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Zweifelhafter Trend zu All-inclusive:

Eselführerschein und Bananenboot

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Fahrten mit dem "Bananenboot" - an vielen türkischen Stränden ein Standardangebot

Belek - Martin trägt einen schönen christlichen Namen, seine Manieren lassen aber zu wünschen übrig. So beißt er seinem Vordermann gern ins Hinterteil, fällt unaufgefordert in Galopp oder stimmt ein Geschrei an, das an eine rostige Wasserpumpe erinnert. Martin ist ein Esel und um seine Aufgabe wirklich nicht zu beneiden.

Gerade wuchtet er einen 90 Kilogramm schweren Mann einen Anstieg im türkischen Taurusgebirge hinauf. 120 Kilogramm sind nach Angaben des einheimischen Aufsichtspersonals möglich. Was bei Überschreitung oder außerplanmäßiger Entkräftung des Esels droht, wird nicht erläutert.

Allzu häufig muss Martin solche Strapazen aber nicht auf sich nehmen. Der Tagesausflug durch das Hinterland der Tourismuszentren Antalyas werde von Urlaubern nicht besonders gut gebucht, sagt Veranstalter Zafer Toyran. Und obwohl die Region seit einiger Zeit einen Ansturm sondergleichen erlebt, kämen nicht mehr, sondern eher weniger Teilnehmer als früher. Nicht anders verhalte es sich mit Touren zu den versteinerten Wasserfällen von Pamukkale, zu den antiken Stätten Perge und Side oder in die Altstadt von Antalya.

Rafting lockt die Urlauber

Allenfalls sportlicher Nervenkitzel wie etwa Rafting scheint die Urlauber noch aus ihren All-inclusive-Enklaven locken zu können. Das Interesse für Land und Leute ist, so scheint es, gering. "Ohne ein bisschen Animation geht nichts", klagt Toyran. "Deshalb versprechen wir auch den Leuten, hier den Eselführerschein machen zu können."

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All-Inclusiv-Angebote liegen voll im Trend

2,35 Millionen deutsche Urlauber kamen im Jahr 2000 in das Land am Bosporus. Für 2001 wurde nach einem beispiellosen Boom im Frühling und Sommer eine Steigerung auf bis zu drei Millionen erwartet - so jedenfalls die Prognose vor dem 11. September, der auch der Türkei Einbußen bescherte.

All-inclusive-Reisen: Türkei ist der Spitzenreiter

60 Prozent der türkischen Hotels bieten ihren Gästen diese Form der Komplett-Verpflegung, schätzt Dieter Krug, zuständiger Manager beim Reisekonzern Thomas Cook in Oberursel (Hessen). "In den vergangenen beiden Jahren gab es einen enormen Anstieg. Viele Hoteliers haben auf All-inclusive umgestellt."

Auch Konkurrent TUI in Hannover meldet für die abgelaufene Sommersaison ein Wachstum von mehr als 50 Prozent bei den All-inclusive-Reisen. Spitzenreiter unter den Zielländern sei inzwischen die Türkei, gefolgt von der Dominikanischen Republik. Im kommenden Sommer soll das Angebot speziell für die Türkei abermals um mehr als 50 Prozent ausgebaut werden.

"Die Bevölkerung profitiert zu wenig davon"

Jährlich ziehen Zehntausende Menschen in der Hoffnung auf einen Arbeitsplatz aus dem Hinterland in die Tourismuszentren an der Küste. Entsprechend rapide und chaotisch verändert sich das Gesicht der Städte. Zwar gibt es an der türkischen Riviera auch umweltschonende Tourismusprojekte, bei denen etwa Familienpensionen der Vorzug vor großen Hotelkomplexen gegeben wird. Doch solche Angebote haben es angesichts des anhaltenden Runs auf All-inclusive-Urlaub schwer.

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Wenig bekanntes Hinterland: Ins Taurusgebirge in Antalya verirren sich nicht viele Touristen

Selbst Thomas-Cook-Manager Krug räumt ein, dass die Abschottung in Anlagen mit Rundum-Versorgung dem Land auf die Dauer nicht gut tut: "Die Bevölkerung profitiert zu wenig davon. Auch uns als Veranstalter wäre es lieber, wenn der Anteil der Halbpension wieder steigen würde und sich in der Türkei eine bessere Infrastruktur entwickeln könnte."

Reisen bildet, wenn man sich darauf einlässt

Nach dem Ritt auf dem Esel steht für die Ausflügler ein Essen bei einer einheimischen Familie auf dem Programm. Obwohl in den Bergen eigentlich kein Platzmangel herrschen dürfte, teilen sich in dem kleinen Haus vier Erwachsene einen Raum als Wohn- und Schlafzimmer - ähnliche Umstände müssen auch die ersten Gastarbeiter zur Übersiedelung ins kalte Deutschland bewogen haben. Einer der türkischen Reisebegleiter, der in Deutschland aufgewachsen ist, erzählt unterdessen, dass er gern zurück möchte, weil er sich im Land seiner Väter abgelehnt fühlt. Die Gruppe hört ihm betroffen zu - Reisen bildet, wenn man sich darauf einlässt.

Auf der Rückfahrt dann das gleiche Erlebnis wie am Vormittag: Alle Passanten, besonders die Kinder, winken den ausländischen Gästen auf dem Pritschenwagen auf das Herzlichste zu - allzu häufig bekommen sie Touristen eben nicht zu Gesicht.

gms - Fotos: gms

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