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"Blaues Band Schwedens"

Der Wasserweg von Göteborg nach Stockholm

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Schweden

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Motala - Schon vor mehr als 160 Jahren erfreute sich der Wasserweg zwischen Göteborg und Stockholm großer Beliebtheit:

"Die Sehenswürdigkeiten und die abwechslungsreich schöne Natur können eigentlich gar nichts anderes in den Gästen erwecken als reines Wohlgefühl", heißt es in einem Reiseführer von 1837. Und noch heute gilt die knapp 600 Kilometer lange Route vom Kattegat bis zur Ostsee, das "blaue Band Schwedens", als eine der reizvollsten durch das skandinavische Land.

"Zwei Meere, einen Fluss, drei Kanäle, acht Seen und 66 Schleusen" versprechen heutige Reiseführer. Ausgangspunkt der mindestens vier Tage langen Reise an Bord eines Kanalschiffes ist Göteborg, die größte Stadt im Westen Schwedens. Zunächst geht es den Göta-Fluss aufwärts, ehe zwischen Trollhättan und Vänersborg die ersten Schleusen den Schiffen hinauf helfen auf eine Höhe von 44 Metern über dem Meeresspiegel und hinein in den Vänersee.

Motala, "Hauptstadt" des Götakanals

Die Route führt weiter an dessen Südufer entlang, bis bei Sjötorp das Herzstück des "blauen Bandes" beginnt: der 190 Kilometer lange Götakanal. Dessen erste Etappe führt über den Landrücken zwischen dem Vänersee und dem kleineren Vättersee. In diesen mündet der Kanal bei der Festungsstadt Karlsborg. Auf diesem Teilstück erreicht er mit 92 Metern über dem Meer seinen höchsten Punkt. Weiter geht es zum westlichen Ufer des Vättersees bis nach Motala, "Hauptstadt" des Götakanals und Ausgangspunkt der zweiten Kanal-Etappe.

Sie führt über die kleinen Seen Boren und Roxen und an der Stadt Söderköping vorbei bis nach Mem an der Ostsee. Auf dem letzten Stück des Wasserweges passiert der Besucher den Schärengürtel der Ostsee, gelangt in den Mälarsee und schließlich zu einem der Anlegekais mitten in der Hauptstadt Stockholm.

Saftige Wiesen und einsam gelegene Gehöfte

Während der Tour erblickt das Auge des Besuchers saftige Wiesen und einsam gelegene Gehöfte, die mit ihrem traditionell roten Anstrich aus Birkenhainen hervorscheinen. Vorbei geht es an lichten Laubwäldern, in denen Elche leben, und dichten Schilfgürteln am Uferrand der Seen. Dort lassen sich Grau- und Fischreiher beobachten, und mit etwas Glück bekommt man Adler zu Gesicht. Das Schiff passiert prunkvolle Schlösser ebenso wie winzige Dörfer und verträumte Städtchen.

Wem unterwegs der Sinn nach vertieften Informationen über die Region steht, sollte in Motala Halt machen. Dort erzählt das Museum zum Götakanal, welche Plackerei nötig war, um den Traum vieler Schweden zu erfüllen: ein direkter Transportweg zwischen Göteborg und Stockholm. Von 1810 an schufteten 58 000 Soldaten an diesem Projekt. 300 000 Kubikmeter Fels sprengten sie aus dem Weg, buddelten mit Pickel und Spaten die Kanalrinne aus, 14 Meter breit und drei Meter tief. 22 Jahre vergingen bis zur Vollendung der Wasserstraße.

Im Kanu nach eigener Lust und Laune paddeln

Für diejenigen, die mit dem Auto entlang des "blauen Bandes" unterwegs sind, ist es ein erhabener Anblick, wenn die altertümlichen Kanalschiffe, die "weißen Schwäne", vorüberziehen. Die "Juno", Veteranin der Flotille, stammt aus dem Jahr 1874. Das jüngste ihrer beiden Schwesterschiffe wurde 1931 gebaut, gut 30 Meter lang und mit 55 Schlafplätzen an Bord ausgerüstet. Das Schauspiel des Schleusens lässt sich vielleicht am eindrucksvollsten bei Berg, auf der Strecke zwischen Vättersee und Söderköping, bewundern: Elf Stufen erklimmen die Schiffe hier, auf- oder abwärts wie auf einer nassen Treppe.

INFO-KASTEN: Schweden

Schweden-Werbung für Reisen- und Touristik, Hamburg (Kostenloses Info-Telefon: 00800/30 80 30 80)
Internet: http://www.visit-sweden.com
Verschiedene Reisepakete können gebucht werden bei: AB Göta Kanalbolag, Box 3, S-59121 Motala (Tel. von Deutschland: 0046/141/20 20 50, Fax: 0046/141/21 55 50)
E-Mail: info@gotakanal.se
Internet: http://www.gotakanal.se

Natürlich müssen Besucher den Wasserstrang nicht in seiner gesamten Länge befahren. Von den meisten größeren Ortschaften längs des Weges starten Ausflugstouren, die einen Tag oder auch nur ein paar Stunden dauern. Und wer möchte, kann sich ein Kanu ausleihen und nach eigener Lust und Laune paddeln. Auf der gesamten Strecke sind Sanitärstationen, Camping- und Grillplätze angelegt. Das Baden ist überall auf freier Strecke erlaubt.

Mit Draisinen vorbei an Wiesen, Wäldern, Seen

Beliebt sind auch die Treidelpfade längs der Kanalabschnitte: Sie werden von Wanderern, Reitern und von Fahrrad-Touristen genutzt. Zudem gibt es ein gut ausgebautes Radwegenetz. Allein rund um den Vättersee kann auf einer Strecke von insgesamt 470 Kilometern in die Pedale getreten werden. Von Gullspång aus besteht eine Reisemöglichkeit ganz besonderer Art: Mit gemieteten Draisinen lassen sich auf den Gleisen einer stillgelegten Bahnstrecke rund 80 Kilometer zurücklegen, vorbei an Wiesen, Wäldern, Seen und verlassenen Bahnhöfen.

Weil schließlich Natur und Kultur zusammen gehören an Schwedens langem Wasserweg, existieren neben jenem in Motala zahlreiche weitere Museen, werden Ritterspiele aufgeführt oder Theatervorstellungen am Kanal gegeben. Eines hat sich eben doch verändert gegenüber der Zeit vor mehr als 160 Jahren: Das Angebot für die ganze Familie längs des "blauen Bandes" ist viel umfangreicher geworden.

Matthias Huthmacher, dpa - Fotos: gms

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