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Die amerikanischste Insel in der Karibik

Donuts auf Puerto Rico

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PUERTO RICO

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  • Die Speisekarte bestimmt der "Koloss aus dem Norden": In kühler Atmosphäre reicht die Kellnerin im Schnellrestaurant Donuts über die Theke - süße Ringe in verschiedenen Größen, hell oder dunkel glasiert. Das frisch renovierte Haus in der Altstadt von San Juan ist völlig entkernt worden. Nur die fröhlich-pastellgelbe Fassade erinnert noch an vergangene Zeiten.

    Im Innern hat die Coca-Cola-Kultur wie selbstverständlich das Regiment übernommen. Selbst Fidel Castro, der einmal für die Unabhängigkeit Puerto Ricos kämpfen wollte, stieß bei den Bewohnern der amerikanischsten aller Karibikinseln auf taube Ohren: Sie wollen Teil der Vereinigten Staaten bleiben. Volksentscheide zeigen, dass viele es sogar vorzögen, wenn ihr Land der 51. Bundesstaat der USA wäre.

    Seit 1917 sind die Bewohner der kleinsten der großen Antilleninseln, die mit fast 9000 Quadratmetern Fläche nahezu so groß wie Zypern ist, Bürger der Vereinigten Staaten. Diese hatten Puerto Rico nach einem Krieg mit Spanien 1898 annektiert. 1952 wurde die Insel Mitglied im amerikanischen Commonwealth und assoziierter Freistaat. Die Bewohner besitzen noch kein Stimmrecht bei Wahlen auf dem 1600 Kilometer entfernten amerikanischen Festland, müssen dort aber auch keine Steuern entrichten.

    Spuren des Kampfes und der Verteidigung

    Wie ein Verbindungsstück liegt Puerto Rico zwischen den Großen und den Kleinen Antillen, lange galt das Land als Vorposten Lateinamerikas. Deshalb mussten seine Bewohner immer wieder Kämpfe erdulden und erlebten nur kurze Phasen der Unabhängigkeit. Nachdem Kolumbus die Insel am 19. November 1493 entdeckt und zusammen mit Juan Ponce de Leon in Besitz genommen hatte, blieb sie jahrhundertelang fast ununterbrochen in spanischer Hand.

    Die Befestigung der Hauptstadt San Juan zeugt davon, dass die Spanier hier einst ihr riesiges Kolonialreich gegen einfallende Engländer, Franzosen und Holländer verteidigten. Die eindrucksvolle Festung San Felipe de Moro, benannt nach dem spanischen König Philipp II., liegt auf einer Landzuge hinter der Altstadt und gibt den Blick frei auf die ganze Bucht von San Juan. Besucher werden in ehemalige Geheimgänge geführt. Im Inneren des Originalturms sollen noch Einschussstellen erkennbar sein, die von amerikanischen Geschossen aus der Zeit der letzten Eroberung stammen, mit der die Spanier die Insel verloren.

    Die Musiktradition - Ausdruck der kulturellen Mischung

    An die lange koloniale Vergangenheit erinnern aber auch weniger kriegerische Bauten: vor allem die farbenfrohen Häuser mit ihren schmiedeeisernen Balkongittern und Straßenlaternen, die an den kopfsteingepflasterten Straßen rund um die zentrale Plaza de Armas in der Altstadt stehen. Café-Terrassen laden zum Verweilen ein. Gegen Trinkgeld spielen traditionelle Musiker auf. Zum Repertoire gehören die europäisch beeinflussten "Danzas", ebenso wie die "Seis", die von Bewohnern des Landesinneren geprägt sind, oder die aus der schwarzen Tradition stammenden "Bombas". Nichts scheint so sehr Ausdruck der kulturellen Mischung des puertoricanischen Volkes wie seine Musiktradition.

    Obwohl die Zahl der schwarzen Bewohner Puerto Ricos heute relativ gering ist, hat ihre Kultur gerade die Musik nachhaltig geprägt. Bis die Sklaverei 1873 abgeschafft wurde, mussten drei Jahrhunderte lang schwarze Sklaven auf den Zuckerrohr-, Kaffee- oder Tabakplantagen der Insel arbeiten.

    Gott "Juracan" kontrollierte das Wetter

    INFO-KASTEN:Puerto Rico

    Puerto Rico Tourism Company, Schenkendorfstraße 1, 65187 Wiesbaden, Tel.:0611/267 67 10, Fax: 0611/267 67 60,
    Internet: www.prtourism.com

    Dass der auf Puerto Rico geborene Pop-Superstar Ricky Martin nur einen Aspekt der Kultur seines Heimatlandes in die Welt hinausträgt, merkt der Besucher, wenn er die belebten Gassen des Zentrums der Altstadt verlässt und die Wohnbezirke ringsherum erkundet. Nur wenige Minuten vom kommerziellen Zentrum entfernt, lässt sich ein anderes als das amerikanisierte Puerto Rico erleben: Türen stehen offen, neugierige Alte sitzen auf den Stufen ihrer Hauseingänge. Nur wenige sprechen Englisch, das neben dem Spanischen die zweite Amtssprache ist. Der Popstar Ricky Martin ist zwar auch auf der Insel beliebt, doch mancher verzeiht ihm nicht, dass er die meisten seiner Hits nicht auf Spanisch, sondern auf Englisch singt.

    Von den ursprünglichen Bewohnern der Insel und ihrer Sprache ist bis auf einen Namen wenig geblieben: Die Taino-Indianer - eine der Volksgruppen, die den Spaniern zum Opfer fielen - nannten ihre Insel "Boriquén". Der Name, von dem das Wort "Hurrikane" abgeleitet wird, bedeutet "Land des großen Herrn". Die Taino glaubten, dass ihr Gott "Juracan" auf der höchsten Erhebung der Insel lebte, dem heute "Cerro Punta" genannten Berg. Von dort aus soll er das oft unberechenbare Wetter auf der Insel kontrolliert haben.

    Stürme als Lebenselixier

    Dass die Stürme, die die Insel bis heute immer wieder heimsuchen, auch ihr Gutes haben, zeigt ein Besuch im einzigen tropischen Regenwald-Gebiet der Vereinigten Staaten. In den 20 ausgewiesenen Regenwäldern, von denen "El Yunque" im Nordosten der Insel der größte ist, wirken Stürme wie ein Lebenselixier: Um sich zu erneuern, muss das alte Holz weichen: Nur auf Zerstörung könne neuer Wuchs folgen, erläutern Führer den Regenerationsprozess des Waldes.

    Unberechenbar wie der Sturm kann auch die Sonne über Puerto Rico sein: Manchmal bleibt der Himmel einfach nordisch grau. Wolkenbruchartig prasseln urplötzlich schier unglaubliche Wassermassen vom Himmel. Geländewagen bleiben im Schlamm stecken, Touristen können die Hotellobby nicht verlassen. Die Strände sind verwaist. Nur ein Kokosnuss-Verkäufer stapft noch hier und da durch den nassen Sand, während sich die enttäuschten Sonnenhungrigen in einem nahen Supermarkt versammeln. In den Regalen stehen die Genussmittel, die der Koloss aus dem Norden gebracht hat: Chips, weiches Weißbrot und amerikanisches Bier.

    Sigrid Scherer, gms - Fotos: "Puerto Rico Tourism Company/gms", AP

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