[an error occurred while processing this directive]

Neue Tipps/Touren

Reise-Galerie

Weltkarte


Die "Route 66"

Auf der "Mutter aller Straßen" durch die USA

Anklicken zum Vergrößern

Route 66

Foto-Show Infos/Tipps

Santa Fe - Es ist eine Art Schnitzeljagd für Erwachsene, der berühmten Route 66 nachzuspüren: Der ausgeblichene Wegweiser an der Straßengabelung jenseits von Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico ist nicht mehr zu lesen. Salbeibüsche links, ein trockenes Flussbett rechts, fahle Yucca-Pflanzen geradeaus, die brennende Sonne im Rücken und weit und breit kein anderes Auto zu sehen - die Zeit hat die Spuren von Amerikas erster Ost-West-Fernverkehrsstraße verweht.

Wenn nicht gerade eine Harley-Davidson-Motorradtour vorbei knattert, an die sich andere Urlauber anhängen können, steckt der Beifahrer seine Nase an jeder Kreuzung in eine Ansammlung von Spezialkarten und Internet-Wegbeschreibungen. Denn aus gängigen Straßenatlanten ist die historische Transkontinental-Verbindung längst verschwunden. 1984 ersetzte der moderne Interstate 40 bei Williams im Bundesstaat Arizona den letzten verbliebenen Abschnitt. Die Route 66 wurde zum "Ghost Highway", einer "Geister-Autobahn".

Amerikas "Main Street"

Am 26. November 1926 bekam die Route 66 ihre offizielle Straßennummer. Damals schlängelte sie sich von den windigen Ufern des Lake Michigan in Chicago (Illinois) durch die Bundesstaaten Missouri, Kansas und die weite Prärie Oklahomas. Sie durchschnitt Texas, querte die Wüsten von New Mexico und Arizona, kletterte die High Sierras Kaliforniens hinauf und zum Pazifikstrand von Los Angeles hinunter. Amerikas "Main Street" verknüpfte die Hauptstraßen von Dörfern, Klein- und Großstädten zu einer 3939 Kilometer langen durchgehenden Verkehrsader.

Endlich konnten Lastwagen auf der neuen Diagonalen wertvolle Transportzeit sparen. Und als der Regen in den dreißiger Jahren ausblieb, retteten sich 210 000 Menschen aus der "Dust Bowl" - zu deutsch Staub-Schüssel - im Binnenland über die Route 66 zur fruchtbaren Westküste. Schriftsteller John Steinbeck beschreibt in "Früchte des Zorns" den traurigen Treck über die "Mutter aller Straßen", die an jeder Einmündung neue Flüchtlingsströme aufnahm. Die Route 66 wurde Straße der Hoffnung und ein Symbol für Freiheit.

1938 wurde das letzte unbefestigte Stück Route 66 geteert

Etwa 95 holprige Kilometer pro Tag legten Reisende damals auf dem Weg in eine bessere Zukunft zurück - wenn ihnen nicht Reifen platzten, Kühler überkochten oder sie im berüchtigten Matsch von Fort Riley (Kansas) stecken blieben. Der legte kurz vor dem Zweiten Weltkrieg sogar das Truppenkommando des späteren US-Präsidenten Dwight Eisenhower lahm. Erst 1938 wurde das letzte unbefestigte Stück Route 66 geteert.

Burger-Buden entwickelten sich zu schicken Diner-Restaurants

INFO-KASTEN: Route 66

National Historic Route 66 Federation, P.O. Box 423, Dept. WS, Tujunga, CA 91043-0423, USA (Tel./Fax von Deutschland: 001/818/352 72 32)
E-Mail: national66@national66.org

Egal, wie arm Durchreisende waren, Verpflegung, Benzin und Unterkunft brauchten sie alle. Als in den vierziger Jahren Aussteiger und Großstadt-Hippies von der Ostküste nach Kalifornien pilgerten und jeden Dollar nicht mehr zwei Mal umdrehten, mauserten sich bescheidene Auto-Camps zu komfortablen Motels. Aus einfachen Häusern mit Zapfsäulen im Vorgarten wurden große Tankstellen. Und Burger-Buden entwickelten sich zu schicken Diner-Restaurants.

Vielleicht ist das 1936 erbaute "U-Drop-Inn"-Restaurant in Shamrock (Texas) mit seinen Art-Deco-Türmen und seiner grasgrünen Kachelfassade eines der schönsten. Seitdem die Reisenden über neue vierspurige Schnellstraßen sausen, steht es leer. Doch wenn man durch die rotweiß-gewürfelten Vorhänge ins verstaubte Innere späht, meint man trotzdem Nat King Coles Hymne "Get your Kicks on Route 66" aus der alten Jukebox zu hören.

Wo die rote Wüste den Asphalt erobert

Für 1,7 Millionen Dollar will das Straßenbauamt von Texas die alte Raststätte renovieren. Das Projekt ist Teil einer groß angelegten Kampagne. Unter Aufsicht des National Park Service sollen bis 2009 zehn Millionen Dollar aus öffentlichen Kassen in historische Gebäude investiert werden, um Besucher auf die abseits der heutigen Verkehrsströme noch zu 85 Prozent erhaltene Originalstrecke zurückzuführen.

Richtig abenteuerlich ist es allerdings, das langsame Amerika der Nebenstraßen jenseits touristischer Trampelpfade auf eigene Faust zu entdecken - wo die rote Wüste den Asphalt erobert, ein verwittertes Ford T-Modell unter rostigen Bohrtürmen träumt und Geisterstädte ihre Geschichten erzählen.

Heike Schmidt, dpa

IVWPixel Zählpixel

Zuletzt geändert von tea