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Risikofaktor Kind: Karrieremütter sind immer noch die Ausnahme

Berlin/München Kinder und Karriere - das ist für Frauen eine große Herausforderung.

Denn Arbeitgeber nehmen auf die Probleme von Mütter oft wenig Rücksicht, für Selbstständige ist es meist noch schwieriger. Da ist viel Organisationstalent gefragt.

Ohne Oma wäre vielleicht alles anders gekommen. «Sie hat mit 40 eine Werkzeugmaschinenfabrik geführt», erzählt Heike Gudella. «Bei ihr habe ich gesehen, dass Frauen es schaffen können.» Seit rund vier Jahren ist Heike Gudella ebenfalls selbstständig - und das als Mutter von drei Kindern. «Am Anfang waren wir nur zu zweit, inzwischen sind wir 17 Leute», erzählt die Diplom-Kauffrau, die in Düsseldorf und London in der Werbung gearbeitet hat und jetzt ihre eigene Agentur in Hamburg leitet.

Gudella ist eher die Ausnahme als die Regel. «Für Frauen ist es immer noch ganz schwierig, auf der Karriereleiter weit nach oben zu kommen», sagt Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Im Wettbewerb mit männlichen Konkurrenten können Kinder dann leicht zum Nachteil werden: «Ein Kind wird zum Risikofaktor.» Frauen versuchten deshalb oft, sich zunächst eine berufliche Position zu erarbeiten und verschieben den Kinderwunsch, bis das geklappt hat.

«Männer haben häufig eine Partnerin , die die Kinderbetreuung regelt und brauchen sich um solche Einschränkungen beim eigenen Vorwärtskommen weniger Sorgen machen», sagt Holst. Der umgekehrte Fall - Mann hält Frau für die Karriere den Rücken frei - sei eher die Ausnahme. Bei Heike Gudella ist das so: «Es geht nicht ohne einen Partner, der das trägt», sagt sie. «Wenn ein Kind krank ist, kümmert sich mein Mann darum. Wir haben uns darüber geeinigt, bevor ich mich selbstständig gemacht habe.»

Arbeitgeber nehmen auf die praktischen Probleme von Müttern oft wenig Rücksicht: «Es gibt noch große Defizite bei der strategischen Personalplanung», sagt Tiemo Kracht vom Beratungsunternehmen Kienbaum in Hamburg. «Weibliche Führungskräfte verschwinden bei vielen Personalern vom Radarschirm, wenn sie Kinder bekommen, vor allem, wenn sie länger in Elternzeit sind.» Dabei müsste es im Interesse der Betriebe sein, ihnen den Wiedereinstieg zu erleichtern.

Aus Sicht vieler Firmen wäre Dorothee Ritz wahrscheinlich eine problematische Bewerberin gewesen: «Ich war 35, gerade verheiratet, noch keine Kinder, also Risikogruppe Eins», sagt die promovierte Juristin, die bei Microsoft Deutschland in der Geschäftsleitung tätig ist. «Aber man hat mir bei der Einstellung das Gefühl vermittelt, dass es okay ist, eine Familie zu planen.» Inzwischen hat Ritz zwei Kinder bekommen. Während ihrer zweiten Schwangerschaft erhielt sie das Angebot, einen weiteren Geschäftsbereich zu verantworten. «Das war in keinem Moment ein Nachteil, dass ein zweites Kind auf dem Weg war. Ich habe gesagt, ich möchte beides, und ich schaffe das.»

Wer sich für ein Kind entscheidet, muss allerdings klären, wie sich berufliche Ziele trotzdem erreichen lassen. «Man muss sich vorher schon fragen: Wie viel Leistung wird von mir verlangt, und kann ich das erfüllen?», sagt Ritz.

Wie gut ambitionierte Frauen mit Kind Karriere machen können, hängt stark von der Unternehmensphilosophie ab: «Oft ist Anwesenheit im Betrieb noch sehr wichtig. Das macht auf Mütter einen enormen Druck», sagt Ritz. «Macht der Kindergarten früher als üblich zu oder wird die Kinderfrau krank, brauchen Mütter die Flexibilität, nach Hause gehen zu können.» Von Andreas Heimann, dpa

dpa-infocom


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