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Wernigerode trägt seinen Beinamen zu Recht

Die bunte Stadt im Harz

Das Schloss vonWernigerode erhielt sein jetziges Erscheinungsbild erst im 19. Jahrhundert.

Wernigerode - Wernigerode macht einen ziemlichen farbenfrohen Eindruck. Die "bunte Stadt am Harz" hat der Schriftsteller und Heidedichter Hermann Löns sie deshalb genannt. Diese wohlwollende und werbetaugliche Bezeichnung hat sich längst etabliert und das zu Recht: Wer zum ersten Mal in die überschaubare Kreisstadt in Sachsen-Anhalt kommt, staunt über die vielen ansehnlichen Fachwerkbauten, die sich über die Jahrhunderte erhalten haben.

Rund um den Marktplatz stehen die Häuser noch wie im Mittelalter, als Wernigerode am Nordrand des Harzes schnell an Bedeutung gewann, Stadt- und Zollrecht bekam und zeitweilig sogar Hansestadt wurde. Wichtigster Blickfang ist auch heute noch das Rathaus mit seinem Schieferdach inklusive Erkerchen mit Uhr, zwei ausgesprochen spitzen Türmchen, einer breiten Treppe und der rot leuchtenden Fachwerkfassade.

Beliebt zum Heiraten

Infos:

Tourist Information, Nikolaiplatz 1,
38855 Wernigerode
Telefon: 03943/19 433, Fax: 03943/63 20 40
E-Mail: wernigerode-tg@netco.de

Schon im Mittelalter wurde im Rathaus ausgelassen Hochzeit gefeiert, wie eine Verordnung aus dem Jahr 1468 belegt, die die Zahl der Gäste auf 120 beschränkte. Die Sorge der Ratsherrn war nicht ganz unbegründet - solche exzessiven Partys dauerten oft von Samstag bis Montag. Das ist heute nicht mehr so. Bei Hochzeitspaaren aus ganz Deutschland ist das Wernigeroder Rathaus aber noch immer eine gefragte Adresse - nach wie vor ist dort das Standesamt untergebracht.

Und so kommt es nicht selten vor, dass vor dem Rathaus schon die Hochzeitsgäste Spalier stehen, während Braut und Bräutigam durch die schwere Eichenholztür treten. Neben dem Wohltäterbrunnen, der munter auf dem Markplatz vor sich hin plätschert und an verdiente Bürger der Stadt erinnern soll, wartet dann die Hochzeitskutsche, und ein Leierorgelspieler sorgt für Musik. Wer im Rathaus nicht gleich heiratet, macht zumindest meist ein Foto: Wernigerode beansprucht mit der bunten Fachwerk-Fassade eines der beliebtesten Motive der Harzregion für sich.

Im "Kleinsten Haus" müssen Große den Kopf einziehen.

Fachwerk wohin man blickt

Fachwerk findet sich im Zentrum der Stadt überall: Das gilt selbst für die Sparkasse hinter dem Rathaus oder das China-Restaurant ein paar Schritte weiter. Restaurants, Cafés und Hotels gibt es in der Innenstadt eine ganze Reihe, oft ebenfalls in Fachwerkhäusern. Der Fremdenverkehr hat Wernigerode schon um die Jahrhundertwende entdeckt.

Wer das nicht weiß, ist etwas überrascht, nicht nur etliche alt eingesessene Hotels zu finden, sondern in der Breiten Straße beispielsweise auch das Café Wien, das an diese Zeit erinnert und tatsächlich um 1900 gegründet wurde. Der Name ist Programm: Ausgerechnet in Wernigerode in Sachsen-Anhalt wird ein Stück Wiener Kaffeehauskultur zelebriert. Untergebracht ist das Café natürlich in einem Gebäude aus dem Mittelalter.

Mini-Häuser und andere Kuriositäten
Österreichische Kaffeehauskultur mitten im Harz.

In der gleichen Straße ist auch das Krummelsche Haus zu bewundern, das seinen kuriosen Namen dem Kornhändler Heinrich Krummel zu verdanken hat, der es im 17. Jahrhundert bauen ließ. Der scheint mit Getreide nicht schlecht verdient zu haben, denn die Schnitzereien, mit denen die Fassade verziert ist, sind vom Feinsten.

Kurioses hat Wernigerode aber noch mehr zu bieten: Das "Kleinste Haus" in der Kochstraße etwa ist wirklich winzig - nicht einmal drei Meter breit und mit einer Tür ausgestattet, bei der Gäste über 1,70 Meter schon den Kopf einziehen müssen. Das genaue Gegenteil ist Wernigerodes Schloss: Für die kleine Stadt am Harz wirkt es fast überdimensioniert. Wer den Aufstieg zu Fuß scheut, kann auch mit der Bimmelbahn fahren.

Paradiesischer Blick vom Schlossberg

Das Schloss geht zwar auch auf die spätmittelalterliche Burg der Grafen von Wernigerode zurück. Seine fantasievollen Erker und Türme verdankt es allerdings erst dem 19. Jahrhundert, als es vollständig umgebaut wurde und der Architekt alle Freiheiten bekam, seine Vorstellung einer mittelalterlichen Ritterburg zu verwirklichen. Das dürfte die meisten Besucher allerdings kaum stören. Für Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, war ohnehin der Blick vom Schlossberg das Entscheidende: "Paradiesisch schön" soll er den Ausblick genannt haben. Und daran hat sich nichts geändert.

Andreas Heimann, gms

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Last edited: tea 03.12.2004 16:07