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Talanx will Konto bei der Bundesbank erstreiten

Hannover/Frankfurt/Main - Der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx will seinen Zahlungsverkehr über ein Girokonto der Bundesbank abwickeln und zieht dafür vor Gericht.

Nachdem der Antrag auf Eröffnung eines Kontos abgelehnt worden sei, wolle Talanx auf dem Klageweg einen formellen Bescheid erwirken, sagte Sprecher Thomas von Mallinckrodt am Mittwoch in Hannover. Hauptgrund sei, die Risiken zu minimieren, da große Versicherer mehrere Millionen Euro Versicherungsleistungen am Tag abwickeln müssten.

Zum Talanx-Konzern gehören Marken wie der HDI, HDI-Gerling und Hannover Rück. Im vergangenen Jahr nahm er rund 21 Milliarden Euro Prämien ein. Die «Financial Times Deutschland» (FTD/Mittwoch) hatte über den Grundsatzstreit berichtet.

«Die Bundesbank bietet als einzige Bank ein insolvenzsicheres Konto», begründete von Mallinckrodt das Begehren der Gruppe. Die großen Versicherer wollten als Finanzinstitute gleich behandelt werden wie die Banken, die allein das Privileg eines Kontos bei Bundesbank hätten. Der Vorstoß von Talanx richte sich nicht gegen die Geschäftsbanken. «Wir ziehen nicht gegen irgendwelche Banken in den Krieg», sagte der Sprecher. Es gehe allein darum, höchstmögliche Sicherheit zu erreichen und die Risikoposten so gering wie möglich zu halten. Dazu seien Versicherer durch Staat und Aufsicht angehalten.

Die Notenbank bestätigte in Frankfurt, dass sie den Antrag der Talanx auf die Eröffnung eines Kontos abgelehnt habe. Zur Begründung hieß es: «Die Deutsche Bundesbank führt grundsätzlich keine Konten für Wirtschaftsunternehmen.» Nun versuche die Talanx ihr Begehren auf dem Klagewege durchzusetzen. Das Verfahren soll am 11. Februar vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt eröffnet werden.

Die Talanx hält die Begründung für die Absage nicht für ausreichend. Die großen Finanzinstitute müssten gleiche Wettbewerbsbedingungen haben, sagte der Sprecher. Und die Probleme nach der Pleite der Lehman-Bank im September 2008 hätten gezeigt, dass der Einlagensicherungsfonds, bei dem die Kundeneinlagen der privaten Banken normalerweise abgesichert sind, unzureichend sei. Der Fonds war durch staatliche Mittel gestützt worden. Geschäftsbanken dürfen - anders als Versicherer, Industrieunternehmen und Privatleute - Konten bei der Notenbank haben, weil sie Geschäftspartner in geldpolitischen Operationen des Eurosystems sind.

Die FTD schreibt, der Konflikt zwischen Talanx und der Bundesbank verweise generell auf ein tiefer gehendes Zerwürfnis zwischen Versicherungs- und Bankenbranche. In der deutschen Versicherungswirtschaft herrsche die Auffassung vor, es seien die Banken gewesen, die die Finanzkrise im Wesentlichen verschuldet hätten - trotzdem würden die Versicherer als Finanzinstitute in Mithaftung genommen. Die Folge seien beispielsweise verschärfte Aufsichtsregeln und Bilanzstandards.

dpa-infocom