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Im einzige Nationalpark der Schweiz ist die Natur sich selbst überlassen

Der Bartgeier zieht wieder seine Kreise

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Auf den Spuren der Bergsteiger begeben sich jährlich rund 200.000 Besucher des einzigen Schweizer Nationalparks im Unterengadin

Chur - Für seinen Beruf ist Peter Roth die Idealbesetzung. So und nicht anders hat ein Schweizer Ranger auszusehen: die Haut braun gegerbt, der Backenbart edelweiß, Pfeife und Filzhut scheinbar fest mit dem Kopf verwachsen. Unter der Krempe kommt ein Paar wachsamer Augen zum Vorschein, denen auch auf Hunderte von Metern keine Regung eines Lebewesens entgeht.

"Da oben fliegt ein Steinadler", bedeutet der 61-Jährige seiner Gruppe. Sofort greift alles zum Feldstecher oder versammelt sich um die beiden von Roth mitgebrachten Fernrohre. Steinadler sind neben Bartgeiern die Stars im Schweizerischen Nationalpark (SNP) - eine willkommene Abwechslung nach allerlei Hirschen, Gämsen und weniger prominenten Parkbewohnern.

Der älteste Nationalpark Mitteleurops

An die 200 000 Besucher wandern alljährlich zwischen Juni und Oktober durch das Areal im Unterengadin. 1914 gegründet, ist der SNP der älteste Nationalpark Mitteleuropas und zugleich der einzige der Schweiz. Als einheimische Naturschützer sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Einrichtung einer Schutzzone einsetzten, war von der alpinen Artenvielfalt in der Gegend nicht mehr viel übrig: Bär, Wolf, Luchs, Bartgeier und sogar der Hirsch waren ausgerottet - von den größeren Tierarten hatte nur die Gämse der Expansion des Menschen widerstanden.

Wenn es in der Zwischenzeit in den Tälern der Graubündner Berge wieder von Tieren wimmelt, so ist dies zum Teil der Einwanderung, zum Teil gezielter Ansiedlung zu verdanken. Besonderer Anteilnahme erfreut sich dabei der früher missachtete Bartgeier, von dem wieder knapp 20 Exemplare über der Ostschweiz kreisen. Wer auf einer Tour einen der mit ausgespannten Flügeln bis zu drei Meter breiten Vögel erspäht, darf sich glücklich schätzen, schließlich machen sich diese bei einem Aktionsradius von etwa 250 Kilometern ziemlich rar.

Selbst Blumen zu pflücken ist verboten

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Nur als Besucher für ein paar Stunden sind Menschen im Nationalpark willkommen. Ranger Peter Roth erläutert ihnen das Gebiet

Im SNP wird inzwischen alles getan, um die Ruhe der Tiere und die autonome Entwicklung der Natur nicht zu stören. Ranger Roth erläutert die wichtigsten Verbote mit erhobenem Wanderstock: nicht die Wege verlassen, keine Blumen pflücken, kein Feuer entzünden, keine Hunde mitbringen, keinen Schmutz hinterlassen. Der Mensch ist im SNP nur als Beobachter geduldet, selbst wenn er Gutes im Schilde führt. So wurden auch die Verwüstungen nach den großen Lawinen von 1951 und 1999 nicht beseitigt - man will sehen, wie die Natur selbst mit Krisen fertig wird.

Eine Krise ganz anderer Art haben die Einwohner des Unterengadin selbst dem SNP beschert, als sie im vergangenen Winter der vorgesehenen Erweiterung per Volksabstimmung einen Riegel vorschoben. Der Plan sah vor, die Kernzone des Parks um 30 Quadratkilometer zu vergrößern. Um sie herum sollte eine so genannte Umgebungszone von rund 300 Quadratkilometern geschaffen werden, in der Landwirtschaft dann zumindest in ihrer nachhaltigen Form erlaubt gewesen wäre. Die Befürworter hatten unter anderem ins Feld geführt, dass der SNP als zweitkleinster Nationalpark der Alpen seine Attraktivität für Touristen steigern müsse.

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