[an error occurred while processing this directive]

Neue Tipps/Touren

Reise-Galerie

Weltkarte


Immer mehr Winzer entdecken Washington State als gutes Weinland

Eher klein und fein, aber ausgezeichnet

Washington State

Foto-Show Infos/Tipps

Richland - Am Ende bleibt die Erinnerung an dieses enorme Wandgemälde in einem Hotel der Kleinstadt Walla Walla: Weinberge in herbstlich warmen Rot- und Ockertönen unter einem drohenden Gewitterhimmel. Sechs Meter breit und zwei Meter hoch: Kein großartiges Kunstwerk, nichts Berührendes, aber wegen der Maße kaum zu vergessen.

Als sollte mit Nachdruck jeder Gast erinnert werden, dass er in einer Weinregion Halt gemacht hat. Schließlich gilt der US-Bundesstaat Washington als das zweitgrößte Weinanbaugebiet des Landes nach Kalifornien.

Alle zwei Wochen entseht ein neues Weingut

Zugegeben, in Kalifornien werden jährlich rund 173 000 Hektar Wein angebaut, in Washington State sind es gerade 12 000. In Kalifornien spricht man von rund 900 Weingütern, hier sollen es höchstens 150 sein. Alle zwei Wochen aber, so hat jemand errechnet, entsteht derzeit ein neues Weingut. Und das US-amerikanische Fachmagazin "Wine Enthusiast" hat Washington State 2001 sogar als Weinanbauregion des Jahres ausgezeichnet.

Zwei Stunden mehr Sonnenschein als in Kalifornien

Das günstige Klima macht es, sagen die Winzer. Die Tage sind heiß, die Nächte kühl. So halten die Temperaturwechsel den Säuregehalt der Beeren, auch wenn der Zuckeranteil steigt. Bis zu zwei Stunden täglich scheint die Sonne länger als im südlichen Kalifornien.

In Walla Walla Valley gibt es 30 Weingüter

Nach Walla Walla braucht man von Seattle mit dem Wagen knapp vier Stunden, keine 40 Minuten dauert der Flug. Rund 30 Weingüter zählt man heute im Walla Walla Valley. Vor drei Jahren waren es noch 10. Sie heißen "Waterbrook" und "Whitman Cellars" oder "Seven Hills" und "Three Rivers Winery".

Ganz uneuropäische Weinkeller

Die "Three Rivers Winery" entspricht so gar nicht den europäischen Vorstellungen von Weinkellereien: In weiß getünchten hohen Hallen lagern die Fässer beinahe aseptisch unter dem gleißenden Licht der Neonlampen. Der Tastingroom, die Probierstube, geht zur Terrasse mit Blick auf die Blue Mountains und sechs Hektar Weinanbaugebiet. Sechs Hektar sind nicht viel, reichen aber für eine schöne Aussicht. In der Eingangshalle werden T-Shirts, Weingläser, Tassen und Baseballmützen mit dem Logo der Winery verkauft und natürlich auch Wein. Mehrfach ausgezeichnet wurden die Merlots, Cabernet Sauvignons, Syrahs und Sangioveses.

Früher kannte man nur Weißen

Im Columbia Valley, wieder etwas westlich Richtung Seattle, findet sich die "Tri-Cities-Region" der drei Städte Pasco, Kennewick und Richland. Hier liegt das größte Weinanbaugebiet der Gegend. In rund 60 Weinkeltereien werden die Trauben zu Wein. Kannte man vor 20 Jahren gerade die Weißweine wie Riesling und Chenin Blanc, so schwärmen Kenner heute auch von den ausgezeichneten Rotweinen Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah.

Atombombe machte aus einem Kaff eine Kleinstadt

INFO-KASTEN: Washington State

Fremdenverkehrsamt Washington State, c/o Wiechmann Tourism Service, Scheidswaldstraße 73, 60385 Frankfurt
Tel: 069/405 95 74, Fax: 069/43 96 31
Internet: www.washingtonwine.org
www.experiencewashington.com

Richland, wo der Yakima River in den Columbia River fließt, muss nicht mehr um Bekanntheit buhlen. Einst war die Stadt Teil der Hanford-Site, bekannter als Manhattan-Atombombenprojekt. In der Plutoniumfabrik wurde die Ende des Zweiten Weltkrieges über Nagasaki abgeworfene Atombombe entwickelt. Das Rüstungsprojekt ließ den Ort wachsen. Aus dem 250-Seelen Dorf wurde in knapp zwei Jahren eine Kleinstadt mit 11 000 Einwohnern.

Alphabet-Häuser weisen Komfortgrad aus

Für die zugezogenen Mitarbeiter mussten Wohnungen geschaffen werden. So überzog man die Gegend mit 3500 nahezu identischen Wohnhäusern - je nachdem, ob einfaches Arbeiterhäuschen oder großzügigeres Managerhaus durch Buchstaben typisiert: A-Typ-Haus, B-Typ-Haus bis hin zu den Z-Typ-Häusern. Noch heute fallen die so genannten Alphabet-Häuser auf.

Dank Vietnam-Krieg zur Winzerin geworden

Weiter geht es ins Yakima Valley zu Shirley Puryear, Weinpionierin der Region. In den siebziger Jahren wollte sie eigentlich für die CIA arbeiten. Dann habe ihr aber der Vietnam-Krieg die Lust daran vergrätzt. Puryear wurde Winzerin. 24 Weingüter und rund 2800 Hektar Land werden im Yakima Valley mit Rebstöcken bebaut. "Wir arbeiten hier alle zusammen", sagt Puryear. Wer nicht genügend Fässer besitzt oder wer Hilfe bei der Ernte benötigt, könne auf seine Kollegen setzen. Das klingt fast ein wenig zu schön, als dass man es glauben könnte. Aber Puryear erzählt es persönlich.

Weinberuf als Literatur und Kunst

Und schon plaudert sie los: Wie die Bauern des Apfellandes Washington merkten, dass mit Äpfeln kaum mehr Geld zu verdienen war, sich aber das Weingeschäft zu rentieren schien. Oder wie sie noch die Weintrauben bei Freunden pressen ließ, weil sie sich keine Kelter leisten konnte. Natürlich sind es Berichte von Geschäft und Geld. Aber aus dem Mund von Puryear klingt es, als spräche sie von Literatur und Kunst - oder einfach nur von der Liebe zum Wein.

Dietmar Telser, dpa

IVWPixel Zählpixel

Zuletzt geändert von tea