[an error occurred while processing this directive]

Neue Tipps/Touren

Reise-Galerie

Weltkarte


"Easy going" in Südafrika:

Mit dem Baz-Bus auf der Garden Route

Anklicken zum Vergrößern

SÜDAFRIKA

  • Foto-Show
  • Infos/Tipps
  • Jenseits der Fensterscheiben zieht Afrika vorbei. Doch der Schwarze Kontinent will so gar nicht den Erwartungen entsprechen. Er wirkt europäisch - keine Schlaglöcher in den Straßen, in endloser Folge wechseln Häuser im holländischen Stil mit Wiesen und Weinbergen.

    Der Frühling kommt gar norddeutsch daher: Es nieselt. Den Bus füllt ein Lied mit heller Stimme: "La-lala-lalah, it goes around the world, just la-lala-lalah" - ein Hit geht um die Welt. Und jetzt gerade fährt er mit einer Gruppe Rucksacktouristen im Baz-Bus von Kapstadt nach Port Elizabeth - auf der Garden Route Südafrikas.

    Die Gedanken hängen den sonnigen Tagen in Kapstadt nach. "Wir haben den Bus extra für Rucksackreisende mit knappen Budget gemacht", hatte Yael van der Heyden die Idee der Firma erklärt. Mit nur einem einzigen Ticket können die Backpacker sicher und bequem durchs ganze Land fahren. Eine Fahrt - etwa von Kapstadt bis nach Johannesburg - könne dabei beliebig oft an verschiedenen Orten unterbrochen werden. Eine zeitliche Obergrenze für die Tour gebe es nicht, sagte Yael: "Der Baz-Bus setzt die Leute an einer Herberge ab, und genau dort nimmt er sie auch wieder mit."

    Wo die Natur zum Pinsel greift

    Ein Blick am Abend vom Bloubergstrand hinüber zur Stadt macht rasch klar, warum viele von Kapstadts Lage schwärmen: Vorne umwächst die Stadt die weit geschwungene Table Bay. Hinten schmiegen sich die Häuser an den Tafelberg, der als Wahrzeichen über allem thront.

    Südlich des Tafelberges strecken sich die Gipfel der Kaphalbinsel wie ein Rückgrat der Antarktis entgegen. Auf den letzten Meilen bis zum Kap der Guten Hoffnung scheint der Schwarze Kontinent noch einmal alle Reisenden mit seiner Natur belohnen zu wollen: Vorbei an malerischen Vororten wie Clifton, Camps Bay oder Hout Bay schlängelt sich eine der wohl schönsten Küstenstraßen der Welt zwischen hoch aufragenden Felsburgen und der kalten Brandung des Atlantiks bis zum Kap der Guten Hoffnung. Das spektakulärste Stück - der Chapmans Peak Drive - wurde hier in 150 Metern Höhe in die Klippen gesprengt.

    Der milde Einfluss des Indischen Ozeans hat im Wechselspiel mit dem kalten Atlantik die Berge am Kap zu einem der pflanzenreichsten Lebensräume der Welt werden lassen. Über 8000 Arten haben Botaniker hier gezählt, mehr als Tausend existieren ausschließlich hier. Im südafrikanischen Frühling von September bis November wird die ganze Vielfalt sichtbar: Geranien und Lilien, Erica, Gladiolen und Proteen schießen ins Kraut. Die Blüten in Blau, in Gelb und Violett verteilen sich fleckenhaft über die Hügel, und es scheint so, als habe ein Maler sie mit leichtem Pinselstrich auf einen grünen Teppich getupft.

    Rücksichtslose Frackträger erobern Simonstown

    Das Kap selbst ist zwar weder der südlichste Punkt Afrikas noch trennt es den Atlantik vom Indischen Ozean. Doch immerhin stößt hier der kalte Benguela-Strom auf warmes Wasser aus den Tropen und türmt dabei hohe Wellen auf. "Kap der Stürme" nannten es die frühen Seefahrer. Die Wassermassen bringen dabei Futter für viele Arten von Meerestieren mit, die an den Küsten der Kaphalbinsel eine Heimat gefunden haben. Während etwa auf der kleinen Felsinsel Duiker Island bei Hout Bay Pelzrobben dicht gedrängt in der Sonne dösen, haben sich am Bolders Beach in Simonstown zahlreiche Pinguine breit gemacht.

    Sehr zum Verdruss der Einwohner - denn die Frackträger sind rücksichtslos. Weil ihre Kolonie am Strand längst aus allen Nähten platzt, wackeln sie lautstark durch den Ort und beziehen Quartier, wo immer es ihnen passt: "Schauen Sie unter ihrem Wagen nach Pinguinen, bevor Sie losfahren", steht auf Schildern im Ort. Einmal habe ein aggressiver kleiner Kerl auf der Suche nach einem neuen Brutplatz sogar einen Wachhund aus dessen Hütte gejagt, erzählt ein Bewohner den Gästen am Strand.

    Abenteuer "light" - nichts für richtige Traveller

    "Okay Leute, wer nach Hermanus will, muss beim nächsten Stopp raus", reißt die Stimme des Fahrers die Reisenden aus ihren Träumen. "Dort werdet ihr abgeholt und in eure Herbergen gebracht." Taschen und Rucksäcke werden rasch ausgeladen. Sofort setzt der Bus die Reise fort. Zurück bleiben ein Häuflein Backpacker und eine Tankstelle.

    "It's easy going!", sagt ein junger Australier. Der Baz-Bus sei sehr bequem. Doch nutze er ihn nur, weil seine Surfbretter zu sperrig sind und er sie nicht weit schleppen könne. "Ein richtiger Traveller nimmt nicht den Baz-Bus", fügt er an, "der nimmt normale Busse und Bahnen." Nur so könne man schließlich in einem fremden Land etwas vom Alltag der Menschen erleben.

    Mit dem Baz-Bus durch Südafrika zu fahren bedeutet, ein Abenteuer "light" zu erleben. Eingefleischte Globetrotter werden andere Wege bevorzugen, um vorwärts zu kommen. Doch denjenigen Rucksackreisenden, die es bequemer mögen, bietet der Bus eine Möglichkeit, sicher das Land zu bereisen. Dem Wunsch vieler, das Land selbst zu entdecken und in Südafrika vielleicht auch mit Schwarzen - der großen Mehrheit im Land - in Kontakt zu kommen, kann der Baz-Bus nur schwer entsprechen.

    Die Kinderstube der Südkapper

    In Hermanus, dem nächsten Halt, scheint die Welt noch in Ordnung zu sein: Pinguine gibt es hier nicht, und die Wale, die den Ort bekannt gemacht haben, bleiben vorerst auch noch im Meer. Wenngleich sie sich hier sehr nah an die Küste wagen: Hermanus gilt als die Walhauptstadt Südafrikas. Südkapper aus der Antarktis haben die Bucht vor der Stadt zu ihrer Kinderstube erkoren. Jedes Jahr von September an kommen sie, um im flachen Wasser ihre Jungen zu gebären. Oft halten sich die bis zu 15 Meter langen Tiere so nahe dem Ufer auf, dass es kein Problem wäre, ihnen von oben auf den Rücken zu springen.

    Der weitere Weg entlang der Garden Route führt vorbei am Tsitsikamma Coastal National Park: Hier beginnt der bekannteste Wanderweg Südafrikas. Der Otter Trail führt über 48 Kilomter von der Mündung des Storms River westwärts an der Küste entlang bis zum Natureäs Valley. Die Zahl der Wanderer ist jedoch streng begrenzt, so dass der Weg häufig ausgebucht ist. Im Tsitsikamma Nationalpark wachsen die letzten Küstenwälder Südafrikas. Einige der typischen Yellowoodbäume dort sind sogar mehr als 850 Jahre alt.

    Narben der Apartheid und Auffangbecken für die Hoffnungslosen

    Endpunkt Port Elizabeth: Die Stadt ist keine Schönheit. Weltweit bekannt wurde sie 1977, als das Apartheid-Regime hier den schwarzen Bürgerrechtler Steven Biko umbringen lies. "Die Narben der Apartheid sind noch immer im Stadtbild zu sehen", sagt Bradley Levack. Der farbige Lehrer zeigt Touristen die Stadt und führt sie auch in die schwarzen Townships, in denen er aufgewachsen ist. Seit dem Ende der Apartheid seien die Townships enorm gewachsen und zu Auffangbecken für die Hoffnungslosen geworden, sagt Bradley. Denn viele Menschen in Südafrika verlassen das Land auf der Suche nach Arbeit.

    "Wir fahren jetzt nach Barcelona", sagt Bradley und gibt Gas. Das Township heiße so, weil es 1992 während der Olympischen Spiele entstand. Nach mehreren Zwischenstopps fährt er den Kleinbus vorbei an Hütten aus Wellblech und Bretterverschlägen. Am Ngoli Street Market wechseln lebende Hühner ihre Besitzer. Frauen feilschen um Gemüse und Obst. Kinder mit Bauchläden bieten Snacks und Zigaretten.

    Nach zwei Stunden endet die Tour in Masina's Tavern, einer dunklen Kaschemme mit vergitterter Theke. Im Halbdunkel der Kneipe sitzen Männer und trinken Bier. Mit steifem Nacken starren sie die Wand hoch. Dort thront der Fernseher. Er zeigt Fußball - irgend ein Spiel aus der englischen Premier League. Isaac Masina, der Besitzer der Bar, gibt Einen aus: "We all like football", sagt er - und prostet seinen Gästen zu: "Welcome to Africa!"

    Von Arnd Petry, gms - Fotos: gms

    IVWPixel Zählpixel

    Zuletzt geändert von hej