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Fidel Castro war der Star in New York

New York (dpa) - Kubas Staatschef Fidel Castro hat seinen ersten Besuch in New York seit 16 Jahren zunächst im tadellosen dunklen Anzug beim UN-Gipfel und dann in seiner gewohnten olivgrünen Uniform Harlem zu einem Triumph gemacht: Im Wettbewerb der US-Medien um das Rampenlicht hat er den amerikanischen Präsidenten Bill Clinton klar ausgespielt.

Während Clinton einen Smoking-Empfang für die Führer der Welt gab, wurde der "Maximo Lider" im vorwiegend schwarzen Stadtteil Harlem gefeiert wie kaum jemals zuvor. Clinton hatte ihn als einzigen nicht eingeladen. Castro sei bereits nach seiner Rede in der Gipfel-Vollversammlung stürmischer als Clinton gefeiert worden, stellte die "New York Times" fest. Der kubanische Staatschef forderte "eine Welt ohne rücksichtslose Blockaden, die Männern, Frauen und Kindern den Tod bringen wie lautlose Atombomben". Damit klagte er die USA an, die seit 32 Jahren ein striktes Handelsembargo gegen sein Land aufrechterhalten und es weiter verschärfen wollen.

Von Jelzin umarmt, von Clinton "übersehen"

In der UN-Vollversammlung, wo die Blockade immer wieder gegen die Stimmen der USA und nur ganz weniger Verbündeter verurteilt wurde, fand Castro sein ideales Podium. Rußlands Präsident Boris Jelzin umarmte ihn anschließend gerührt.

Der kubanische Ex-Revolutionär tauchte dann abends in gewohnter Kluft und mit dem alten revolutionären Mythos im Theresa-Hotel wieder auf, in dem er 1960 kurz nach seiner erfolgreichen Revolution bei einer UN-Vollversammlung Unterkunft gefunden hatte. Dann wurde er in der Abyssnischen Babtistenkirche, einem der größten Gotteshäuser des Landes für Afro-Amerikaner, wie ein Held empfangen.

"Ich werde immer noch bei Dinners und Banketts übergangen, als ob nichts sich geändert hätte, als ob wir immer noch im Kalten Krieg seien", rief er seinen Freunden zu. Sie jubelten, als er sagte: "Ich glaube, daß es sehr schwierig sein wird, so etwas in der nahen Zukunft zu tun. Ich wünsche Clinton das Beste. Aber im allgemeinen spreche ich nur zu US-Präsidenten, wenn sie nicht mehr Präsidenten sind."

Alles in allem genommen, sagte Castro, "bin ich lieber in Harlem". Es war ein Bad in der Menge wie auf einem Balkon in Havanna: Seine Zuhörer quittierten praktisch jede seiner Bemerkungen mit Jubel und skandierten Rufen wie "Kuba ja, Blockade nein". "Fidel, Fidel, Fidel" riefen seine Verehrer anschließend zehn Minuten lang auf der Straße, als er die Kirche verließ. Castro winkte immer wieder wieder und kämpfte mit seiner Rührung.

In einem einstündigen Interview mit dem Fernsehsender CNN hatte er vorher die Proteste von Tausenden von Exil-Kubanern und rechten Amerikanern während des Tages zurückgewiesen. Fragen nach der Rolle seiner Tochter Alina Fernandez Revuelta bei diesen Protesten wies er mit der Bemerkung zurück, daß das eine "sehr persönliche Geschichte" sei. Sie hatte Kuba im Dezember 1993 verlassen und steht seitdem in vorderster Front seiner Gegner, die ihn als "Mörder" und "brutalen Diktator" verdammen. Helmut Räther, dpa. Fotos: Reuter


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