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Die Provinz Vicenza

Feudale Villen und lebendige Schachfiguren

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Vicenza

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Vicenza - Wenn es deutsche Touristen nach Vicenza verschlägt, dann befinden sie sich meistens auf Durchgangsreise. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der italienischen Region Veneto hat schließlich starke Konkurrenz: im Westen Verona, im Süden Padua und im Osten schließlich Venedig. Doch Vicenza und Umgebung bieten mehr, als bei einer Stippvisite zu sehen ist.

Als Johann Wolfgang von Goethe auf seiner Italienreise nach Vicenza kam, war er von der Stadt so eingenommen, dass er sich gleich zehn Tage dort einquartierte. Bereits damals waren es vor allem die Bauwerke des Architekten Andrea Palladio (1508 bis 1580), die den Dichter interessierten. Und bis heute ist Vicenza die Stadt Palladios geblieben. Hier hat der Baumeister mehr als 20 Palazzi und Villen gebaut.

Palladio - der Baumeister von Vicenza

Gleich im Stadtzentrum, auf der Piazza dei Signori - dem Herrenplatz - bestimmt die von ihm gestaltete imposante Basilika das Bild. Flankiert wird sie vom 80 Meter hohen Torre di Piazza. Es war Palladios erster Auftrag, den aus dem Mittelalter stammenden Bau, der Gerichtspalast und Markthallen beherbergt, vor dem völligen Einsturz zu retten.

Auch das Vorzeigestück Vicenzas, das Teatro Olimpico - das älteste geschlossene Theater Europas aus dem Jahr 1580 - wurde von Palladio entworfen. Berühmt geworden ist es auch wegen seines völlig intakt gebliebenen Bühnenbildes, das mit einer perfekten Perspektiventäuschung vor dem Auge des Zuschauers eine Stadt des 16. Jahrhunderts entstehen lässt.

Auf den Spuren von Goethe

Doch es sind vor allem die Landsitze Palladios, die den Ruf der Provinz begründen. Sie dienten den adeligen Familien der Stadt als repräsentative Außenposten. In den Sommermonaten überwachten sie von dort aus das Einbringen der Ernte - natürlich nicht ohne sich dort die Zeit mit Festen zu vertreiben. Der Villa Rotonda am Stadtrand sollten selbst Architekturmuffel einen Blick gönnen. Am besten schlägt man den Fußweg ein, den einst schon Goethe nahm, als er von der hoch am Berg gelegenen Wallfahrtskirche Monte Berico zur Villa spazierte.

Das Fremdenverkehrsamt von Vicenza stellt einen Routenführer zur Verfügung, auf dem alle Villen der Provinz eingezeichnet sind. So bietet sich eine Fahrt um die Berischen Hügel - die Monti Berici - im Süden der Stadt an. Wer auf verschlungenen kleinen Straßen einen Vorstoß in die kaum besiedelten Hügellandschaft wagt, wird nicht nur mit bestechenden Ausblicken belohnt, sondern kann auch die Aufsehen erregende Villa Fracanzan entdecken.

Lebendschachspiel auf dem Marktplatz

Der Adelslandsitz ist bis heute in Familienbesitz. Die Eigentümer haben allerdings den Besuchern das Feld geräumt und sind in die Nebengebäude gezogen. Touristen können am Wochenende oder nach Anmeldung die vollständig eingerichteten Innenräume bewundern. Als hätten die damaligen Bewohner um die Jahrhundertwende Hals über Kopf das Haus verlassen müssen, zeigt das Interieur ein beeindruckendes Bild über das adelige Alltagsleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wer genug Villen gesehen hat, sollte sich in den Nordosten der Provinz Vicenza aufmachen. Dort lockt das mittelalterliche Marostica alle zwei Jahre im September mit einem Lebendschachspiel auf dem Marktplatz der Stadt. Im Jahr 1454 soll der Heerführer und Herzog von Marostica dieses Schachspiel angeordnet haben, als die Söhne zweier befreundeter Familien um seine schöne Tochter Lionora warben. Jeder Bewerber musste damals mit einer lebenden Mannschaft auf dem mit Marmorplatten ausgelegten Schachbrett auf dem Schlossplatz antreten.

INFO-KASTEN: Vicenza

Tourismusamt Vicenza/Vicenca è, 134, via E. Fermi, 36100 Vicenza (Tel. von Deutschland: 0039/0444/99 47 70)
E-Mail: info@vicenzae.org

In historischen Kostümen lassen die Bewohner Marosticas die Partie bis heute regelmäßig aufleben - in diesem Jahr vom 6. bis 8. September. Mehr als 600 Komparsen aus den Reihen der Bürger schwingen Fahnen, blasen Schalmeien und lassen Bauern, Läufer, berittene Springer und große Holztürme über das Schachfeld ziehen. Sieger der Originalpartie war glücklicherweise der Favorit der schönen Lionora. Aus Freude und wohl auch aus Erleichterung soll sie damals das ganze Schloss hell mit Kerzen erleuchtet haben. Heute ist diese romantische Geste einem krönenden Feuerwerk gewichen.

Von Marostica aus sind es nur wenige Autominuten zum weitaus bekannteren Bassano del Grappa. Den Namen verdankt der Ort am Eingang des Brentatals dem Berg Monte Grappa, der zunächst einmal nichts mit dem gleichnamigen Getränk zu tun hat. In Italien ist er vor allem wegen einer der grausamsten Schlachten des Ersten Weltkriegs bekannt.

Doch Nomen est Omen: In Bassano hat sich 1779 die wohl berühmteste Grappa-Brennerei der Region angesiedelt. Direkt am Eingang zum Wahrzeichen der Stadt, der mehr als 400 Jahre alten Holzbrücke Ponte degli Alpini, lockt die "Bottega Storica della Distilleria Nardini" Touristen wie Einheimische gleichermaßen an. Seit mehr als 200 Jahren werden hier hinter der lackierten Theke Wein, Grappa und andere aromatisierte Spirituosen ausgeschenkt. Wer es nicht ganz so hochprozentig möchte, sollte vom Reciotto kosten. Der süße Dessertwein ist eine Spezialität der Region - am besten zu genießen nach einer typisch vicentinischen Baccala, einem Gericht aus aufgekochtem Stockfisch mit Maispolenta.

Cécile Prinzbach, dpa

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