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«Das weiße Band» auf Oscar-Kurs

Beverly Hills Mit dem österreichischen Regisseur Michael Haneke freut sich vor allem der deutsche Produzent Stefan Arndt über den Golden Globe für «Das weiße Band» als bester fremdsprachiger Film. Mit seiner Berliner Firma X-Filme hatte der 48-Jährige den Schwarz-Weiß-Film produziert.

Bei der Preisgala in der Nacht zum Montag war er in Beverly Hills mit dabei. Nun hofft das deutsch-österreichische Team, dass der Film auch für einen Oscar nominiert wird.

Wie reagierte Michael Haneke bei der Preis-Vergabe, als der Name seines Films fiel ?

Arndt: «Er war doch recht nervös. Einerseits will man so einen Preis ja haben, auf der anderen Seite aber ist sein Englisch nicht das allerbeste, da war er halt schon aufgeregt, dass er das auf der Bühne anständig hinkriegt. Hinterher fiel das dann alles von ihm ab, und wir hatten einen extrem lustigen Abend. Obwohl Haneke ja eigentlich nicht für seine Amüsier-Qualitäten bekannt ist, aber wir haben uns wirklich bis spät in die Nacht bestens unterhalten.»

Wer kam denn bei den Partys nach der Verleihung auf Sie zu ?

Arndt: «Da lernt man auf einmal Leute kennen, die man immer schon mal kennenlernen wollte. Und wenn sie dann auch noch nett sind, wie etwa Mickey Rourke, dann ist das wirklich ein Knaller. Ganz toll, dass viele Schauspieler und Schauspielerinnen durchaus großes Interesse haben, mit großen europäischen Regisseuren zu arbeiten. Etwa mit Meryl Streep haben wir uns lange unterhalten. Sie ist wirklich so toll, wirklich schlau und schon so lange dabei.»

Wie wird «Das weiße Band» nach ihren ersten Eindrücken in Amerika aufgenommen ?

Arndt: «Die sehen «Das weiße Band» als wirklich großes Epos, so wie «Der Pate» oder wie «1900» aus Italien. Für sie ist es ein großer deutscher Film, der ihnen etwas über eine ganze Epoche erzählt, und das wird hier schon sehr anerkannt. Irrsinnig ist auch, dass jetzt das Gerücht umgeht, dass unser Kameramann Christian Berger von seinen Kollegen bei den Oscars für die beste Kameraführung nominiert werden könnte. Er hat ja schon einige Kritikerpreise gewonnen, aber das wäre wirklich der Ritterschlag, wenn unser Film das schafft.

Sie haben schon viele Filmhits produziert, darunter «Good Bye, Lenin!» und «Lola rennt». Was hat sie an diesem Film gereizt ?

Arndt: «Das Drehbuch war ein total toller Stoff. Und dann habe ich wirklich viel gelernt, wie in meinem ganzen Leben noch nicht, mit und von Michael Haneke, weil der ganz anders ist als alle anderen Regisseure. Er ist unfassbar präzise und weiß genau, was er will und überlegt sich die Sachen vorher und ist dabei auch noch schnell im Kopf. Da steigt dann schon das Arbeitsniveau. Ich bin ihm sehr dankbar dafür. Das war die Gelegenheit mit jemandem zu arbeiten, der wirklich schwierige Filme macht.»

Wie stehen Sie zu der Debatte, ob «Das weiße Band» mehr ein deutscher oder ein österreichischer Film ist ?

Arndt: «Nach dem Globe-Gewinn stehe ich genauso dazu wie vor den Preisen in Cannes: der Film ist ein europäischer Film, der von vier Produzenten aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien gemacht wurde. Nur dadurch, dass sich diese vier Länder verbündet haben, war es auch möglich, den Film zu machen. In diesem Fall ist es so, dass wir Deutschen über die Hälfte des Budgets gegeben haben, dass der Film komplett in Deutschland gedreht wurde und es auch eine deutsche Geschichte ist. Da finde ich es auch richtig, dass der Film als deutscher Beitrag ins Rennen geht.»

Interview: Barbara Munker, dpa

dpa-infocom