zahlreiche Feste rund um den Lippenblütler klären über die feinen Unterschiede zwischen dem "echten" Lavendel und dem weit verbreiteten Lavandin auf. Kleine Büschel weist der "echte" Lavendel auf, der sich in Höhen von 500 bis etwa 1500 Metern über dem Meeresspiegel am wohlsten fühlt. Er wächst oft an Hängen - so in den Bergen von Albion und Lure bei Sault - und muss mit der Sichel geerntet werden. Daneben gibt es den so genannten Aspiklavendel, der es wärmer mag, also auf niedrigeren Feldern wächst. Er riecht etwas streng nach Kampfer und muss deshalb als Verdünnungsmittel etwa für Ölfarben herhalten.

Konkurrent des "echten" Lavendels ist der hybride Lavandin

INFO-KASTEN: Provence

Association Routes de la Lavande in Nyons (Tel. von Deutschland: 0033/475 26 65 91)
Internet: http://www.routes-lavande.com
Musée de la Lavande in Coustellet (Tel. von Deutschland: 0033/490 76 91 23)
Internet: http://www.museedelalavande.com

Der große Konkurrent des "echten" Lavendels ist der hybride Lavandin. Diese Kreuzung zwischen dem feinen Lavendel und dem Aspiklavendel verspricht raschen und hohen Ertrag - daraus werden die kleinen Lavendel-Duftsäckchen gemacht. Wer in den Feldern bei Ferrassières oder Revest-du-Bion stoppt, um der Provenzalin am Straßenrand eine kleine Flasche abzukaufen, der sollte den Unterschied kennen und beim Preis auf der Hut sein. Für einen Liter vom echten "lavande fine" braucht man immerhin etwa 130 Kilogramm der blauen Blüten. Bei dem aromatisch stärkeren, minderwertigeren Lavandin reichen dagegen 40 Kilogramm.

Mediterranes Wundermittel für Aromatherapien

"La vraie", also das wirklich echte Lavendelöl, kaufen die Hersteller von Parfüms und Luxusseifen in Grasse fast zum Goldpreis ein. Den industriell verarbeiteten Lavandin überlassen sie denen, die damit auch Waschmittel und andere Haushaltsprodukte parfümieren.

Seit Jahrtausenden dient das mediterrane Wundermittel für Aromatherapien. Das pure Öl beruhigt und hilft gegen schlaflose Nächte. Es bekämpft Halsschmerzen, Erkältungen und Migräne und desinfiziert Wunden oder Ekzeme. Einige Blüten, auf der Haut zerrieben, wappnen gegen Insekten. Und Feinschmecker schätzen den Lavendel nicht nur in Honig und Sorbets, Kräutertees und dem französischen Edel-Dessert "Crème brulée": In provenzalischen Rezepten verfeinert er inzwischen auch manche Lammkeule aus der Agneau-Hochburg Sisteron.

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa - Fotos: gms

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