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Skivergnügen in den Rockies:

Utah lockt mit "bestem Schnee der Welt"

Wintersport in Utah

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  • Es bedurfte mehrerer Anläufe, bis Salt Lake City die Olympischen Winterspiele zugesprochen bekam. Seit den sechziger Jahren hatte sich die Hauptstadt des US-Bundesstaates Utah mehrfach beworben, aber jedes Mal den Kürzeren gezogen.

    Unbefangene Besucher der Region mag das überraschen, denn wohl nirgendwo auf dem Globus ist der Schnee so pulvrig, so leicht und so trocken wie in den Wasatch Mountains, einem Westausläufer der Rocky Mountains. Stolz preisen die Einwohner die Winterpracht auf den Nummernschildern ihrer Autos sogar als "Greatest Snow on Earth", als besten Schnee der Welt.

    "Champagne Powder" - wunderbarer Pisten-Rohstoff

    Im Winter türmt sich der Schnee oft mehrere Meter hoch. Weil er so weich und trocken ist, können daraus zwar keine Schneemänner gebaut werden, aber er ist ein wunderbarer Rohstoff für Skipisten. Die Einheimischen nennen den Schnee "Champagne Powder", was ein wenig verwundert, sind sie doch zu 70 Prozent Mormonen. Und die trinken - zumindest offiziell - weder Champagner noch anderen Alkohol.

    Insgesamt gibt es in Utah 14 Wintersportorte, die als Resorts bezeichnet werden. Sie sind keine gewachsene Siedlungen, sondern wurden fast durchweg für Touristen hochgezogen - was keineswegs ein Minuspunkt ist: Die Resorts liegen an malerischen Standorten im Gebirge, sind aber trotzdem gut erreichbar - die Entfernung zu Salt Lake City beträgt jeweils nur 45 bis 60 Autominuten. Die Skiorte verfügen außerdem über moderne und schnelle Liftanlagen und Gondeln, an denen man sehr viel seltener Schlange stehen muss als in den Alpen. Manche Resorts, etwa Solitude und Deer Valley, sind zudem täuschend echt aussehende Nachbildungen europäischer Bergdörfer.

    Holzhäuser wie aus Österreich eingeflogen

    ADRESSEN: Utah

    Ski Utah, 150 West 500 South, Salt Lake City, UT 84101, USA, Tel. von Deutschland: 001/801/534 17 79, Fax: 001/801/521 37 22,
    Internet: www.skiutah.com

    Wer befürchtet, dass Utah den kompletten Winter von Olympioniken überlaufen sein wird, liegt falsch. Erstens dauern die Spiele nur einen Bruchteil der Wintersaison: vom 8. bis 24. Februar. Zweitens sind nur zwei Prozent der Skipisten und Lifte des Staates für die Medaillenkämpfe reserviert. Drittens finden olympische Wettbewerbe nur in drei Resorts statt: Deer Valley, Park City und Snowbasin.

    Deer Valley liegt im Schatten des 2917 Meter hohen Empire-Canyon-Gipfels. Dank strenger Bauvorschriften hat das 1981 eröffnete Resort fast den Charme eines Tiroler Bergdorfes. Eines der Holzhäuser sieht sogar aus wie direkt aus Österreich eingeflogen: Das "Goldener Hirsch Inn" ist ein Imitat des 500 Jahre alten Schwesterhotels in Salzburg mit Möbeln im Alpenbarock und Personal im Dirndl. Stilvoll wohnt man auch in der "Stein Eriksen Lodge": Das skandinavisch eingerichtete Luxushotel gehört dem aus Norwegen eingewanderten gleichnamigen Riesenslalom-Olympiasieger von 1952.

    Die Skiausrüstung wird lächelnd zur Piste getragen

    Die Leser des US-Magazins "Ski" bewerteten Deer Valley mehrfach als führend, was Pistenpflege, Service und die Gourmet-Gastronomie betrifft. In den gehobenen Restaurants des Resorts findet man auch Elch und Hirsch auf der Speisekarte. Die Spitzenstellung beim Service verdankt Deer Valley seinen uniformierten Pagen, die die Gäste am Parkplatz oder an der Busstation begrüßen, um ihre Skiausrüstung zum Hang zu tragen - mit lächelndem Gesicht. In Europa ist das undenkbar.

    Snowboarder haben in Deer Valley Pistenverbot, die 88 Abfahrten sind den Skifahrern vorbehalten. Während der Winterspiele finden hier die Slalom-Rennen der Damen und Herren statt. Die schönsten Slalompisten sind jedoch nicht die präparierten Abfahrten, sondern die Espen- und Birkenwälder. Die spindeldürren Bäume stehen so weit auseinander, dass geübte Fahrer bequem zwischen ihnen durchsausen und eventuell im Unterholz herumstehende Hirsche weiträumig umfahren können. Anders als in Europa ist das Fahren quer durch den Wald in Utah erlaubt, sofern nicht Lawinenwarnschilder es verbieten.

    Cheeseburger und Cola statt Gerstelsuppe und Glühwein

    Leider gibt es in Utah - wie überall in den USA - so gut wie keine Einkehrhütten an den Pisten, sondern höchstens einen Fast-Food-Tresen im Schnee, der Cheeseburger und Cola statt Gerstelsuppe und Glühwein feilhält. Auch eine spaßige Apres-Ski-Szene, wie man sie aus Europa kennt, sucht man vergeblich. Fündig wird man allenfalls in Park City: Kein anderer Wintersportort in Utah hat so viele Restaurants und Bars zu bieten wie die alte Bergarbeiterstadt, deren Hauptstraße mit ihren Fassaden aus dem 19. Jahrhundert aussieht wie aus dem Wilden Westen.

    Ein guter Start ist in Park City "The Claimjumper Steak House" (573 Main Street), wo saftiges Büffelsteak für saftige 30 Dollar (64,95 Mark/33,20 Euro) auf der Karte steht. Für die späten Stunden sind die "No Name Bar" und "Mother Urbans Ratskeller" mit Hefeweizen im Ausschank und Livebands auf der Bühne Treffpunkt der Club-Szene.

    Die Piste "Widowmaker" - Abfahrt mit bis zu 145 Stundenkilometern

    Park City hat auch bei prominenten Amerikanern einen guten Ruf. Schauspieler Tom Hanks wurde hier ebenso auf den Pisten gesichtet wie Arnold Schwarzenegger und Ex-Präsident Bill Clinton. Das Skigebiet hat 100 Pisten, darunter viele leichte, aber auch schwierige mit so verheißungsvollen Namen wie "Widowmaker" (Witwenmacher). Park City gilt als Utahs Boarder-Mekka - kein Wunder also, dass hier alle olympischen Snowboard-Wettbewerbe stattfinden.

    Dritter olympischer Austragungsort ist Snowbasin nördlich von Salt Lake City bei Ogden. Das Resort galt seit seiner Gründung 1939 als Geheimtipp. Mit der Ruhe ist es dort jetzt natürlich vorbei, denn im Februar wird in Snowbasin gleich in sechs Disziplinen um Medaillen gekämpft, unter anderen im Super-G und in der alpinen Abfahrt. Die anspruchvollste Piste ist nur Könnern zu empfehlen - sie erlaubt im Schuss ein Abfahrttempo von bis zu 145 Stundenkilometern.

    Oktoberfest in Plattenbausiedlung

    Ebenfalls nichts für Angsthasen ist Snowbird: In keinem Skigebiet Utahs sind die Abfahrten steiler. Selbst die als leicht eingestuften blauen Pisten sind nur etwas für Fahrer mit starken Knochen. Einen Preis für das schönste Dorf wird Snowbird dagegen sicher nicht gewinnen - mit seinen funktionalen Betonhotels ähnelt der Ort eher einer Plattenbausiedlung. Daran ändert auch das Oktoberfest nichts, das hier alljährlich mit Blasmusik und deutschem Bier gefeiert wird.

    Ein weiterer Pluspunkt von Snowbird: Nirgendwo im Staate Utah ist Frau Holle großzügiger als hier. Allein im November fallen - gemessen am Durchschnitt der vergangenen Jahre - 180 Zentimeter Schnee. Der schneereichste Monat ist erfahrungsgemäß der März mit 233 Zentimetern Neuschnee. In der Saison, die in Utah von November bis April dauert, rieseln auf Snowbird insgesamt 12,70 Meter Schnee herab.

    Zu Gast bei Robert Redford

    Ein weiterer Wintersportort in den Bergen bei Salt Lake City ist Solitude. Obwohl das Resort erst in jüngster Zeit aus dem Boden gestampft wurde, vermittelt es mit seinen Holzbalkons und Erkern fast europäischen Charme. Außerdem ist es, weil es so neu ist und kaum Stammgäste hat, nie überlaufen. Die Pisten sind durchweg gut präpariert und sehr gut ausgeschildert. An zwei Tagen pro Woche können die Gäste auch nach Einbruch der Dunkelheit bergab fahren, weil die Pisten dank Flutlicht fast taghell erleuchtet sind.

    Und dann ist da noch Sundance. Auch wenn hier mit acht Metern pro Saison nicht der meiste Schnee fällt, gilt der Ort als glamouröseste Adresse in Utah. Das Resort im Western-Stil gehört dem Schauspieler Robert Redford, der es 1969 kaufte und mit viel Geschmack und Fingerspitzengefühl umbauen ließ. Malerisch schmiegen sich die Blockhütten in den wilden Provo Canyon, eingerichtet sind sie mit Kamin, von Hand gefertigten Möbeln und indianischer Kunst.

    Whisky an der Wild-West-Bar mit echten Einschusslöchern

    Im Resort gibt es ein Atelier, in dem Gäste unter fachkundiger Leitung töpfern, malen und Glas blasen können. Nicht zu vergessen ist das Fine-Dining-Restaurant "Tree Room": Es ist dekoriert mit indianischer Kunst aus der Privatsammlung von Robert Redford. Im Kamin knackt das Brennholz, und die Kellner tragen Leckerbissen wie getrüffelte Brie-Tarte und Lamm in Kräuterkruste auf.

    Sundance hat nur vier Lifte und deshalb wenig Besucher. Am Abend bleibt viel Zeit für einen Abstecher in die zum Resort gehörende "Owl Bar", die garantiert die bestsortierte in Utah ist. Allein 10 Sorten Margarita und 25 Sorten Whisky stehen auf der Karte. Der Bartresen ist aus zwei Gründen eine Attraktion: Er ist ein Original aus Wild-West-Zeiten mit echten Einschusslöchern echter Cowboys. Und außerdem sitzt hier manchmal Mister Redford persönlich auf einem Barhocker und erholt sich von einem harten Tag auf der Piste.

    Gregor Garbassen, gms - Fotos: gms

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