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Barockstädte in Sizilien

Charme der verfallenden Pracht

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Kicken in klassischer Kulisse

Das Dutzend kleiner Sizilianer, das einen alten Fußball über den Domplatz von Siracusa kickt, hätte sich kaum eine schönere Kulisse für das Spiel aussuchen können. Domkirche, Rathaus und mehrere Paläste: Jedes Bauwerk zieht die Augen der Touristen auf sich.

Die meist barocken Fassaden - wuchtig und doch verspielt, abgenutzt und doch elegant - prägen das schmucke Bild dieses größten Platzes in der Altstadt von Siracusa. Der Betrachter ist so sehr von der Architektur gefangen, dass er gar nicht bemerkt, gerade einem Konter im Wege zu stehen: Ein Steppke im schwarz-weißen Trikot von Juventus Turin umkurvt ihn, drischt den Ball in eine Palasteinfahrt und jubelt mit großer Geste - 1:0 für Juve.

Für die Sizilianer ist die barocke Architektur ein Stück Alltag, das auch schon mal als Fußballtor herhalten muss. Für viele Besucher der größten Mittelmeerinsel aber ist der sizilianische Barock eine Entdeckung.

Sizilien - viel mehr als Mafia, Ätna und Ruinen

Wer an Sizilien denkt, dem kommt meist zunächst die Mafia in den Sinn, der Feuer speiende Ätna, Tempelruinen aus der Zeit der Griechen und Römer und vielleicht auch die weiten Plantagen voller Orangen, Zitronen und Tomaten. Aber Barock? Touristen, die zum ersten Mal den äußersten Süden Italiens bereisen, sind deshalb oft überrascht, wie viele prachtvolle Bauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert die Zeit überdauert haben und sich heute, wenn auch mit zum Teil wenig Erfolg, gegen den Verfall wehren. Vor allem die Provinzen Siracusa und Ragusa im Südosten Siziliens haben Barock-Liebhabern eine Menge zu bieten.

Barockes Prunkstück: Noto,

Ein barockes Prunkstück ist zum Beispiel Noto, etwa 50 Kilometer südwestlich von Siracusa. Die Kirchen, Klöster und Palazzos im schachbrettartig angelegten Zentrum verdanken ihre Entstehung einem Erdbeben, das 1693 das weiter landeinwärts gelegene alte Noto fast komplett dem Erdboden gleichmachte. Adel und Orden gaben daraufhin viel Geld aus, um sich im neuen Noto mit Prunkbauten zu übertreffen. Säulen, Balkone, Treppen - alles Steinerne scheint hier in Bewegung zu sein und zeigt sich in geschwungenen Formen mit viel Zierrat.

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Piazza Immacolata in Noto

Leider ist in den vergangenen gut 300 Jahren aber zu wenig getan worden, die Pracht zu sichern. Der Zahn der Zeit und vor allem Autoabgase haben kräftig an der Substanz genagt. Noto präsentiert sich heute als Stadt mit morbidem Charme, auch wenn die Stadt einiges unternimmt, um an Architektur zu erhalten, was noch zu erhalten ist.

So ist die wichtigste Flaniermeile, der Corso Vittorio Emanuele, in Teilen inzwischen für den Autoverkehr gesperrt, der Dom wird mit großem Aufwand restauriert: Das Innere der 1770 vollendeten Kathedrale wurde komplett ausgehöhlt, die 1999 begonnene und umgerechnet mehr als 26 Millionen Mark teure Sanierung soll frühestens 2004 beendet sein. Von der Spitze der zum Dom hinauf führenden Treppe aus haben Besucher auch während der Arbeiten faszinierende Ausblicke auf das Stadtbild.

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Geändert am 8. September 2000 15:24 von to