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Sansibar: Wo der Weihnachtsduft herkommt

Immer der Nase nach

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Auf Sansibar heimisch geworden - der Kakao kam aus Amazonien auf die Gewürzinsel.

Es schmeckt süßsauer und klebt wie Honig an der Hand, aber zum Naschen ist es nicht gedacht. "Das ist ein Abführmittel", verrät Mister Mitu seinen fragenden Gästen. Er hält die geöffnete Fruchthülse eines Tamarindenbaumes in den Händen, rührt mit dem Finger im weichen Fruchtmus und fährt fort: "Keine Sorge, es wirkt nicht stark. Man macht ein Getränk daraus - oder Bonbons."

Der alte Inder ist in seinem Element: Er reicht Kostproben und erzählt nebenbei Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. "Und nachher", hebt er an, "zeige ich Ihnen, wo der Pfeffer wächst."

"Spice Tours" ins grüne Herz der Insel

Gewürze, vor allem Nelken, prägen Sansibar seit Jahrhunderten. Überall wachsen Nelkenbäume, deren süßer Duft über der Insel liegt. Die Blüten werden geerntet, in der Sonne getrocknet und landen im Glühwein oder Weihnachtsgebäck. Doch der Nelkenhandel reicht längst nicht mehr aus, alle Einwohner von Sansibar zu ernähren, denn die Weltmarktpreise liegen am Boden. Seit sich der verarmte sozialistische Staat Tansania dem Fremdenverkehr geöffnet hat, haben die alten Handelsgüter eine ganz neue Bedeutung gewonnen. Sie sind nun Touristenattraktionen: Gewürzführungen, "Spice Tours" genannt, locken die Gäste ins grüne Herz der Insel.

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Kolonialer Schacher - die Deutschen tauschten Sansibar 1890 gegen Helgoland

Mister Mitu war der Erste, der anfing, Touristen durch das Hinterland Sansibars zu führen. Inzwischen hat er viele Nachahmer gefunden. Entsprechende Führungen werden in Stone Town, der Altstadt Sansibars, an jeder Straßenecke angeboten. Trotzdem gelten Mitus Touren als die informativsten, ist er doch ein glänzender Kenner der Insel und ihrer Geschichte. Täglich um 09.00 Uhr wartet er vor dem Kino in der Altstadt, dem Cinema Afrique, auf Gäste.

Mit Nase und Zunge die Welt entdecken

Eine Tour dauert den ganzen Tag und endet mit einem gemeinsamen Essen. Man sitzt auf einem luftigen "Dalla-Dalla", einem umgebauten Lastwagen mit einem Dach aus Holz, und lässt sich den Wind um die Nase wehen. Die Küstenluft weicht einem feucht-süßen Dunst. Kokospalmen stehen am Straßenrand Spalier. Vorbei an Ruinen und Palästen führt der Weg zu Plantagen und Gärten. Dort kann man probieren und raten, wozu diese und jene Rinde, Frucht oder Knolle wohl dient. Ist dies da Zimt, dort Vanille und weiter hinten Kardamom für Plätzchen oder Pfefferkuchen? Mancher Weihnachts-Leckerei lässt sich auf diese Weise auf den Grund gehen.

Es ist ein sinnliches Erlebnis, mit Nase und Zunge die Welt zu entdecken, an Früchten zu schnüffeln oder Rinden zu kauen. Nur wenige der hier wachsenden Pflanzen stammen ursprünglich aus Sansibar. Sie sind Zeugen des Welthandels, wurden von den Phöniziern hier "vergessen", von Portugiesen und Persern im Mittelalter mitgebracht oder von Arabern und Engländern systematisch angebaut. Der Kaffee stammt aus Äthiopien, Kakao aus Amazonien und Ingwer aus der Südsee, Vanille kommt aus Mexiko.

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Geändert November 2000 von to