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Ostia Antica vor den Toren Roms

"Ein Zwiegespräch aus Stille"

Rom - Mächtige Pflastersteine bedecken die Straße. Beidseits ragen Häuserstümpfe aus dem feuchten Boden, zwischen Grabruinen wehen Grashalme im Wind. Streunende Hunde bewachen die Vergangenheit und wirken wie die Herrscher eines Jahrtausende alten Reviers. Der Duft von Pinien und Zypressen mischt sich mit dem modrigen Geruch der Altertümer. Als "Zwiegespräch aus Stille" beschrieb Marie Luise Kaschnitz diese Atmosphäre einst in ihrem Gedicht "Ostia Antica".

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Auch nach 2000 Jahren noch eine Bühne: Das Theater in Ostia Antica wird im Sommer für Theateraufführungen genutzt.

Ostia Antica liegt 25 Kilometer südwestlich von Rom. Die Stadt an der Tibermündung entstand im vierten Jahrhundert vor Christus und diente zunächst als militärische Kolonie. Ihre größte Ausdehnung mit Tempelanlagen, Thermen und Foren erlebte das antike Ostia im zweiten Jahrhundert nach Christus. Damals zählte Ostia etwa 100 000 Einwohner und galt als eine der bedeutendsten Hafenstädte im Mittelmeerraum. Heute gibt es aus dieser prachtvollen Zeit noch Reste zu bewundern.

In der Ausgrabungsstätte sind zwischen den vielen Privathäusern auch Badeanlagen wie die Thermen des Neptun mit ihren gut erhaltenen Bodenmosaiken zu erkennen. Einen guten Eindruck von den alltäglichen Gepflogenheiten in der Antike vermitteln der Lebensmittelmarkt und die Fischläden ("Tabernae dei Pescivendoli"), in denen noch heute die marmornen Wasserbecken für die frischen Meerestiere zu sehen sind.

Baumaterialien für den Petersdom kommen Ostia

Mit dem Niedergang des Römischen Reichs begann auch der Verfall Ostias. Die Stadt entwickelte sich vom fünften Jahrhundert nach Christus an zu einem Steinbruch für jegliche Art von Baumaterialien. Die Bauherren des Doms von Pisa etwa fuhren mit großen Schiffen den Hafen Ostias an und holten sich alles, was sie brauchten. Das gleiche galt für Kirchen in Orvieto und Genua und sogar den Petersdom in Rom, für dessen Bau tonnenweise Material in Ostia Antica abgetragen wurde.

Ruinen - ein Ambiente für geschäftliche Verhandlungen
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Reise in die Vergangenheit - in Ostia Antica finden die Besucher noch viele Bodenmosaiken aus der Antike vor.

Dennoch gibt es noch viel zu sehen. Die Frau an der Kasse erzählt, dass die Ruinenstadt auch gerne für geschäftliche Verhandlungen genutzt wird. "Das liegt wohl an der Nähe zum Flughafen. Viele Geschäftsleute aus Rom holen ihre Besucher dort ab und bringen sie nach Ostia Antica. Sie sagen, sich hier auf Wiesen oder Steine zu setzen, sei für Besprechungen viel stilvoller als ein Restaurant.", Gerade zu Ostern seien die Ruinen auch ein beliebtes Ausflugsziel, um dem Massentourismus auf dem Petersplatz und im Kolosseum zu entgehen.

Theater - eine sehenswerte Alternative zum Kolosseum

Das unter Kaiser Augustus errichtete Theater in Ostia Antica ist tatsächlich eine sehenswerte Alternative zum Kolosseum. Es ist gut erhalten und wird an heißen römischen Sommerabenden noch heute für Aufführungen genutzt. Im Halbrund des steil aufsteigenden Zuschauerraums fanden bis zu 3500 Menschen Platz. Wie im Kolosseum wurden auch hier zeitweise blutige Gladiatorenkämpfe ausgetragen.

In der Vergangenheit schnuppern

Besucher sollten sich mindestens einen halben Tag lang Zeit nehmen. Die Hauptstraße "Decumanus Maximus" ist fast zwei Kilometer lang, überall gibt es kleine Abzweigungen, jedes Haus und jeder Platz kann betreten und begutachtet werden. Wer hier die Vergangenheit geschnuppert und die Ruhe gespürt hat, ist dem Ort schnell verfallen.

Infos:

Weitere Auskünfte gibt es telefonisch von Deutschland: 0039/06/56 35 80 36
sowie im Internet: www.ostiaantica.net

Geöffnet sind die Ausgrabungen von Ostia Antica (Viale dei Romagnoli 717, I-00119 Rom) täglich außer montags von 8.30 bis 19.00 Uhr. Der Eintritt kostet 8000 Lire, umgerechnet etwa acht Mark. Jugendliche unter 18 und Senioren ab 65 Jahren sowie Studenten der Architektur und Kunstgeschichte können Ostia Antica kostenlos besuchen. Anreise von Rom aus mit Metro der Metrolinie B bis zur Haltestelle "Piramide", von dort aus mit dem Zug "Roma Lido" bis zur Station "Ostia Antica". Die Anfahrt dauert etwa 45 Minuten.

Carola Frentzen, gms

Last edited: tea 03.12.2004 16:07