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Theiß-Region setzt nach Umweltkatastrophe auf Öko-Urlauber

Sanfter Tourismus in einer geschundenen Natur

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Auch, wenn in der Theiß-Region Tiere zu sehen sind - von der Öko-Katatsrophe nach dem Dammbruch in einem rumänischen Bergwerk hat sich die Natur noch nicht vollständig erholt

Kisköre - Wie ein Jäger auf seinem Hochsitz thront der Fischreiher auf dem Baumstumpf, der knapp einen Meter aus dem Wasser des Theiß-Sees herausragt. Der Vogel muss nicht lange auf Beute warten: Der See in Ungarn ist voll von Fischen, schließlich blieb das 140 Kilometer östlich von Budapest gelegene Gewässer dank Schleusen weitgehend von der Zyanidverseuchung verschont, die vor eineinhalb Jahren vom rumänischen Bergwerk Baia Mare ausging. Doch auch der Fluss Theiß selbst, der durch den zweitgrößten ungarischen See fließt, hat sich - entgegen mancher Expertenschätzung - recht gut von der Blausäurewelle erholt.

Mittlerweile wirbt die Region am See und am Fluss wieder um Urlauber - Öko-Tourismus heißt das Stichwort. Im Januar 2000 schien das noch undenkbar. Damals waren nach einem Dammbruch in dem rumänischen Bergwerk 110 000 Tonnen giftige Zyanidlauge ausgetreten - genug, um 60 Millionen Menschen zu töten, sagt Eva Montsko, die Sprecherin des Regierungsbeauftragten für die Theiß-Rehabilitierung, Janos Gönczy. Die Blausäurewelle gelangte in die Theiß und zerstörte innerhalb weniger Tage in einem Abschnitt von 700 Kilometern nahezu die gesamte Tier- und Pflanzenwelt.

Etwa 124 Tonnen toter Fische wurden geborgen, die Zahl der tatsächlich verendeten Tiere schätzt die ungarische Regierung auf das Hundertfache. Touristen, die ihren Badeurlaub in der Theiß-Region geplant hatten, waren verunsichert. Viele sagten ab. Den ökologischen und wirtschaftlichen Schaden durch die Verseuchung beziffert die Regierung auf 28 Milliarden Forint (umgerechnet 224 Millionen Mark).

Artenspektrum fast so breit wier vor der Giftwelle

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Campingzelte statt Bettenburgen beherrschen das Bild am See

Inzwischen jedoch geben der ADAC und die Umweltorganisation WWF Entwarnung: "Die Fischfriedhöfe haben sich erstaunlich schnell regeneriert, weil sich Jungfische aus Nebenarmen und Auen der Theiß ansiedeln konnten", heißt es in einem WWF-Bericht, der ein Jahr nach der Katastrophe erstellt wurde. Eine Bestandsaufnahme zeige, dass das Artenspektrum bereits fast wieder so breit ist wie vor der Giftwelle. Eva Montsko zufolge ist aber die Nahrungskette zum Teil noch gestört.

"Bereits im Sommer 2000 konnte man im Theiß-See wieder baden", sagt ADAC-Biologin Gabriele Dobrocsi. Auch der Fluß sei nach Ablauf der Verschmutzung wieder zyanidfrei gewesen. Cornelia Bruckner vom ADAC-Sommerservice nennt den Theiß-See sogar einen "Geheimtipp" für Urlauber. Das Wasser ist laut ADAC sauberer als im Plattensee. Zudem werde Naturfreunden mehr als an dem bekannteren See Ungarns geboten, sagt Dobrocsi. Sie gehört zu dem ADAC-Biologen-Team, das im Sommer die Wasserqualität an rund 4000 Stränden des nördlichen Mittelmeers, an Nord- und Ostsee sowie an beliebten Badeseen Europas untersucht.

Ein eigenes Öko-System hat sich entwickelt

Der Theiß-See ist ein künstlich angelegter Stausee, in dem sich in den vergangenen 20 Jahren ein eigenes Öko-System mit einer besonderen Tier- und Pflanzenwelt gebildet hat. Die Theiß durchfließt das Gewässer, das von Inseln, Altarmen des Flusses und Kanälen durchzogen ist. Der See ist 27 Kilometer lang und misst an der breitesten Stelle 6 Kilometer. Im Sommer erreicht das Wasser Temperaturen zwischen 22 und 24 Grad. Von Bettenburgen ist rund um den See nichts zu sehen. Statt dessen gibt es kleine Ferienhaussiedlungen und Campingplätze.

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