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Orientalische Verführung in Syrien:

Burgen, Basare und Badehäuser

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  • Damaskus - Die Frage, ob nach den Terroranschlägen in den USA deutsche Touristen arabische Länder besuchen sollten, lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine Hilfe bei der Entscheidungsfindung sind die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes - und was Syrien angeht, sieht das Ministerium in Berlin gegenwärtig keinen Anlass, von Reisen abzuraten. Die Lage im Land war auch nach den Terroranschlägen ruhig. Syrien jetzt links liegen zu lassen, wäre zudem ausgesprochen schade.

    In den vergangenen 6500 Jahren hinterließen 33 Zivilisationen ihre Spuren, darunter die Sumerer, Babylonier, Ägypter, Griechen, Römer, Kreuzritter und die Osmanen. Daher hat Syrien mehr zu bieten als hellenistische Säulen und biblische Schauplätze: Urlauber finden eine islamisch-arabische Kultur mit grandiosen Badehäusern und dem größten Basar des Morgenlandes vor. Islamische Fundamentalisten dagegen haben in Syrien wenig zu melden. Die Syrer gelten von jeher als tolerant. Außerdem ist nicht das ganze Volk moslemisch: Zwei Millionen Christen leben in Syrien, das sind immerhin rund 13 Prozent der Bevölkerung.

    Keine Schleier, Miniröcke sind nicht verboten

    Viele Frauen gehen ohne Schleier durch die Straßen. Alkohol und Miniröcke sind nicht verboten. Statt Koran-Kalligraphien hängen an den Häuserwänden Bilder des Präsidenten. Gleichwohl ist Syrien keine westliche Gesellschaft. Man sieht keine Paare, die sich in der Öffentlichkeit küssen. Auch der Verkehr folgt eigenen Gesetzen: Auf der Autobahn sind Eselskarren keine Seltenheit. Rote Ampeln werden eher als Empfehlung zum lauten Hupen als zum Anhalten angesehen.

    Heiße Dampfbäder mit Massage

    Ein beliebtes Freizeitvergnügen der Syrer ist der Besuch eines der alten Badehäuser. In Damaskus können auch Touristen zum Beispiel den Nuraddin-Hammam im alten Basarviertel besuchen - ein acht Jahrhunderte altes Badehaus mit herrlichen Kuppeln und Kacheln. Hier ist man auf neugierige Abendländler eingestellt und spricht sogar ein bisschen Englisch und Französisch. Geboten werden heiße Dampfbäder mit Massage auf dem warmen Marmorboden unter der großen Kuppel.

    Wo Paulus in einem Korb von der Stadtmauer herabgelassen wurde

    Das Basarviertel ist das Herz der Altstadt von Damaskus, die von Ost nach West von der schnurgeraden "Via recta" geteilt wird. In ihrer Nähe stehen zwölf christliche Gotteshäuser. Zwei davon sind für Touristen ein "Muss": die Ananias-Kapelle und die Kapelle des Heiligen Paulus im Stadttor Bab Kaisan. Glaubt man der Bibel, wurde der Apostel dort von seinen Anhängern in einem Korb von der Stadtmauer herabgelassen, damit er vor Verfolgern fliehen konnte. Die rund 2000 Jahre alte Ananias-Kapelle liegt sechs Meter tief in der Erde und ist einer der ältesten christlichen Sakralbauten überhaupt.

    Schönster Rastplatz des Orients: das Kaffeehaus Al Nawfara

    Nicht weit entfernt liegt die Omajjaden-Moschee, die auf das achte Jahrhundert nach Christus zurückgeht. Besonders prächtig sind hier die Mosaiken in den Arkadengängen, die das Paradies darstellen. In der Mitte des Betraums steht ein mit Plastikblumen verzierter Schrein, der das Haupt Johannes des Täufers bergen soll. Und direkt am Ostportal der Moschee lockt der vielleichst schönste Rastplatz des Orients: das Kaffeehaus Al Nawfara. Hier sitzen die Gäste auf Holzstühlen, nippen am Mokka oder saugen an einer Wasserpfeife.

    Neben Damaskus wartet Syrien noch mit vielen weiteren christlichen Stätten auf. Interessant ist Maloula, ein Dorf in den Bergen nördlich von Damaskus. Hier und in zwei benachbarten Orten sprechen noch ungefähr 20 000 Menschen Westaramäisch - die Sprache, die auch Jesus Christus sprach. Viele Besucher lockt auch die Kreuzritterburg "Krak des Chevaliers" mit ihren Türmchen und Schießscharten an. Von hier aus kontrollierten die Kreuzritter von 1110 bis 1271 das Land.

    INFO-KASTEN: SYRIEN

    Informationen: In Deutschland gibt es kein Fremdenverkehrsamt Syriens. Auskünfte sind in begrenztem Umfang erhältlich bei der Syrischen Botschaft, Andreas-Hermes-Straße 5, 53175 Bonn (Tel.: 0228/81 99 20, Fax 0228/819 92 99) sowie bei Reiseveranstaltern, die Syrien im Programm haben. Dazu gehören unter anderem Biblische Reisen in Stuttgart, Dertour in Frankfurt/Main und Studiosus in München.

    Simeon und seine Säule

    In Nordsyrien lohnt das Simeonskloster einen Besuch. Seinen Ruhm verdankt es dem ersten Säulenheiligen der Geschichte. 30 Jahre lebte Simeon auf einer 19 Meter hohen Säule, betend, fastend und schlafend. Nach seinem Tod im Jahr 459 wurde damit begonnen, eine Kirche um die Säule herum zu bauen. Von Simeons Säule ist heute nur ein etwa ein Meter hoher Stumpf übrig, der Rest verschwand Brocken für Brocken in den vergangenen 1500 Jahren als Souvenir in den Taschen von Pilgern.

    Atem beraubend: Palmyra, Oasenstadt in der Wüste

    Atem beraubend ist Palmyra, eine Oasenstadt in der Wüste: Aramäer und Kanaaniter legten den Baal-Tempel und die Turmgräber an, vollkommen in Stil und Proportionen. Königin Zenobia machte Palmyra ab 266 zu einer der prunkvollsten Städte der damals bekannten Welt. Doch war Zenobia größenwahnsinnig und legte sich mit dem römischen Reich an - im Jahr 271 ließ Kaiser Aurelian daher Palmyra zerstören.

    Aleppo ist Syriens zweitgrößte Stadt. Reisende, die noch eine Dosis Geschichte vertragen, sehen sich die Zitadelle im Zentrum an, die größte Burg der arabischen Welt. Gleich daneben lockt mit dem größte Basar des Orients ein weiterer Superlativ: Der Souk von Aleppo besteht aus insgesamt zwölf Kilometern überdachter Ladenstraßen. Es riecht hier überall nach Kardamon und Olivenseife, nach Hammelfett und Mottenkugeln. Irgendwo meckert eine Ziege, ein Muezzin ruft zum Gebet - die Farben, Gerüche und Geräusche überschwemmen die Sinne.

    Gregor Garbassen, gms - Fotos: gms

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