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Ein Kurs für Unerschrockene: Alt-Hebräisch

Worms Barbara Steuer zeichnet Punkte, Haken und Bögen an die Tafel, dass es einem schwindlig werden könnte.

Doch dahinter steckt ein System. Die Kunstwerke sind hebräische Schriftzeichen.

Am Wormser Rudi-Stephan-Gymnasium kann man Alt-Hebräisch lernen - eine extrem schwierige Sprache, die heute gar nicht mehr gesprochen wird. Jeden Freitagnachmittag versammelt sich gut ein Dutzend Unerschrockener in einem Klassenzimmer und taucht in eine Sprache ein, gegen die Latein wohl ein Zuckerschlecken ist. Und dann wird eineinhalb Stunden gezischt und gehaucht. Nur geknackt wird nicht. «Wir können nicht knacken», sagt Lehrerin Steuer.

Im Alt-Hebräischen gibt es nämlich auch Knacklaute. Die bringt der gemeine Mitteleuropäer aber nicht so einfach heraus. Da muss also ein bisschen improvisiert werden. Althebräisch ist das Hebräisch der Bibel, es wird heute nicht mehr gesprochen und hat nur wenige Überschneidungen mit dem modernen Hebräisch (Ivrit).

Dass die Sprache sehr kompliziert ist und sich die Grundzüge dem Neuling wohl erst nach einiger Zeit erschließen, wird schnell klar. Allein, sich die kunstvoll verschnörkelten Schriftzeichen zu merken, ist eine Aufgabe für sich. Dazu kommt, dass Hebräisch von rechts nach links gelesen wird. «Das schwerste ist aber die Grammatik», sagt Richard Roschy.

Der 66-Jährige war früher selbst Lehrer an dem Gymnasium und sitzt nun auf der anderen Seite der Schulbank. Roschy hat sich vorgenommen, Alt-Hebräisch zu lernen. Warum? «Ich bin ein Freund der Bibel und will das Alte Testament im Original lesen», sagt er. Und seit seiner Pensionierung habe er genügend Zeit für so etwas

Die meisten Teilnehmer des zweijährigen Kurses haben eigentlich die Zeiten des Schulbankdrückens längst hinter sich. Es ist ein bunter Altersmix, der mit der Lehrerin Steuer büffelt. Auffällig ist, dass deutlich mehr Frauen als Männer in den Kurs kommen. Nicht jeder hält bis zum Ende durch und legt die Prüfung, das Hebraicum ab, erzählt Steuer. Man müsse dranbleiben, sagt sie. «Es braucht wie bei jeder Sprache ständige Übung, um nicht schnell wieder alles zu vergessen.»

Wie sieht es bei ihr aus? «Ich lerne die Sprache jetzt seit 15 Jahren. Aber auch ich werde noch Jahre brauchen, bis ich fähig sein werde, alle Feinheiten zu erkennen.» Neben der Sprache vermittelt der Kurs auch die Grundzüge des Judentums, unter anderem steht der Besuch einer Synagoge auf dem Programm.

Einige Kursteilnehmer gehen noch zur Schule. Manche machen den Kurs, weil sie schon wissen, dass sie später Theologie studieren wollen - dafür braucht man das Hebraicum. «Die halten den Kurs dann in der Regel auch bis zum Ende durch», sagt Steuer. Es sei einfacher, die Sprache jetzt zu lernen als dann später an der Uni.

Florian Mast ist 15 Jahre alt. Was bringt einen dazu, Alt- Hebräisch zu lernen, während die Klassenkameraden Fußball spielen oder sich anderswie die Zeit vertreiben? «Ich interessiere mich sehr für alte Sprachen», erzählt der Schüler. Alt-Hebräisch sei zwar schwer - «aber es geht schon», sagt er. Und dann ist da noch Jean-Luc, der jüngste Teilnehmer, den Barbara Steuer bisher hatte. Der hochbegabte Junge renkt sich fast den Arm aus, wenn er sich meldet, weil er eine Frage der Lehrerin beantworten will. Er geht erst in die 6. Klasse, hat sich aber schon intensiv mit der Sprache beschäftigt.

www.hebraicum.de

www.rsg.biz-worms.de Von Marc Strehler, dpa

dpa-infocom


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