Rabins letzte Rede:

"Dem Frieden eine Chance geben"

Tel Aviv (Reuter) - In seiner letzten Rede hat sich der israelische Ministerpräsident Izchak Rabin unmittelbar vor den tödlichen Schüssen noch einmal eindringlich für einen umfasssenden Frieden im Nahen Osten stark gemacht. Vor rund 100.000 Teilnehmern einer Friedensdemonstration in Tel Aviv sagte Rabin am Samstag einer inoffiziellen Übersetzung der Nachrichtenagentur Reuter zufolge:

"Diese Regierung, der ich die Ehre habe gemeinsam mit (Außenminister) Schimon Peres vorzustehen, hat sich entschlossen, dem Frieden eine Chance zu geben. Einem Frieden, der die meisten Probleme des Staates Israel lösen wird.

Ich war 27 Jahre lang ein Mann des Militärs. Ich habe Krieg geführt, solange es keine Chance auf Frieden gab. Ich glaube, jetzt gibt es diese Chance, eine große Chance, und wir müssen sie ausnutzen für diejenigen, die heute hier sind und für die, die nicht gekommen sind - und davon gibt es viele. Ich habe immer geglaubt, daß die Mehrheit der Menschen den Frieden will und bereit ist, die Chance für Frieden wahrzunehmen.

Indem ihr zu dieser Demonstration gekommen seid, beweist ihr, daß die Menschen den Frieden wirklich wollen und Gewalt ablehnen. Gewalt zerstört die Grundlage der israelischen Demokratie. Sie sollte verurteilt, ausradiert und isoliert werden. Gewalt ist nicht der Weg des israelischen Staates. Hier herrscht Demokratie. Zwar sind Dispute möglich, gelöst werden müssen diese aber durch demokratische Wahlen.

Frieden ist nicht allein das Thema von Predigten, sondern der Wunsch des jüdischen Volkes. Es gibt aber Feinde des Volkes, die uns angreifen, um den Frieden zu torpedieren. Ich möchte euch sagen: Wir haben unter den Palästinensern einen Partner für den Frieden gefunden - die PLO, die einst ein Feind war, jedoch dem Terrorismus abgeschworen hat.

Ohne Friedenspartner gibt es keinen Frieden. Auch mit Syrien wird es eine Möglichkeit geben, Frieden zu schließen. Diese Versammlung muß der israelischen Bevölkerung, den Juden in der ganzen Welt und vielen in der westlichen Welt sowie anderswo deutlich machen, daß die Menschen in Israel Frieden wollen und den Frieden unterstützen. Danke."

Das dpa-Bild zeigt das blutgetränkte Blatt mit dem Text eines Friedenslieds, das Izchak Rabin bei sich trug


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