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Abenteuer Transsibirische Eisenbahn

Von Moskau bis nach Wladiwostok

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Russland

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Wladiwostok - Die Transsibirische Eisenbahn ist die wohl längste und legendärste Eisenbahnstrecke der Welt. Wer in Moskau im Jaroslawler Bahnhof in den Zug steigt und ihn in Wladiwostok am Japanischen Meer wieder verlässt, war rund acht Tage unterwegs, hat eine Strecke von 9296 Kilometern zurückgelegt und sieben Zeitzonen durchquert.

Anders als etwa beim Orientexpress liegt bei der "Transsib" der Reiz nicht im luxuriösen Ambiente, sondern in der Möglichkeit, die unendliche Weite des Landes zu erfassen. Keine andere Art des Reisens als diese passt besser zu Russland. Nichts ist hier eilig und Moskau ist weit.

Gespräche mit anderen Passagieren entwickeln sich schnell. Trotz Verständigungsschwierigkeiten tauen die mitreisenden Russen schnell auf und alsbald wird mit Wodka auf die deutsch-russische Freundschaft angestoßen. Draußen ziehen die goldenen Zwiebeltürme der Klosteranlage von Sergjiev Posad, dem früheren Sagorsk, vorbei.

Essen und Getränke in akzeptabler Qualität

Kurz nach dem Überqueren der Wolga hält der Zug für kurze Zeit. Frauen in bunten Schürzen und mit Kopftüchern strömen auf den Bahnsteig und bieten Proviant an. Ihre Gesichter sind zerfurcht, die Hände abgearbeitet - Zeichen eines harten und entbehrungsreichen Lebens. Zumeist werden Obst und Gemüse feilgeboten, manchmal auch nur ein Becher mit Himbeeren oder Heidelbeeren. Aber auch Piroggen, getrockneter Fisch oder Käse, eingewickelt in Zeitungspapier, wechseln den Besitzer. Alles ist gut und preiswert. Auch der Speisewagen - er öffnet jeden Morgen gegen acht Uhr und bleibt bis abends geöffnet, bietet Essen und Getränke in akzeptabler Qualität.

Jekaterinburg - hier wurde 1918 die Zarenfamilie ermordet

Mittlerweile führt die Fahrt durch die sanfte Hügellandschaft des Urals. Beim Streckenkilometer 1777 passiert der Zug einen weißen Obelisken - die geografische Grenze zu Asien. Jekaterinburg, am Ufer des Isset-Flusses gelegen, ist die Metropole der Region. Traurige Berühmtheit erlangte die Stadt im Jahr 1918, als hier die Zarenfamilie ermordet und ihre Leichen an einem geheim gehaltenen Ort verscharrt wurden. Erst nach der Perestroijka begann die Suche nach den sterblichen Überresten und deren Überführung in die St. Petersburger St. Pauls-Kathedrale.

Wie im Film ziehen die unterschiedlichen Landschaften wie die Barbinsker Steppe und das Westsibirische Tiefland vorüber. Genau bei Kilometer 5191 - nach vier Tagen und vier Nächten Zugfahrt - wird Irkutsk erreicht, die vor 300 Jahren gegründete Hauptstadt Ostsibiriens. Hier wird die Fahrt unterbrochen.

Der Baikalsee - das "Auge Sibiriens"

"Irkutsk ist ein älteres, ungepflegtes Mütterchen", gibt Ljuba, die russische Reiseleiterin, zu. In der Tat sind viele der einst schmucken Holzhäuser mit filigranen Schnitzereien und Verzierungen dem Verfall preisgegeben. Sehenswert ist das Dekabristenmuseum, das über den Dezemberaufstand in St. Petersburg und die Zwangsarbeit der nach Sibirien Verbannten berichtet. Restauriert werden die imposanten Kirchen der Stadt: die blau-rot gestrichene Kasaner Kirche, die katholische Kirche oder die Gotteserscheinungskirche am Ufer der mächtigen Angara.

Weit attraktiver als die Stadt Irkutsk ist das "Auge Sibiriens", der Baikalsee. Nur rund 80 Kilometer sind es von der Metropole zum sagenumwobenen See, der nicht nur der größte Süßwasserspeicher der Welt ist. Mit 1700 Metern Tiefe und einem Alter von etwa 25 Millionen Jahren nennt er weitere Superlativen sein eigen.

Landschaftlich eindrucksvoll

Einzigartig sind auch Fauna und Flora des Sees. Von den im Baikal und seiner Umgebung lebenden 1500 Tierarten und rund 2000 Pflanzen kommt mehr als die Hälfte nur hier vor. Neben der Baikalrobbe ist vor allem der Omul bekannt, ein zur Gattung der Lachse gehörender Fisch: Ganz gleich ob gebraten, gekocht oder geräuchert, fehlt er auf keiner Speisekarte der Region.

Der landschaftlich eindrucksvollste Teil einer jeden Transsibirien-Reise beginnt nach Irkutsk, wenn die Trasse über viele Stunden direkt am Ufer des Baikals verläuft. Daher empfiehlt es sich, bei der Buchung der Reise darauf zu achten, dass die gewählte Zugkombination diesen Streckenabschnitt tagsüber passiert.

Entgegen allen Vorurteilen ist diese Bahnreise sicher

Am frühen Morgen fährt die Transsib weiter nach Wladiwostok. Andere Reisende wählen die Transmandschurische Route, die nach Ulan Ude in Richtung Zabaikalsk abzweigt, dem russischen Grenzort zu China. Sie führt über Harbin und Shenyang weiter nach Peking. Eine weitere Variante führt nach Nauski, einem Grenzort zwischen Russland und der Mongolei. Von Suhe Bator, dem mongolischen Grenzort, geht es dann durch die Grassteppen der Mongolei nach Ulan Bator. Von der mongolischen Hauptstadt sind es noch 1561 Kilometer bis nach Peking.

Die Strecke nach Wladiwostok führt in einem weiten Bogen über Tschita und Chabarowsk. Wladiwostok, die Hafenstadt am Pazifik, war als militärisches Sperrgebiet lange Zeit nicht zugänglich. Nach mehr als 9200 Kilometern geht hier eine unvergessliche Zugreise zu Ende. Entgegen allen Vorurteilen ist diese Bahnreise sicher. In den Zug gelangt nur, wer eine gültige Reservierung vorweisen kann. Energische Schaffnerinnen, zwei pro Waggon, achten streng auf die Einhaltung der Vorschriften - finstere Gestalten müssen draußen bleiben.

Detlef Berg, dpa

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