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75 Jahre Route 66:

Mythos zwischen Maisfeldern und Kleinstadtidylle

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John Weiss will mit Ehefrau Leonore von Chicago nach Wilmington/Illinois umziehen: Dort ist der Fan seiner Route 66 einfach näher

Chicago - Sie gilt als "Mother Road" Amerikas, ist längst mehr Mythos als Realität und spielt in den Träumen vieler USA-Fans eine große Rolle: Die Route 66, exakt 2448 Meilen (3939 Kilometer) Straße von Chicago nach Los Angeles, besaß schon bald nach ihrem Bau den Charakter einer Legende, war sie doch die in Asphalt verwandelte Sehnsucht nach Freiheit und einem besseren Leben, weit weg im Westen.

Wo die USA am amerikanischten sind

Im Jahr 2001 wird die berühmte Strecke nun 75 Jahre alt - ein Anlass für viele, ihren Resten nachzuspüren. Man muss dabei nicht zwingend den ganzen Weg von Illinois bis Kalifornien fahren. Es reicht auch, einzelne Etappen der Route 66 kennen zu lernen - vielleicht dort, wo die USA am amerikanischsten sind: bei Chicago im Mittleren Westen.

Durelle Pritchard drückt auf die Tube, das Tempolimit scheint ihn nicht zu kümmern. 65 Meilen in der Stunde zeigt der Tachometer an, 10 Meilen mehr als erlaubt. Das Auto ist ein Oldtimer, macht mit seinem 250 PS starken Motor die flotte Gangart aber locker mit - Durelle hält seinen feuerroten Mercury Comet Cyclone von 1965 schließlich gut in Schuss. Im Moment versucht der Rentner aus Pontiac in Illinois wieder zu seinen Freunden aufzuschließen: Pritchard fährt, wie jedes Jahr, im Konvoi der "Route 66 Association of Illinois" von Chicago nach St. Louis mit, und beim letzten Stopp hat er sich verquatscht.

Nur noch wenige Meilen haben den original Straßenbelag

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Allgegenwärtig sind auf der Route 66 Werbebotschaften wie dieser "Gemini Giant", der Gäste für ein Restaurant anlocken soll

"Das Fahrgefühl ist nicht mehr das gleiche wie vor 30, 40 Jahren", klagt Durelle, während er Gas gibt. Heute verlaufe die Route 66 zu oft parallel zum Interstate Highway 55, und in der Nähe der Autobahn kämen nostalgische Gefühle einfach nicht auf. Ohnehin sind nur wenige Meilen des Original-Straßenbelags von 1926 noch vorhanden, erläutert der Route-66-Veteran, der früher jeden Sommer zu seiner Schwester in Kalifornien gefahren ist. "Dann sind wir freitags abends los, und 48 Stunden später waren wir da", erzählt er. Nur zum Tanken und für Toilettengänge wurde gestoppt. Lang ist das her, heutzutage fliegen Durelle und seine Frau Marilyn regelmäßig zum Verwandtenbesuch nach Kalifornien. Man wird schließlich nicht jünger.

Doch wenn das Fahrgefühl nicht mehr so ist wie früher - was ist es dann, das Menschen wie Durelle Pritchard dazu bringt, in Konvois mit 240 alten Autos quer durch Illinois zu fahren, um das Andenken an die Nostalgie-Strecke am Leben zu halten, die einst Millionen Amerikanern den Weg nach Westen erleichterte? "Die Städte am Wegesrand machen den Charme der Route 66 aus", sagt der Mann am Lenkrad des Mercury Comet. Man müsse nur mit den Leuten dort reden und sich die Restaurants und Zapfsäulen anschauen, dann spüre man den Geist der "good old days".

Früher führte die Strecke durch alle Orte hindurch

Wie Durelle sieht es auch John Weiss, der ein Buch über die Route 66 geschrieben hat und als Mitfahrer im Konvoi gerade in Atlanta im Lincoln County eine Pause einlegt. Die 1800 Einwohner haben das Dorf fein herausgeputzt für die Oldtimerparade: Hunderte US-Flaggen säumen die Straßen, gegenüber der Leihbücherei werden Eistee und gegrillte Hühnerbeine serviert. "Die Route 66 durchquerte früher jeden Ort an der Strecke", sagt Weiss und gestikuliert mit einem Hähnchenknochen. "Alle diese Plätze können wir heute noch besuchen." Und das lohne sich allein wegen der "wundervollen Menschen hier", schwört Weiss.

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